Es gibt keinen Frühling

Kristin Pelzl-Scheruga

Es gibt keinen Frühling

Eiskalt oder heiß: Dazwischen gibt‘s nichts

Mehr Notwendigkeit als Freude: Ich fahre beinahe täglich U-Bahn. Was mich aber immerhin der österreichischen Seele näher bringt: „Dass aber jetzt glei’ wieder so schnö haaß wer’n hot miassn...“
Übersetzt bedeutet das so viel wie: Es gibt keine Übergangszeiten mehr. Der Frühling ist abhandengekommen. Was mich dabei am meisten schmerzt: Die unnötige Investition in diverse Trenchcoats, aber egal.
Also: übergangslos von der Daunenjacke in den Bikini. Wir fahren ans Gänsehäufel und zelebrieren den Sommer. Jeder auf seine Weise: Ich klebe an der Liege fest, versuche zu lesen, muss aber immer wieder ins Donaublau blinzeln. Ab und zu segelt ein Schiff vorbei. Traumhaft!
Die Tochter (7) holt sich ein Eis, schmust mit mir, spielt mit ihren „Ever After High“-Puppen und hört Musik (immer noch die Michael-Jackson-Phase). Der Beste zwängt sich in den Neopren-Anzug und schwimmt einmal um die Insel. Endorphingeladen kommt er zurück: „Super war’s!“
Jedem das Seine, sage ich und in Richtung Kind, das immer noch gemütlich auf der Decke liegt: „Gell Rosa, wir sind halt anders als der Papa!“
Pfff, sagt das Kind hinter seinen riesigen Kopfhörern: „Ich will aber nicht so sein wie du!“
Prognose für den Sommer? Heiß-kalt!

Kristin Pelzl-Scheruga ist Gesund-Chefin von MADONNA.