Österreichischer Musiker Micc setzt aufs Internet

Als er für einen Remix von "Donkalike" Background-Vocals brauchte, hat er dies als Status-Meldung über Facebook bekanntgegeben - und prompt 20 Leute gefunden, die spontan als "Facebook Allstars" gesungen haben. Auch seine frühere Single "Rotes Schaf" wurde zum Online-Hit auf der Videoplattform "YouTube" - das "dadaistische" Video ist "durch die Decke gegangen" und wurde in den ersten Wochen mehr als 200.000 Mal angesehen, schilderte Micc, der als Musiker, Label-Betreiber und Musik-Journalist die Branche "von allen Seiten kennengelernt" hat. "Bis heute weiß ich nicht genau, wie das passiert ist."

Micc spricht wie ein Wirbelwind - und er fegt auch so durch die Online-Welten. "Ich habe mir selbst versprochen, mich laufen zu lassen, mir keine Limits auferlegen", sagt er. Seine selbst produzierte, online abrufbare "Micc-Show" (kurze Video-Sequenzen, bei denen auch schon mal die Black Eyed Peas eine Wortspende abgeben) ist spontan, schräg, witzig und abgedreht. Und auch die Musik von Micc ist das Gegenteil von vorhersehbar. In "Donkalike" gibt es elektronische Soundspielereien, Reggae-Rhythmen und einen eingängigen Refrain, der freihändig mit der englischen Grammatik umgeht. Die Nummer gibt es auch als "Habana Nights Remix" mit südamerikanischem Touch und Flamenco-Gitarre. "Schublade gibt es keine", sagt Micc. Das ist durchaus "ein Problem" für die Zuordnung im Formatradio. Doch Micc will sich "die Frechheit rausnehmen zu sagen, ich steh zu mir".

Da kommen Micc die Möglichkeiten gerade recht, die die Gratis-Vertriebskanäle im Internet Musikern bieten. "Ich kann produzieren wann und wie ich will, ich muss niemanden fragen", so Micc. Auch mit den Videos der Micc-Show "bin ich authentisch und dort wo ich gerne sein will. Ich habe keine Kamera, ich bin Trash, das ist alles mit dem Fotoapparat entstanden." Chaot ist er jedoch keiner, im Gegenteil: "In meiner Wohnung liegt alles parallel, die CDs sind nach Stilrichtungen sortiert", erzählt er mit einem Lachen.

Was "Donkalike" (das nach dem digitalen Release auf Platz sechs der iTunes-Charts landete und damit Rammstein hinter sich ließ) eigentlich genau heißt, will Micc nicht sagen - die Hintergrundinfo habe er auf Zypern vergraben. "Im griechischen Teil", so Micc lachend auf Nachfrage. Worum es in dem Song geht? "Es ist die perfekte Liebeserklärung, und der Refrain ist dann das, was passiert wenn du vor dieser Frau stehst, nichts mehr rauskriegst und Grammatikfehler plötzlich Sinn machen."

"Ich war immer schon Musik-wahnsinnig", gesteht Micc, der seinen Namen einem Irrglauben verdankt: "Ich dachte, dass man Mick Jagger so schreibt." Mit 18 Jahren hat Micc den ersten Plattenvertrag unterschrieben, zuerst elektronische Popmusik gemacht und um die Jahrtausendwende dann mit "Sommerzeit" einen erfolgreichen Gute-Laune-Song veröffentlicht. Wie es nach der Major-Release von "Donkalike" nun weitergehen wird, weiß Micc nicht. Der Erfolg des "Facebook-Allstars Late Night Jam", bei der Micc in den Singer-/Songwriter-Modus umgeschaltet hat, hat ihn motiviert, fünf Songs "nur mit Gitarre zu komponieren". Andererseits ist bereits ein "ganzes Album im Crazy-Style fertig". "Ich lasse es laufen. Es ist mir nie um das Geld gegangen", so Micc, denn "ich sehe selber dauernd, wie realistisch das ist, berühmt werden zu wollen. Musik hat mich immer glücklich gemacht - aber reich?" Doch eines ist klar: "Musik ist kein Hobby, ich lebe das total. Und ich kann nicht aufhören."

INFO: http://www.micc.at

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