Placebo machten in Wien alles richtig

Gleich neun Stücke von der Platte gab es im Programm, alle bestanden neben den Klassikern. Überhaupt machten Placebo alles richtig - von der Qualität der Formation über die Songauswahl, den Sound und die Show bis zur Dauer. Superber kann man Glam-Rock nicht bringen, Entertainment mit Niveau.

Es verblüfft, wenn eine Gruppe mit so vielen Hits fast die Hälfte ihres Live-Sets mit noch nicht so etablierten Liedern bestreitet. "Die alten Songs bringen wir für das Publikum, die neuen für uns", meinte dazu Bassist, Gitarrist und Keyboarder Stefan Olsdal vor dem Auftritt im Gespräch mit der APA. Womit er zwar die Notwendigkeit einer Band ansprach, nicht in Routine zu verfallen und nur auf Altbekanntes zu setzen, aber die Stärke dieser Lieder herunterspielte. Denn "For What It's Worth", "Ashtray Heart" oder "Battle For The Sun", die zum Auftakt hintereinander kamen, sind unwiderstehliche Ohrwürmer, die live bestens "funktionieren".

Das tat auch die Gruppe: Frontman Brian Molko, übrigens ein ebenso guter Gitarrist wie Sänger, was manchmal übergangen wird, Olsdal und der vor Energie sprudelnde Neo-Drummer Steven Forrest woben - unterstützt von Gastmusikern (z. B. an der zweiten Gitarre und an der E-Geige) - einen makellosen wie bunten Klangteppich. Darauf hatten hinterfotzige Dramen ("Follow The Cops Back Home", "Song To Say Goodbye") ebenso Platz wie sich zu Wänden auftürmende Gitarren ("Julien"), Gassenhauer ("Every You", "Special K"), reduzierte Balladen (von Molko auf der Bühne und von Olsdal beim Interview als "Rock'n'Schwul" bezeichnet) und eine fantastische, sich zu einem Monster steigernde Version von "Meds". Eingebettet wurde das Ganze in eine stilsichere Licht- und Video-Installation.

Und das Markenzeichen Düsternis? "Es wird nie 24 Stunden Sonnenschein im Placebo-Land geben", betonte Olsdal. "Viele sagen, wir haben unser freundlichstes Album abgeliefert. Ja, es beinhaltet auch Hoffnung, aber die Texte behandeln trotzdem immer noch die schwierigen Seiten des Lebens."

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