Kein Tag wie der Andere

Uschi Fellner:

Kein Tag wie der Andere

An sich bin ich keine, die den ganzen Tag rumsitzt und sich die Nägel lackiert. Also nicht, dass ich das nicht manchmal möchte. Wie letzten Samstag. Drei Nägel der linken Hand flammten bereits leuchtend rot. Alles versprach, gut zu werden. Dann trat Edgar auf den Plan. Edgar ist der beste Freund meines kleinen Sohnes. Er hielt den Daumen hoch. Blutstropfen bahnten sich ihren Weg auf, äh, also Blut auf einem hellen Teppich ist blöd. „Was ist los?“, fragte ich, innerlich noch nicht ganz bereit, den Nagellackpinsel abzulegen. „Wir haben Blutsbrüderschaft geschlossen“, sagte Edgar. „Müssen wir jetzt für immer verbluten?“ Hier galt es, überlegt zu handeln. Ich stelle den Lack ab. Ich dachte kurz über eine angemessene, besonnene Vorgehensweise nach. Lage checken. Notarzt rufen. Auf die Kinder, während sie erstversorgt werden, beruhigend einreden. Danach ernsthaft mit ihnen sprechen, so eine Blödheit nie wieder und so weiter. „Wer von euch beiden (piep!) hat die Idee zu dieser (piep!)-Aktion gehabt?“, schrie ich. „Ihr seid die (piep! piep piep), die ich kenne! (Piiiiiiiieeeep!) Schweigen im Wald. Mein Sohn hielt ebenfalls den Daumen hoch. Vor ihm auf dem Tisch lag eine Art Schlachtmesser. Zumindest glaube ich, dass Schlachtmesser so aussehen, kleinere Formate halt. Jedenfalls war es das größte Messer, das im Haushalt offenbar aufzutreiben war. Ich schaute das Messer an. „Nie wieder“, schrie ich, „lass ich euch (piep!) eine Sekunde alleine, ihr seid (piep! piep! piep!)!“ Eines meiner Probleme ist, dass ich kein Blut sehen kann. Mir wird sofort schlecht. „Ist es tief, eigentlich?“, fragte ich, während ich mich auf die Couch vor dem Tisch mit dem Schlachtmesser bettete. „Geht“, sagte Edgar. „Bleib bitte da liegen!“ Was für ein vernünftiges Kind. „Wasser, bitte!“, röchelte ich. Man brachte es mir umgehend. Still beschloss ich, 2012 besonnen und klug anzugehen. Yogakurs buchen. Meditieren lernen (und jetzt: Nägel fertig lackieren. Bitte! Aber pssst).

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