Xavier Naidoo: "Österreicher sind verwegen"

Mit seinem neuen, drei CDs umfassenden Album "Alles kann besser werden" tourt der 38-jährige Deutsche derzeit durch die Lande. Dass er mit seinen kritischen Texten bei der Jugend etwas bewirken kann, glaubt er zwar, ärgert sich aber: "Die wahren Themen fasst niemand an", so Naidoo, der junge Menschen für misstrauischer hält als Bürger seiner Generation "oder die 60-Jährigen, die alles so akzeptieren, wie es ist". Er sei "erstaunt über die internationale Presse, die Deutschland derart seziert hat", und dennoch würden sich die schlimmen Dinge "auf der Welt wiederholen. Wenn auch nicht im selben Ausmaß, aber doch erschreckend genug." Das internationale "Wegschauen im großen Stil" sei schockierend.

Dass er als einer der erfolgreichsten deutschen Musiker am Zenit der Möglichkeiten angekommen ist, zählt für Naidoo nicht. Eine Neuorientierung im Sinne eines Genre-Wechsels sei nicht geplant: "Ich verfolge mein Ding. Ich wollte immer meine Musik machen", sagt Naidoo, der "jede freie Minute im Studio" verbringt, um Beats aufzunehmen.

Dass er in Zeiten der Krise ein Dreifach-Album auf den Markt gebracht hat, sei weder ein Marketing-Gag noch eine Budget-Überforderung seiner Fans: "Ich versuche den Menschen etwas für ihr Geld zu geben, ich tendiere zur Opulenz", so der Musiker, der sich nicht von illegalen Musik-Downloads bedroht fühlt. In Zeiten von YouTube freue er sich darüber, dass es bei seinen Songs über eine Million Klicks gebe. Es mache keinen Sinn, "alten Zeiten nachzutrauern, als man ein paar tausend Singles pro Tag" verkauft habe. "Vielleicht kommt ja die Zeit, wo YouTube ein oder zwei Cent pro Klick zahlt, oder zehn Cent", so Naidoo schmunzelnd.

Von einer Doppelbelastung - Solokonzerte und Auftritte mit den Söhnen Mannheims - will er nichts wissen: "Wir haben die Shows so gebaut, dass wir uns gut regenerieren können. Es ist fast wie eine Open Air-Tour, wo man nur an Wochenenden spielt", so Naidoo, der sich für die Zukunft vorstellen könnte, "dass unser Konglomerat zirkusmäßig unterwegs" ist. "Dass wir drei bis vier Wochen an einem Ort bleiben und in einer kleinen Location spielen".

Dass die Solo-Auftritte einfacher sein würden als die Auftritte mit den Söhnen Mannheims, habe er sich anfangs gedacht, "aber das war weit gefehlt". "Es ist dauernd jemand da, der frisch und voller Energie auftritt, währenddessen bin ich am Tanzen. So kommt es, dass ich am Ende jeder Show mehr Wasser verloren habe als bei meinen Einzelauftritten."

(Das Gespräch führte Sonja Harter/APA)

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