Wann sind wir schön genug?

Debatte über den Beauty-Wahn

Wann sind wir schön genug?

Die heimische Beauty-Branche verzeichnet Rekordergebnisse. Was aber bewirkt der Kult ums Äußere? Die Diskussion.

Falten wegspritzen, Fett absaugen und Brüste vergrößern: 40.000 Schönheitsoperationen werden jährlich allein in Österreich durchgeführt – Tendenz steigend. Dazu kommen an die 60.000 „sanfte“ Eingriffe wie Botoxinjektionen oder Laserbehandlungen.

Debatte
Ist Schönheit der Schlüssel zum Glück? Welche Gefahren birgt der Trend zum Beauty-Kult? Und: Was ist überhaupt schön?  Darüber diskutieren Psychologin Prof. Dr. Beate Wimmer-Puchinger (Leiterin des Wiener Programms für Frauengesundheit), der Plastische Chirurg Dr. Jörg Knabl, Consultant und Markenstrategin Mag. Mira Kloss-Zechner, Kabarettistin Andrea Händler (in ihrem neuen Programm „Naturtrüb“, zu sehen etwa von 11. bis 14. April im Kabarett Niedermair, thematisiert sie auch den Beauty-Kult), sowie Immobilien-Expertin Silke Kasper, die sich bereits ihre Brüste vergrößern und die Nase korrigieren ließ.

Hitliste der Beauty-Eingriffe:

1.Botox
2.Fettabsaugung
3.Gesichtslaser
4.Nasenkorrekturen
5.Brustvergrößerungen
6.Lidkorrektur

Durschnittliches Alter der Patienten bei Schönheits-OPs:

© oe24
Wann sind wir schön genug?
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Quelle: Schwarzl Klinik, www.schwarzlklinik.at

Wie kann man sich den Boom der Beauty-Eingriffe erklären?
Beate Wimmer-Puchinger:
Wo Mittel sind, sind Wege. Und wo ein Markt ist, gibt es Angebot und Nachfrage. Der Boom funktioniert über das Hypen von Bildern, über Werbung und über vielfache Medien. Es führt kein Weg daran vorbei. Es ist sogar wissenschaftlich erwiesen, dass wir die „So muss man Aussehen“-Standards bereits verinnerlicht haben.

Wie wirkt sich das auf uns aus?
Wimmer-Puchinger:
Dies ist die Folge der Überflussgesellschaft. Es ist leider so, dass durch diesen Trend Persönlichkeit und Tiefgang nicht mehr so gefragt sind. Design ist alles, so auch das Design des Körpers. Es stülpt sich nach außen: Die Haut, der Körper wird meine Aussage. Wichtig ist nicht, wer ich bin, sondern wie ich aussehe. Das Aussehen bestimmt den Selbstwert.

Aber nicht jeder muss den Trend mitmachen...
Andrea Händler:
Das stimmt. Aber das Problem ist, dass vor allem jungen Menschen durch Werbung und Medien Ideale vorgegaukelt werden, die unerreichbar sind. So dünn wie die Frauen auf den Plakaten kann in Wahrheit niemand sein! Das führt dann dazu, dass sich schon junge Mädchen Fett absaugen lassen wollen. Ich gewöhne mich ja selbst schon langsam an diese retuschierten Bilder. Wenn ich eine natürlich gealterte Frau mit Falten sehe, reißt’s mich schon und ich ärgere mich dann über mich selbst. Ich sollte Falten nicht schlimm finden.

Was tun Sie gegen die eigenen?
Händler:
Ich lass mir einmal im Jahr „das Gesicht aushängen“. Öfter geht Botox bei meiner Arbeit nicht, weil die ja von Mimik lebt. Und vor zehn Jahren habe ich mir die Schlupflider wegoperieren lassen.

Wimmer-Üuchinger: Wir alle werden älter, dürfen es aber nicht sein. Ich sehe meine Altersklasse – 60 plus – so gut wie nicht im öffentlichen Raum. Aber man kann sich das Alter nicht auf Dauer wegbotoxen. mira kloss-zechner: Schönheit ist ein sehr relativer Begriff: Jeder hat seine eigene. Operierte sehen aber alle gleich aus – man muss sich nur ehemals schöne Frauen wie Faye Dunaway oder Catherine Deneuve heute ansehen! Auch in meinem eigenen Umfeld erkenne ich viele meiner Freundinnen nicht mehr. Sie haben zwar diese schön polierte Visage, aber das, was sie ausgemacht hat, ist weg. Schönheit ist nicht genormt. In meiner Jugend gab es noch individuelle Schönheitsideale: Eine Sophia Loren und eine Audrey Hepburn haben nichts gleich gehabt! Aber jetzt haben wir geklonte MTV-Bodys. Die einzelnen Fähigkeiten und Talente werden unterdrückt, damit man der Norm entspricht. Wenn ich durch die Straßen gehe, fallen mir am meisten die Frauen auf, die wirklich alt sind, aber eine Ausstrahlung haben, die ich bei keiner  25-Jährigen sehe. Und was ist ihr Schönheitsrezept? Sie genießen das Leben!...

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