Ab statt auf­geklärt

Daniela Schimke:

Ab statt auf­geklärt

Jasmin (15): „Liebes Dr. Sommer-Team! Mein Freund und ich hatten vor Kurzem zum ersten Mal Sex. Es war wunderschön, und ich hätte so gerne danach mit ihm gekuschelt. Doch er drehte sich auf die Seite und pennte gleich ein …“ Die aktuelle Bravo, die meine Kollegin für das MADONNA-Shooting mit in die Redaktion gebracht hat, wird im Nu zur Zeitmaschine: Ich sehe mich, 20 Jahre jünger und knackiger, mit meiner besten Freundin heimlich unter der Schulbank in Bravo und Girl schmökern. Plötzlich landet ein kleines Zetterl auf meinem Tisch: „Was hast du schon mal gemacht? ZK, P, HP, S? Bitte ankreuzen!“ Verstohlen blicke ich durch den Raum. Georg, der süße Dunkelhaarige aus der letzten Reihe grinst übers ganze Gesicht. „Was meint er denn?“, flüstere ich meiner Freundin zu. „Geh bitte, du kennst dich ja echt nicht aus: Zungenkuss, Petting, Heavy Petting oder Sex.“ Aufklärung anno 1990.
Neulich in der U-Bahn. „Hey, gestern hat der K mir nen ZK gegeben, dann hatten wir GV o K und jetzt simma FZ“, erzählt die geschätzte 13-Jährige ihrer Freundin. „Bist bled, o K ist voll deppert, da kannst SCH werden. Außer ihr hattet OS. Ich hab mit dem J letztens AS ausprobiert.“ Erst fünf Stationen später habe ich den Teenie-Geheimcode entschlüsselt. Und bin mir jetzt ganz sicher: Die Kids heutzutage sind nicht aufgeklärt, sondern vielmehr abgeklärt. Schade eigentlich.

Daniela schimke ist MADONNA-Chefredakteurin. d.schimke@oe24.at

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