Das Kind macht Karriere

Kristin Pelzl-Scheruga

Das Kind macht Karriere

Bis vor Kurzem hatte die Fünfjährige, vorzugsweise in Barbie-Pink oder schillerndes Gold gehüllt, einen sehr eindeutigen Berufswunsch: „Ich will einmal Prinzessin werden!“
Jetzt allerdings steckt unser Mädchen in einem ziemlichen Dilemma. Es kann sich nämlich nicht entscheiden: „Ich weiß nicht, ob ich Ballettlehrerin werden mag oder doch lieber Putzfrau.“ Dazu muss man wissen: Rosa verehrt ihre Tanzpädagogin ebenso sehr wie die junge Polin, die bei uns einmal in der Woche sauber macht und bügelt.
„Das hat doch noch Zeit“, versuche ich mein Mädchen zu trösten, die – ganz der Papa – immer alles sofort geregelt haben will. „Na gut“, sagt Rosa, „dann werde ich eben Journalistin, so wie du!“ Ich lächle. „Weißt du denn überhaupt, was man da macht?“ Das Kind nickt: „Ja, man erfindet Geschichten!“
Dass sich die Prinzessinnen-Phase nun tatsächlich langsam ihrem Ende zuneigt, wurde dem Besten und mir unlängst beim Frühstück bewusst: Rosa sitzt auf ihrem weißen Riesen-Eisbären und schwingt den Gürtel ihres Frottee-Bademantels wie ein Lasso: „Ich bin eine Cowboyrin!“
Ich postete Rosas Ausspruch auf Facebook und erhielt daraufhin den Kommentar eines Freundes: „Rosas Karriere scheint vorprogrammiert: Gender-Beauftragte für Texas und Wyoming!“

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