MADONNA-Talk zum Weltfrauentag am 8. März

L’Oréal im Einsatz für Female Empowerment

02.03.2022

Market Director Kathrin Zlousic und ihre Vorgängerin Andrea Schmoranzer-Jerabek im Interview.

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© Kernmayer
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Zweihundert Prozent Leidenschaft sitzen am Tisch, wenn man die beiden L’Oréal-Ladys Dr. Andrea Schmoranzer-Jerabek (59) und Kathrin Zlousic (41) zum Business-Talk bittet. Schmoranzer-Jerabek ist seit 25 Jahren beim Weltmarktführer im Bereich Beauty tätig – als erste Verkaufsleiterin weltweit und schließlich General-Managerin von L’Oréal LUXE Österreich führte sie das Unternehmen in die Zukunft. Ende letzten Jahres übergab sie ihre Agenden an Kathrin Zlousic, ebenfalls langjährige Powerfrau mit Profi-Know-how im Konzern. Von Ruhestand kann für Schmoranzer-Jerabek keine Rede sein – sie wird künftig die Non-Profit-Projekte in den Bereichen „Female Em­powerment“, Nachhaltigkeit & Co. betreuen. Während sich Zlousic voll Tatendrang den neuen Herausforderungen unserer Zeit stellt. Der Talk über Ethik und Werte in einem Konzern, der nicht nur die Schönheit von Frauen, sondern auch Gleichberechtigung und soziale Verantwortung in den Fokus rückt.

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Kathrin Zlousic (li.) ist seit Ende 2021 Market Director L’Oréal LUXE Österreich. Andrea Schmoranzer-Jerabek kümmert sich als Social Causes Projects Director um Non-Profit-Projekte.

Frau Dr. Schmoranzer-Jerabek, Ihr Credo lautet „Sei wie du bist und sei es ganz!“. Wie würden Sie beide sich beschreiben?
 
Andrea Schmoranzer-Jerabek: Ich würde sagen, ich habe meine Prinzipien und meinen Idealismus, was auch diesem Credo entspricht. Mich in meinem Beruf zu verwirklichen und etwas zu bewegen, war mir immer wichtig. Ethik und Werte haben ebenfalls einen ganz wichtigen Stellenwert in meinem Leben – weshalb ich seit mehr als 26 Jahren bei L’Oréal arbeite, weil hier diese Werte im Fokus stehen. Meine Arbeit macht mir immer Freude – und das empfinde ich als Luxus.

Kathrin Zlousic: Das verbindet uns beide auch sehr: Auch ich habe wirklich Freude an dem, was ich tue, und daran, Entscheidungen treffen zu können und eine gewisse Freiheit zu genießen. Ich würde mich als sehr offene, authentische und energiegeladene Person beschreiben und als echte Teamplayerin – deshalb fühle ich mich in der L’Oréal-Unternehmenskultur wahnsinnig gut aufgehoben. Dieser Collaborative Spirit und das Credo „Teams are our Heroes“ geben mir viel Energie, die ich wiederum auch sehr gerne zurückgebe.

Frau Dr. Schmoranzer-Jerabek, Sie waren die erste Verkaufsleiterin bei L’Oréal weltweit. Wie schwer war es damals, sich als solche zu etablieren?

Schmoranzer-Jerabek: Ich habe in meinem Leben nie das Gefühl gehabt, in meinem Job benachteiligt zu sein, weil ich eine Frau bin. Bei L’Oréal sind inzwischen rund 60 Prozent der Führungspositionen weltweit weiblich besetzt. Mein Motto lautete stets: „You can get it if you really want, but you must try, try and try …“ Und ich kann nur allen Frauen raten: Achtet darauf, dass die Firma, in der ihr arbeitet, eure Werte teilt, dann ist ­alles möglich. Gleichberechtigung und Gleichbehandlung waren mir immer wichtig.

Was bedeutet „Female Empowerment“ heutzutage?

Zlousic: In der Quintessenz natürlich Chancengleichheit und wirkliche Gleichberechtigung, die auch gelebt wird – und die auch in der Gesellschaft ankommt. Denn es ist nach wie vor so, dass sich eine Frau ganz viele Fragen stellt, die einem Mann kaum in den Sinn kommen: Wie vereinbare ich Beruf, Familie und meine Rolle als Ehefrau? Bei Female Empowerment wirklich angekommen sind wir erst dann, wenn sich ein Mann auch diese Fragen stellen muss. Ich glaube, dass wir daran und auch an den Role Models in der Gesellschaft noch viel zu arbeiten haben. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sind auch männliche Role Models, etwa dass der Mann beruflich ein wenig zurücksteckt, um der Frau eine Karriere zu ermöglichen, obwohl sie Kinder hat.

Female Empowerment wird von L’Oréal im Rahmen vieler Projekte unterstützt. Welche Herausforderungen hat das Unternehmen heute im Gegensatz zu vor zehn Jahren?

