Top-Chirurgin Dagmar Millesi:

"Erst jetzt bin ich mit mir zufrieden!"

Sie gilt hierzulande als beste und bekannteste ästhetische Chirurgin: Dagmar Millesi (57) hat das Facelift revolutioniert und lebt für ihre Arbeit.
Ob Brustvergrößerungen, Fettabsaugungen oder Nasenkorrekturen: Die Schönheits-Spezialistin ist in ihren Ordinationen in der Wiener City und im Hotel Schloss Seefels in Kärnten im Dauereinsatz. An Wochenenden und an Feiertagen operiert Dagmar Millesi zusätzlich an der Wiener Privatklinik. Und derzeit steht sie für die dritte Staffel der ATV-Serie Ein Leben für dieSchönheit vor der Kamera.  

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Doch wie sieht das Leben der Ausnahme-Chirurgin abseits der Kamera- und OP-Scheinwerfer aus? Welchen Eingriffen hat sich die zierliche, scheinbar alterslose Frau selbst unterzogen? Was hat ihr Frauenbild geprägt? Und warum ist sie trotz Rund-um-die-Uhr-Einsatzes nicht Burn-out gefährdet?
Der Mensch hinter der perfekten Fassade berührt: Dagmar Millesi war zehn Jahre lang Bulimikerin, lernte ihren echten Vater „zufällig“ mit 18 Jahren kennen und hat sich Selbstbewusstsein und Erfolg hart erarbeitet. Das Gespräch:

