Facelift für den Nikolo

Kristin Pelzl-Scheruga

Facelift für den Nikolo

Der Bart soll weg! Aber das bringt überhaupt nichts...

Meine Kindheitserinnerungen an den Nikolaus sind von einem eindeutigen Gefühl geprägt: Bauchweh. Das kam nicht von den verzehrten Süßigkeiten und auch weniger daher, dass ich mich vor dem Krampus fürchtete (der sah zwar wild aus, wurde aber nur bis zur Tür gelassen).

Was mir viel mehr Angst bereitete, war das „goldene Buch“ des „guten Mannes“, sprich das Strafregister. Wie peinlich, vor allen anderen auf seine „Sünden“ aufmerksam gemacht zu werden. Was würde er diesmal sagen? Zu schlampig, zu frech, zu viel Streit mit dem Bruder? Oder noch Schlimmeres?

Das Sackerl mit der Schokolade war ein schwacher Trost – viel lieber wäre mir gewesen, es hätte den Nikolaus gar nicht gegeben.

Meiner Tochter (8) will ich das ersparen. Zu uns kommt zwar der Nikolaus (ohne Krampus), aber es ist ein Nikolaus, der lobt. Das ist aufregend genug.

Unser Nikolaus ist gut. Einen goldenen Stab und einen weißen Bart trägt er trotzdem. Geht es nach der Katholischen Jungschar, soll der Bart nämlich weg, da er die Mimik verdeckt. Kinder könnten so das Lächeln des Nikolos nicht sehen, was ihnen Angst bereite.

Ich meine: Der Nikolaus braucht kein Facelift. Viel wichtiger als der lange Bart ist nämlich die Botschaft, die er den Kindern überbringt.