Kinder, wart ihr alle Brav?

Kristin Pelzl-Scheruga

Kinder, wart ihr alle Brav?

Du Mama, war ich brav?“, will die Fünfjährige in Anbetracht des nahenden Nikolaus’ wissen.
Was heißt schon brav, denke ich mir im Stillen. Dass Kinder alles aufessen, was man ihnen kredenzt? Nie toben? Immer gehorchen? Abartig wäre das und ungesund. Und sicher nicht brav.
Dennoch muss ich mir überlegen, was ich in den Nikolaus-Brief schreiben soll. Bekommt mein Mädchen darin nur Lob, ist das ungerecht den anderen Kindern gegenüber, die ebenfalls mit großen Augen vor dem imposanten Mann mit dem weißen Bart (der Gärtner einer lieben Freundin) sitzen. Ungerecht, weil Rosa ja um nichts „braver“ als alle anderen ist. Aber wofür soll sie getadelt werden? Dafür, dass sie manchmal zu lange fernsieht? Daran sind wir Eltern selbst schuld (und das gerne, weil auch wir manchmal unsere Ruhe wollen). Dafür, dass sie andere ungern grüßt? Ich war selbst ein schüchternes Kind und wollte aus diesem Grund Fremden nicht die Hand geben. Und mich schon gar nicht von ihnen abbusseln lassen. Rosa hasst das auch – und das ist ihr gutes Recht.
Ich könnte in den Brief schreiben, dass Rosa ordentlicher werden soll. Aber mit meinen Genen? Schwierig. Ach was, in diesem Jahr gibt es keinen Brief von mir. Soll sich doch der Nikolaus selbst was überlegen, wozu gibt es ihn denn überhaupt? Hoffe nur, dass mich deshalb nicht der Krampus holt…

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