Stopover-Ziel Buenos Aires

Stopover-Ziel Buenos Aires

Buenos Aires ist eigentlich zu groß für einen Kurzbesuch. Rund 14 Millionen Bewohner hat die Metropole. Ein guter Fremdenführer kann von der Stadt aber in nur einem Tag einen guten Eindruck verschaffen. Der zentrale Platz ist die Plaza de Mayo. Auf dem Pflaster sind hier weiße Zeichen aufgemalt. Bei näherem Hinsehen erweisen sie sich als stilisierte Kopftücher. Sie sind den "Madres de la Plaza de Mayo" gewidmet - Müttern, deren Söhne in den Zeiten der Militärdiktatur in den späten 70er Jahren verschleppt und getötet wurden. Sie liefen auf diesem Platz jahrelang schweigend im Kreis und demonstrierten damit gegen die Willkür und Gewalt im Lande.

Die Stadt ist nach dem Schachbrettmuster gebaut, es gibt wenige Straßen mit Kurven. Im Zentrum liegen auch die Fußgängerzonen Florida und Reconquista. Die Florida ist die Haupteinkaufsstraße für Urlauber. Hier lassen sich gute Lederwaren erstehen, die wie Silberarbeiten ein klassisches Mitbringsel aus Argentinien sind. Wer nicht an T-Shirt-Läden interessiert ist, sollte sich zu den hohen Hausnummer hocharbeiten. Dort sind exquisite Boutiquen zu finden.

In den Hinterhöfen verstecken sich oft kleine Gärten, Bars und Restaurants. Ein Muss für Cafégänger liegt aber nicht im Hintergrund, sondern an der belebten Avenida de Mayo: Das "Tortoni" ist seit 150 Jahren berühmt für seine Café-Spezialitäten, serviert werden aber auch zarte Steaks mit feinen Weinen. Optisch erinnert es mit seinen Holzvertäfelungen an eine Mischung aus Pariser und Wiener Caféhaus.

Der Hafen, noch vor 20 Jahren eine Brache, ist ähnlich wie die Docklands in London zum schicken Viertel geworden. Heute gehören die eleganten Ensembles aus Backstein des Puerto Madero zu den teuersten Lagen von Buenos Aires - und in den Gewässern liegen große Jachten.

Ein Besuchermagnet ist der Präsidentenpalast, in dem einst Evita lebte, bevor sie mit 33 Jahren an Unterleibskrebs starb. Die Ikone des Volkes liegt heute auf dem Friedhof La Recoleta im Zentrum. Im Mausoleum der Familie Duarte fand die einbalsamierte Evita nach einer Odyssee, die selbst durch Europa führte, erst Jahre nach ihrem Tod ihre letzte Ruhe. Es zieht noch immer täglich Hunderte Bewunderer an.

Wer gerne auf Märkten und in Antiquitätengeschäften stöbert, sollte ins älteste Viertel der Stadt fahren, nach San Telmo. Hier gibt es fast alles zu kaufen - vom alten Küchenregal aus den 50er Jahren bis zum schweren Kristalllüster. Quer durch die engen Gassen war während der Militärdiktatur (1976 bis 1983) eine Autobahn gezogen worden, die Blicke in die Wohnzimmer der Anwohner ermöglicht. In den Stützpfeilern der Betontrasse wurden vor einigen Jahren Folterkammern entdeckt - der Verkehrslärm übertönte die Schreie der Gemarterten.

Die Trümmer der alten Häuser, die der Stadtautobahn weichen mussten, wurden damals einfach ins Becken des alten Hafens La Boca geworfen. Heute ist er ohne jeden Nutzen, und alte Frachtkähne dümpeln hier rostend vor sich hin. Aber die Hafenkneipen der Gegend mausern sich zu Restaurants. Straßenkünstler verkaufen ihre Bilder, Galerien haben sich etabliert, und auf der Straße tanzen Tangopaare für die Touristen. Ein wenig versteht der Besucher in La Boca, warum Buenos Aires auch das "Paris des Südens" genannt wird.

Wer auf eigene Faust durch die Stadt streifen will, kann das in der City unbedenklich, in den Seitenstraßen des Hafens ist es nicht empfehlenswert. Generell gilt der Süden der Stadt als eher unsicher, der wohlhabendere Norden als unproblematisch. Am einfachsten ist es, ein Taxi zu buchen, das von einer Sehenswürdigkeit zur anderen fährt. Fünf Stunden kosten 200 Pesos - weniger als 40 Euro.

Die besten Reisezeiten für Buenos Aires sind Frühjahr und Herbst, da ist das Wetter stabil mit Temperaturen um 20 Grad. Von Oktober bis Dezember blühen süß duftend die Chacarandas, die großen Alleebäume, und Besucher wandeln auf lila Blütenteppichen. Im Sommer - Dezember bis Februar - wird es heiß und stickig. Das finden nur die Mücken gut, die sich mitunter schon am Flughafen mit ins Taxi drängeln.

Wer länger als einen oder zwei Tage in Buenos Aires bleiben möchte, sollte einen Ausflug nach Uruguay unternehmen. Jenseits des Rio de la Plata liegt das kleine Kolonialstädtchen Colonia. Zu dessen sauberem Strand fährt das Schnellboot in 50 Minuten. Die Strände von Buenos Aires dagegen sind nicht empfehlenswert. Ein Einheimischer verrät die Zahl der Kläranlagen der Stadt: "nada". Null.

INFO: www.turismo.gov.ar, www.bue.gov.ar

Diesen Artikel teilen:

Posten Sie Ihre Meinung

Kommentare ausblenden
Diese Website verwendet Cookies
Cookies dienen der Benutzerführung und der Webanalyse und helfen dabei, die Funktionalität der Website zu verbessern, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Nähere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Impressum