Judith Williams im großen <br> MADONNA-Talk

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Judith Williams im großen
MADONNA-Talk

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Im MADONNA-Interview verrät Judith Williams ihre besten Lebens- und Schönheitstricks.

Ob TV-Parkett oder Beauty-Welt: Judith Williams, 50, ist eine echte Powerfrau. Die in Deutschland geborene Amerikanerin wollte Opernsängerin werden – ehe es sie ins Fernsehen verschlug, wo sie sich in „Die Höhle des Löwen“ oder „Let’s Dance“ als Entertainerin, Moderatorin und Unternehmerin einen Namen machte. Die Zweifach-Mutter hat mit „Judith Williams Cosmetics“ nicht nur eine eigene, erfolgreiche Beauty-Linie – nein, sie hat auch noch ein großes Herz: Weshalb sie dieses bis ins hohe Alter behalten will, warum sie mit dem österreichischen Pass liebäugelt und was sie in Sachen Schönheit noch von ihren Töchtern lernen kann: der MADONNA-Talk.

Frau Williams, kürzlich war Weltfrauentag – Frauen und Mädchen zu empowern haben Sie sich zur Lebensaufgabe gemacht. Was wünschen Sie sich heuer ganz besonders für Frauen in der ganzen Welt?

Judith Williams: (seufzt) Das ist eine endlose Liste. Ich wünsche mir, dass Frauen ihren eigenen Wert viel bewusster sehen und leben – und damit ihre wirkliche, unglaublich große Kraft und positive Macht ausschöpfen. Frauen und Macht passen zusammen: Sie sehen und leben Macht nur anders als Männer.

Sie haben so vieles erreicht, wovon träumen Sie aktuell?

Williams: (lacht) Ich habe zuletzt geträumt, was ich mit 90 mache, was ein bisschen crazy ist – aber ich habe mir gedacht, ich traue mich einfach. Ich möchte mich mit 90 noch immer für Jugendliche einsetzen, das ist, was ich in den nächsten Jahren auch forcieren will. Wir geben ihnen viel zu wenig Aufmerksamkeit, Mut oder Hoffnung. Sie haben zu wenige Role Models. Das wäre mein Herzensprojekt, sie haben es ja gerade alles andere als leicht. Ja, für sie möchte ich mich bis ans Ende meiner Tage einsetzen.

Wie schwer liegen Ihnen Pandemie und Krieg auf der Seele?

Williams: Mir liegt es wie allen anderen auf der Seele. Aber es geschieht ja nie etwas einfach so: Es lassen sich auch immer positive Dinge oder Impulse mitnehmen. Weil das Leben ist eins, nämlich unberechenbar. Das ist auf der einen Seite der Zauber, auf der anderen Seite die Härte, und hört sich in einer Notsituation bitter an. Aber wenn wir die Generationen betrachten, was die vor uns überlebt und durchgemacht haben: Die unglaublichsten Menschen sind aus solchen Notsituationen zu Sternen emporgestiegen! Mein Großvater, der selbst viel durchgemacht hat, hat immer zu mir gesagt: „Judith, du wirst immer auch in der dunkelsten Stunde etwas Positives finden.“ Die Welt ist aktuell in einem unglaublichen Wandel, wo sich Machtverhältnisse verschieben – da kommen viele Chancen auf. Deshalb: Sei mit deinem Mindset so weit, aufmerksam und sensibel wie möglich, dass du alles aufnehmen kannst, was sich ergibt.

Sie sind erfolgreiche Unternehmerin – inwiefern hat sich die Pandemie und der Krieg auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Williams: Wir haben unsere Produkte in Russland eingestellt. Während der Pandemie haben wir gemerkt, dass alles, was wir online gemacht haben, sich zigfach ausgezahlt hat. Es war ein unglaubliches Learning. Und bis auf den Lippenstift, der den Masken zum Opfer fiel, verkaufte sich auch alles hervorragend. (lacht) Jetzt merken wir verstärkt, dass Frauen wieder Lust an sich selbst haben. Diese Lust und Kreativität, die wir uns erlauben dürfen, weil wir Make-up gewöhnt sind – das ist Kunst für mich. Das ist eine Kreativität, die ich jedem Mann nur wünsche. (lacht)

Sie haben Ihre Produktpallette um die Niacinamid-Expert-Produkte erweitert – was können diese Produkte?

Williams: Niacinamid erobert gerade den Markt. Unsere Linie bei DM ist ein Tausendsassa: Niacinamid ist super für eine reife Haut, da es zellerneuernd sowie porenverfeinernd ist. Aber auch junge Haut profitiert davon, etwa bei Unreinheiten.

Wie viele Produkte findet man in Ihrem Bad?

Williams: Zu viele! (lacht)

Na dann: Wie lange dauert Ihre tägliche Beauty-Routine?

