Ein ganz normaler Jeans-Shopping-Trip…

MADONNA Blog

Ein ganz normaler Jeans-Shopping-Trip…

„Ausverkauf!“, jubelt die MADONNA-Redaktion. „Geil, ich habe mir um nur 29 Euro diese heißen Jeans gekauft!“, präsentiert meine Kollegin ihre Eroberung, die knackig an ihrem Größe 34-Po sitzt. Cool, da muss ich auch hin, denke ich mir. Siegessicher werfe ich mich also ins nachweihnachtliche Umtausch- und Ausverkaufs-Getümmel, stürme in die empfohlene Filiale jener Modekette, die an der Tür stehen haben sollten „Erwachsene mit Benehmen und Stil haben hier nichts verloren“.

Wieso?!? Weil ich beinahe mein Leben am Wühltisch verloren hätte, als mich eine 16-Jährige versuchte mit einem gekonnten Body-Check abzudrängen (ist es das, was die Kids heute im Schulsport lernen??), während mir eine blondierte Russin ihren Ellbogen in die Rippen stieß und ich schließlich mit einer hippen Omi, die wohl den heißen Ausverkauf-Tipp von ihrer Enkelin bekommen hatte, um die letzten Modelle in Größe 38 raufte.
Dabei hätte ich 38 ohnehin nicht nehmen zu brauchen, wie sich schließlich hinter jenem Fetzen, der ein Kabinenvorhang sein soll, herausstellte. Schnaufend, schwitzend quäle ich mich in der 1x1 Meter kleinen Umkleidekabine in die fünf ergatterten Jeans – mit geschlossenen Augen, um nicht den ekeligen Lurch am Boden und schon gar nicht mein Spiegelbild, das mich in dem grauenvollen Neonröhrenlicht in eine leichte Depression fallen lassen könnte, zu sehen. Kann irgendjemand mal den Architekten dieser Dinger erklären, dass indirektes, schönes Licht um keinen Cent teuerer ist als jenes, das man lediglich als Frechheit bezeichnen kann?!

Die große - richtig große - Depression ist jedoch nicht zu verhindern: ich stecke fest!!! Die Röhren-Jeans bekomme ich nicht mal über die Waden! In den anderen Modellen Größe 38 sehe ich aus wie eine Knackwurst in Blau. 40 geht um die Hüften halbwegs – dafür kann ich mir eine Wassermelone zwischen Taille und Hosenbund stecken…

Gut, noch einmal von vorne: noch mal Ladentisch, 7 andere Modelle erkämpfen, noch mal anstellen, noch mal zu meinem neuen Freund, dem Lurch, noch mal ausziehen, schwitzen, schnaufen…

„Was mache ich da eigentlich?!“, schreit mein Unterbewusstsein als ich mich in der stonewashed Karotten-Jeans betrachte, die zwar wirklich perfekt sitzt, aber so sch… aussieht wie damals als ich 12 war (nur, dass die Jogging High dem ganzen Outfit noch den gewissen Schliff verpasst haben). „Warum um Himmels Willen tue ich mir das an? Um mir 50, 60, 70 Euro zu ersparen??“, die ich zwei Stunden später ohnehin beim Abendessen mit Freunden ausgegeben hätte. Wäre da nicht meine veritable „38 passt nicht!“-Depression…

Ich stürme aus der Kabine, bahne mir den Weg mittels des erlernten Body-Checks hinaus in die Freiheit. Und damit in die nächste Boutique, wo mich eine freundliche Dame empfängt, mich in die saubere überdimensionale, traumhaft beleuchtete Kabine geleitet, mir exakt zwei Jeans GRÖSSE 38!!! reicht, in die ich elegant hineinschlüpfe… passt perfekt.

Der Tag ist gerettet und mein Selbstbewusstsein auch. Das Leben mit 30Plus ist in Wahrheit so viel einfacher, würde man es sich nicht selbst manchmal so schwer machen!
Die 70 Euro habe ich dann übrigens doch noch gespart – habe das Dinner mit meinen Freunden gecancelt. Ganz soo elegant war das Reinschlüpfen in die 38 ja doch nicht ;-)     

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