Werner, gar nicht beinhart

Daniela Schimke

Werner, gar nicht beinhart

Ein Tag mit einem der schönsten Männer der Welt

Zugegeben, die Freude ist groß, als wir in Richtung Zürich abheben. Kein Wunder, befinden wir uns doch auf dem Weg zu einem der besten Typen unserer Zeit – und schon jetzt steht fest: Werner Schreyer scheint nahezu jede Frau auf irgendeine Art zu faszinieren. Die Star-Fotografin Inge Prader, die schon Kapazunder wie Franziska Knuppe, Eva Padberg und Wolfgang Joop vor der Linse hatte und somit nicht einfach zu beeindrucken ist.

Ebenso wie Assistentin Nina, blutjung, bildhübsch, intelligent – und anspruchsvoll. Und natürlich mich: die Mittdreißigerin, die nichts weniger leiden kann als getrimmte Modelmuckis und einen „Tote Augen von London“-Blick. Werner Schreyer jedoch finde auch ich klasse. Gespannt sitzen wir im Café vor der Zürcher Kunstakademie, warten auf den lässigen Wiener James Dean, der nicht nur die Butter auf unseren frisch gestrichenen Semmerln schmelzen ­lassen wird, bevor uns der Checker im Designeranzug aus der für ein Supermodel freilich völlig unangemessenen Kantine zerren wird.

Da ist er! Turnschuhe, zerbeulte, farbbekleckste Jeans, Kapuzenshirt, Kappe. „Hallo, ich bin der Werner“, reicht er uns artig wie ein Schulbub die Hand. „Ich hol’ mir nur schnell ein Weckerl.“ So ist Werner. Gar nicht beinhart, gar nicht „Checker“. Dafür unkonventionell und vielschichtig wie seine Kunst. Manchmal hat eben „unperfekt“ auch Klasse.

Daniela Schimke ist MADONNA-Chefredakteurin. d.schimke@oe24.at