Williams: Ich wünschte, sie würde eine Stunde dauern. Tatsächlich umfasst sie mit Zähneputzen zehn Minuten, außer, es werden Haare gewaschen! (lacht) Alle meine Produkte sind sehr unkompliziert und haben eine hohe Qualität zu einem fairen Preis. Die Make-up-Produkte sind zusätzlich pflegend, das habe ich bei anderen Produkten immer vermisst.

Sie betonen auch immer wieder, dass Schönheit von innen kommt: Was tun Sie für Ihre innere Schönheit?

Williams: Ich meditiere, reflektiere, denke und lese sehr gerne. Ich bin an neuen Ideen interessiert und daran, was andere denken. Ich suche immer nach inspirierenden Büchern, Leuten, Podcasts. Vor allem wir Frauen neigen dazu, dass unsere Tasse mehr leer als voll ist. Wir müssen darauf achten, dass unsere Tasse gefüllt ist. Das können fünf Minuten auf der Couch sein, die mit Relaxen und Wertschätzung gespickt sind. Ich mache das gerne: Wenn ich im Stress bin, lege ich mich auf die Couch und sage zu mir: „Ich bin toll, da gibt es noch so viel in mir, in das ich mich verlieben und das ich entdecken kann.“

In Innsbruck haben Sie 2020 Ihre Beauty World eröffnet. Was mögen Sie am österreichischen Markt und an unserem Land?

Williams: Ich liebe Österreich! Wenn ich jemals meinen amerikanischen Pass abgebe, dann wirklich speziell für Österreich. (lacht) Ich liebe die Küche, was schlimm ist – da sollte man, wenn man vor der Kamera arbeitet, diszipliniert sein. Ich liebe die österreichische Mentalität, das sind sehr geerdete Menschen mit einem unglaublichen Witz. Locker und sehr innovativ. Die österreichischen Frauen machen eine interessante Wandlung durch, Stichwort Teilzeit, wo sich ja vieles geändert hat. Auch die österreichischen Mädels trauen sich echt was zu.

Stichwort Disziplin: Wann sind Sie auch mal richtig undiszipliniert?

Williams: Immer, wenn ich in Wien bin, muss ich leider alles essen, was auf mich zukommt. (lacht) Ich habe nur beim Genussessen Probleme, diszipliniert zu sein. Natürlich habe ich mich einigermaßen im Griff – leider bin ich nicht so sportlich, wie ich es gerne wäre. Aber aktuell ist die Arbeit einfach zu zeitintensiv.

Ihre Töchter Sophia und Angelina sind 15 und 12 Jahre alt – welche Rolle nimmt Aussehen in deren Leben ein und was versuchen Sie ihnen mit auf den Weg zu geben?

Williams: Mit 15 findet man seine Mutter nicht so cool. Allerdings bin ich sehr glücklich, dass sie meine Produkte sehr gut finden. Und dann passiert’s auch, dass mein Schrank, in dem ich Produkte meiner Linie stehen habe, immer leerer wird. (lacht) Überhaupt hat die Generation Z ein interessantes Verhältnis zu Schönheit: Sie denken nicht in Kategorien wie schön und hässlich. Das finde ich umwerfend, denn jeder Mensch ist schön. Ich habe von meinen Kindern viel mehr gelernt als von irgendetwas anderem auf der ganzen Welt.

Letztes Jahr haben Sie den 50. Geburtstag gefeiert – für viele Frauen eine schwierige Zahl. Wie geht es Ihnen damit?

Williams: Ich möchte das so wie meine Töchter können: Die denken nicht in Alter, obwohl sie es wahrnehmen. Ich habe dazu interessante Artikel von Zukunftsforscher:innen gelesen: Das hat nichts damit zu tun, dass jemand ein Problem mit Alter hätte. Wir kategorisieren Menschen einfach nur viel zu stark! Wenn wir über Diversität oder Rassismus sprechen, dann wollen wir alle möglichen Gruppen schützen. Doch wer schützt eigentlich die Senior:innen? Wie stark schließen wir die aus? Das Alter hat so viele schöne Dinge parat. Man wird zu einem Baum, der Früchte schenkt. Wir hören den alten Menschen viel zu wenig zu – das finde ich extrem schade.

Sie sind glücklich verheiratet – eine Seltenheit im Showbusiness. Ihr Geheimnis?

Williams: Ich glaube, man muss jeden so sein lassen, wie er oder sie ist. Man muss unabhängig von der Außenwelt mit sich selber glücklich sein und keine Erwartungen wie „Du musst mich glücklich machen“ an den Partner stellen. Man sollte sich immer auch wieder einen Coach nehmen – heutzutage sind Partnerschaften extrem kompliziert geworden. Ich bin ein großer Fan von systemischem Coaching, das wäre auch mein zweiter Bildungsweg.
Wenn Sie sich selbst eine Liebeserklärung machen müssten, was würden Sie sagen?
williams: Das ist die schwerste Aufgabe für uns Frauen. Ich würde zu mir sagen: „Ich danke dir, dass du dich immer jeden Tag dazu entschließt, weiterzugehen; dass du neugierig bleibst und dass du von dir verlangst, in den allerkleinsten Sachen die größte Freude zu haben.

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