Der Trend geht zu "natürlichen" Produkten

Österreicher wollen Gütesiegel für Naturkosmetik

"Natur" als Verkaufsschlager: Seit Jahren wächst der Markt für Kosmetik mit natürlichen Inhaltsstoffen. Viele potenzielle Käuferinnen und Käufer sind aber verunsichert, weil mit dem Verkaufsargument "Natur" aufgrund fehlender gesetzlicher Vorgaben leicht Schindluder betrieben werden kann. Drei Viertel der Österreicher wünschen sich laut einer Umfrage ein vertrauenswürdiges Gütesiegel.

Laut der Onlineerhebung von Marketagent.com im Auftrag des Gesundheitsministeriums und der Branchenplattform Kosmetik transparent mit 500 Teilnehmern sehen fast sechs von zehn Österreichern einen Trend zu Produkten möglichst natürlichen Ursprungs. Je älter, desto wichtiger ist den Befragten, dass ihre Creme oder ihr Shampoo aus natürlichen Inhaltsstoffen bestehen.

Die Gesetzeslage macht es den Konsumenten aber nicht leicht: Alle Kosmetikprodukte, ob konventionell hergestellt oder Naturkosmetik, unterliegen grundsätzlich den gleichen Bestimmungen. Sie basieren EU-weit auf den EU-Kosmetikrichtlinien und sind in Österreich im Lebensmittelrecht verankert. Die Natur kommt dann als Zusatznutzen ins Spiel: "Es gibt für Naturkosmetika über diese gesetzlichen Grundlagen hinaus noch spezielle, teilweise privatrechtliche Richtlinien und Kriterien sowie eine fast unüberschaubare Zahl an Gütezeichen", erläuterte Gerhard Gribl, Konsulent von Kosmetik transparent.

Definitiv ist Naturkosmetik kein geschützter Begriff - und leider bei weitem nicht jedes Produkt, das mit Natur wirbt, tatsächlich Naturkosmetik. Derzeit sieht es auch nicht danach aus, dass eine EU-weite Regelung kommen könnte.

Generell ist der schnell wachsende Naturkosmetikmarkt in drei Hauptsegmente unterteilt, erläuterte Maria Langhals, Chemikerin des Kosmetikriesen Beiersdorf: Etwa 43 Prozent machen organische (meist auch zertifizierte) bzw. "Natur-identische" Produkte aus, der Rest sind "von der Natur inspirierte" Erzeugnisse, die - trotz oft "dunkelgrünen" Anstrichs - viele Merkmale konventioneller Pflege aufweisen.

Für die Konsumenten ist die Unterscheidung schwierig. "Naturident heißt nicht Naturkosmetik, sondern dass der Inhaltsstoff nach Naturvorbild nachgebaut wurde", so Gromann. Also wieder synthetisch. Befragungen haben überdies gezeigt, dass von den Verbrauchern "Milde" oft schon mit "Natürlichkeit" gleichgesetzt wird.

Wer es genau wissen will, sollte immer das Kleingedruckte auf den Verpackungen lesen: Laut der internationalen Richtlinie für die korrekte Angabe der Inhaltsstoffe (INCI, International Nomenclature of Cosmetic Ingredients. Anm.) müssen alle Inhaltsstoffe, die mehr als ein Prozent des Gesamtinhalts ausmachen, ihrer Konzentration nach in abnehmender Reihenfolge aufgelistet werden - egal ob "natürlich", "bio" oder konventionell.

INFO: www.kosmetik-transparent.at, www.bmg.gv.at