Wie wichtig ist es für eine Schönheitschirurgin, selbst gut auszusehen?
Dagmar Millesi:
Es ist natürlich wichtig. Aber ich erhebe nicht den Anspruch, perfekt aussehen zu wollen. Ich will einigermaßen adrett und gepflegt wirken.  
Waren Sie mit Ihrem Körper immer zufrieden?
Millesi
: Als Mädchen hat mich mein Bauch sehr gestört. Er ist immer noch da (lacht), aber ich empfinde ihn mittlerweile nicht mehr als Belastung.
Sie haben sich also immer als zu dick empfunden?
Millesi:
Ja. Es hat ja fast jede Frau so ihre postpubertären Probleme, die auf mangelndem Selbstbewusstsein fußen. Daher finde ich es auch nicht gut, dass man Mädchen mit 16, 17 oder 18 Jahren operiert – weil man in dieser Phase eine völlig falsche Wahrnehmung vom eigenen Körper hat. Bei mir war das genauso. Ich habe erst letztens eine 19-Jährige, die eine größere Brust haben wollte, wieder weggeschickt und ihr gesagt, sie möge doch noch zwei, drei Jahre warten. Wenn sie es dann immer noch will, kann man darüber reden...
Sie hatten also auch Probleme mit Ihrem Körperbild?
Millesi:
Und wie. Ich war zehn Jahre lang Bulimikerin – ohne damals zu wissen, was das überhaupt ist (Ess-Brechsucht, Anm. d. Red.). Das hat mit 18 Jahren begonnen – aus heutiger Sicht relativ spät. Wir waren halt mit allem ein wenig später dran als die Jugendlichen von heute... Damals war das Phänomen noch nicht so bekannt. Ich habe das auch niemandem gesagt und versucht, es geheim zu halten. Es gab ja nicht einmal einen Begriff dafür. Der kam erst später.
Hatten Sie denn solche Angst, Sie könnten zunehmen?
Millesi:
Ja. Und da dachte ich, wenn ich das Essen wieder erbreche, passiert das nicht. So ging das über zehn Jahre...
Hat das nicht verheerende Auswirkungen auf Ihren Körper gehabt?
Milles
i: Doch. Weil die Lebensqualität durch dieses Suchtverhalten, durch diesen  Trieb zu essen und dann zu erbrechen, natürlich sehr reduziert war. Es ist in diesem Zustand sehr schwer, Beziehungen aufzubauen. Mein Gesicht war aufgeschwemmt, die Haare sind mir ausgegangen – es war eine schlimme Zeit.
Gab es einen seelischen Auslöser für diese Essstörung?
Millesi:
Ich denke schon. Ich habe in dieser Zeit meinen richtigen Vater kennen gelernt, den ich bis dato nicht kannte. Meine Mutter war mit einem Alkoholiker verheiratet und der hat uns geschlagen. Und sie hat sich scheiden lassen, als ich zweieinhalb war. Ich bin bei einem Onkel aufgewachsen – in dem Glauben, mein Vater wäre dieser Alkoholiker. Mit 18 habe ich dann zufällig meinen richtigen Vater – einen Zahnarzt in Klagenfurt – kennengelernt. Er war der Obmann unseres Tennisvereins und ich war ein Seitensprung-Produkt. Das hat mich ziemlich aus der Bahn geworfen. Da hat dann auch meine Bulimie begonnen.  
Haben Sie eine Therapie gemacht? Wie sind Sie Ihre Essstörung wieder losgeworden?
Millesi:
Die Therapien haben nichts genützt. Je mehr Therapien ich gemacht habe, desto schlechter ist alles geworden. Mein ganzes Denken kreiste dadurch nur noch mehr um das Problem.
Was hat dann geholfen?
Millesi
Meine Arbeit, verbunden mit dem Gefühl, wirklich gebraucht zu werden. Als ich mit meinem Studium fertig war, sind die Anfälle langsam immer weniger geworden. Bis es dann irgendwann vorbei war. Ich habe dann auch sehr lange Operationen gemacht – und nach zwanzig Stunden im OP war ich zu erschöpft, um zu erbrechen.  
Kann man sagen, Sie sind von der Bulimie in eine Art Arbeits-Sucht geschlittert?
Millesi:
Ich bin sicher arbeitssüchtig – aber das ist eine positive Sucht!
Haben Sie denn keine Angst vor einem Burn-out?
Millesi:
Ich bin nicht der Typ dafür. Ich kann wirklich nahezu pausenlos arbeiten und mache das extrem gerne. Da bin ich sehr belastbar.
Sind Sie vom vielen Arbeiten denn nie erschöpft?
Millesi
: Während des Operierens nie – erst danach. Ich operiere in meiner Kärntner Praxis, aber auch in Wien oft bis nach Mitternacht. Da stehe ich voll unter Endorphinen und Adrenalin. Wenn ich um zwei Uhr nachts nach Hause komme, bin ich immer noch so high vom Operieren, dass ich gar nicht gleich einschlafen kann.  
Wann beginnt Ihr Arbeitstag?
Millesi:
Selten vor zehn. Ich bin ein Nachtmensch und kann mir meine Arbeitszeiten zum Glück selbst einteilen.
Sie sind mit einem um fast 30 Jahre älteren Nervenchirurgen verheiratet. War der Altersunterschied nie ein Problem?
Millesi:
Nein, ich habe wahrscheinlich immer Vater-Typen gesucht. Mein Mann ist jetzt 86 und arbeitet täglich auch immer noch sehr viel.
Denken Sie sich nie: Ich hätte jetzt gerne einen Jüngeren?
Millesi:
(lacht) Nein, wir führen eine stabile Ehe. Obwohl jeder von uns sein Leben lebt – aber das ist genau das, was ich brauche. Ich bin kein großer Beziehungsmensch. Ich brauche meine Freiheit. Ich möchte nach Hausse kommen, wann ich will. Und kein schlechtes Gewissen haben, wenn mein Partner einmal eine Stunde auf mich wartet. Mein Mann tickt sehr ähnlich: Es ist auch selbstverständlich für ihn, auf Kongresse zu fliegen. Wir leben beide für unseren Job – und daher ergänzen wir uns auch so gut. Das Verständnis für den anderen ist einfach da.
Kinder waren nie ein Thema?
Millesi
: Nicht wirklich. Ich mache etwas ganz oder gar nicht. Ich hätte mein Kind nicht einem Kindermädchen anvertrauen können. Ich bin nicht die Superfrau, die Karriere, Haushalt, Familie und Partnerschaft unter einen Hut kriegt. Ich lebe für meinen Beruf. Ich liebe Kinder. Aber wenn ich selbst eines hätte, hätte ich immer ein schlechtes Gewissen ihm gegenüber. Und das will ich nicht.
Oberarme, Facelift – Sie haben selbst einiges machen lassen. Wie ist das, wenn man als Chirurgin unter dem Messer liegt?
Millesi:
Das ist mir völlig gleichgültig. Ich habe das bei einem befreundeten Chirurgen in Deutschland machen lassen und hatte keine Sekunde lang Angst oder Bedenken.
Sind Sie mit Ihrem Äußeren jetzt zufrieden?
Millesi:
Ich gefalle mir jetzt besser als mit 18. Was vor allem damit zu tun hat, dass mein Selbstbewusstsein stärker ist. Wenn man Erfolg hat und Selbstbestätigung bekommt, dann ändert sich auch die Ausstrahlung. Aber es war ein langer Weg dorthin.

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