Tante Inge und die Tiere

Kistin Pelzl-Scheruga

Tante Inge und die Tiere

Meine Tante Inge hat – frei nach Rainhard Fendrich – ein Herz wie ein Bergwerk. Keiner
Fliege könnte sie etwas zuleide tun.
Gerade deshalb sind ihre Tiergeschichten so skurril. Den Töchtern ­zuliebe wurde seinerzeit ein Meerschweinchen gekauft. Es hatte seinen Käfig in der Küche und hieß Pauli. Irgendwann fiel der Tante auf, dass Pauli sich seit geraumer Zeit auffallend still verhielt. Sie wollte es nicht wahrhaben: Aber tatsächlich war das Meerschweinchen bereits seit Tagen tot.
Ähnlich ging es ihr beim Wellensittich. Lorri begrüßte die Tante, immer wenn sie ins Wohnzimmer kam, mit fröhlichem Gezwitscher. Mit den Jahren wurde er ein wenig ruhiger, bis er eines Tages verstummte. Auch seine Körperhaltung veränderte sich nicht mehr. Seines Todes wurde sich die Tante aber erst drei Tage nach dessen Eintritt ­bewusst, als ein steifer Lorri von der Stange kippte.
Schließlich die Schildkröte. Sie überwinterte im Vorzimmer, und als es dann Frühling wurde, dachte die Tante nur: „Die schläft aber wirklich lange!“ Wochen später diagnostizierte ein ­Bekannter, dass das Tier höchstwahrscheinlich seit Monaten keinen Atemzug mehr gemacht haben dürfte.
 „Wie geht’s eigentlich eurem Hamster?“, erkundigt sich die Kollegin gerade. Raten Sie, was ich heute zuerst mache, wenn ich nach Hause komme…

Kistin Pelzl-Scheruga ist
Gesund-Chefin von MADONNA.

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