Zlousic: Eine große Herausforderung für alle Unternehmen in den letzten Jahren ist das Thema Digitalisierung und die Agilität in der sogenannten VUKA-Welt, in der wir leben. Und speziell bei L’Oréal sind auch die Themen Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit ganz groß verankert. Da gibt es viele Initiativen, wie etwa das „Write Her Future“-Programm der Marke Lancôme und viele andere Projekte, die zeigen, dass wir unsere gesellschaftliche Verpflichtung sehr ernst nehmen.
schmoranzer-Jerabek: Zum Thema Nachhaltigkeit: Bis 2025 sind alle Standorte von L’Oréal klimaneutral – in Deutschland produzieren wir bereits jetzt schon CO2-neutral! Unsere PET-Kunststoffverpackungen werden schon jetzt zu mehr als 50 Prozent aus recycelten Materialien produziert – und bis 2025 werden 100 Prozent unserer Kunststoffverpackungen entweder recycelbar, kompostierbar oder nachfüllbar sein. Wir waren auch Vorreiter beim Thema Tierversuche, auf die L’Oréal seit 1989 verzichtet – 14 Jahre, bevor das in Europa gesetzlich verankert wurde.

Für Sie ist ja an Ruhestand nicht zu denken – stattdessen haben Sie sich derlei Projekten im Unternehmen verschrieben. Welche sind das konkret?

Schmoranzer-Jerabek: Ich habe zwei Themenbereiche: zum einen „For Women in Science“, ein Projekt, bei dem wir seit 15 Jahren mit der UNESCO zusammenarbeiten und gemeinsam mit dem Bildungsministerium junge Wissenschaftlerinnen mit Stipendien unterstützen. Zum anderen werden wir unser soziales Engagement weiter vertiefen. Die L’Oréal Foundation stellt 50 Millionen Euro u. a. für vulnerable Gruppen zur Verfügung. Nun suchen wir auch in Österreich und Deutschland eine NGO, die sich um vulnerable Frauen kümmert und die wir unterstützen können. Es ist uns wichtig zu zeigen, dass wir als größtes Beauty-Unternehmen auch eine große soziale Verantwortung haben. Das entspricht auch meiner persönlichen Überzeugung – und ist genau das, was ich mir für meinen dritten Lebens­abschnitt erträumt habe.

Ein neues, tolles Projekt von Yves Saint Laurent heißt „Liebe ohne Gewalt“. Das passt perfekt in unsere Zeit …

Zlousic: Ja, leider sind heute definitiv zu viele Frauen mit Gewalt direkt im häuslichen Umfeld konfrontiert. In Österreich arbeiten wir mit dem Verein autonomer Frauenhäuser zusammen – es geht darum, schon die ersten Anzeichen von Gewalt zu erkennen, ein Bewusstsein zu schaffen, wo Gewalt bereits anfängt, wie man Betroffenen helfen bzw. wo man konkret Hilfe erhalten kann.

Schmoranzer-Jerabek: Wo wir wieder beim Thema „Female Empowerment“ wären, das uns so sehr am Herzen liegt. Es geht auch darum, Frauen Perspektiven zu geben und die Möglichkeit auf ein selbstständiges Leben. Es gibt ja auch das L’Oréal-„Solidarity Sourcing“-Programm, das darauf abzielt, mit Lieferanten zu arbeitet, die sich verpflichten, Menschen aus vulnerablen Gruppen einzustellen.

Zurück zu Ihrer Rolle als Führungskraft: Was macht weibliche Führungsstärke aus? Sind Frauen die besseren Führungskräfte?

Zlousic: Ich würde jetzt mal instinktiv sagen: Ja! (lacht) Aber ich glaube, es ist immer differenziert zu betrachten.
Was einen guten Leader ausmacht, hat Simon Sinek sehr schön beschrieben: „A boss has the title – a leader has the people“. Es geht darum, für sein Team und das Umfeld einen Entwicklungsraum zu schaffen, gemeinsam an einem Strang zu ziehen – sich selbst dann auch ein kleines Stück zurückzunehmen, andere zu fördern … Ich glaube, das ist eine Sozialkompetenz, die Frauen oftmals stark mitbringen. Deshalb finde ich es auch wichtig, dass es immer mehr Frauen in Führungspositionen gibt.

Schmoramzer-Jerabek: Eine Führungsperson muss Sicherheit und Ruhe ausstrahlen, der Fels in der Brandung sein – wobei ich jetzt auch eine Lanze für die Männer brechen muss, weil ich auch viele fantastische männliche Chefs gehabt habe. Ich denke, die Diversität macht es aus – auch was die Balance ­zwischen erfahrenen und jungen Leuten in einem Unternehmen betrifft. Es bedeutet mir sehr viel, die Wertschätzung von jungen Leuten zu bekommen – und umgekehrt lerne ich so gerne von jungen Leuten, die oft einen ganz anderen Blick auf Dinge haben.

Abschließend: Was wünschen Sie sich zum Weltfrauentag?

Zlousic: Ich würde mir wirklich wünschen, dass Frauen alles erreichen können, was sie wollen. Dass die echte und gelebte Chancengleichheit endlich ankommt in unserer Gesellschaft. Da ist noch ein bisschen etwas zu tun. Das fängt bei den Role Models an – und da wünsche ich jeder Frau, dass sie ein ­gutes Role Model für sich findet. Und dass wir uns alle gegenseitig stärken.

Schmoranzer-Jerabek: Und dass es ­eines Tages gar keinen Weltfrauentag mehr braucht, weil jede Frau auf der Welt weiß, dass sie alles erreichen kann und vor nichts und niemandem Angst zu haben braucht.

Interview: Daniela Schimke


 

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