Neues Liedprogramm von Konstantin Wecker

Tags darauf spielt Wecker sein Liedprogramm im Wiener Konzerthaus - wo er einige seiner "allerschönsten Konzerte" absolviert hat, wie Wecker im APA-Gespräch schildert. Gemeinsam mit dem Linzer Spring String Quartett und Jo Barnikel gibt Wecker eigene Liebes-Lieder im Großen Saal, dessen Tradition er "elektrisierend" findet und wo er daher "demütig auf die Bühne" geht, wie der gut gelaunte 62-jährige Musiker schildert. Die Musiker des Linzer Quartetts erinnern optisch eher an Rocker denn an klassische Musiker, sind also schon zum Ansehen "sehr spannend - und auch zum Anhören", so Wecker, der für sein Programm bekannte Lieder teils neu arrangiert hat.

Die Liebesthematik des Konzertes steht in scharfem Kontrast zur ernsten Botschaft des Horvath-Stückes, das sich "mit der Entstehung von Gewalt aus Kleinigkeiten" auseinandersetzt. Und damit für Wecker viel mit dem aktuellen Film "Das weiße Band" des österreichischen Regisseurs Michael Haneke gemein hat: "Ich war selten von einem Film so mitgenommen", sagt Wecker. "Da wird symbolisch klargemacht, wie Gewalt sich von Generation zu Generation fortsetzt."

Zwar würde in der Erziehung "weniger geprügelt" als zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wo die Handlung von "Das weiße Band" angesiedelt ist. Jedoch führe heute die "brachiale Ideologie" des Neoliberalismus' zu einem "Verlust des Mitgefühls", so Wecker. "Es gibt eine Brutalität des ausschließlichen Egoismus'. Wenn ich das an Kinder weitergebe, dann züchte ich Gewalt", sagt der politisch engagierte Sänger. Und Gewalt "hat immer auch mit Rassismus zu tun, der aus Unsicherheit und Hilflosigkeit entsteht und das politische Grundübel dieser Welt ist". Kann man dieser Abwärtsspirale entgegenwirken? "Jeder einzelne kann gegensteuern - indem er sich 'Das weiße Band' anschaut, bevor er Kinder kriegt", sagt Wecker.

Auch "Jugend ohne Gott" könne "uns verständlich machen, wo wir aufpassen müssen", sagt der Musiker. Die neue Dramatisierung wird von Regisseur Torsten Fischer auf die Bühne gebracht - ein langjähriger Freund Weckers, der heute, Mittwoch, mit dem Regisseur auf der Suche nach der geeigneten Theatermusik 20 neue, dreiminütige Stücke durchgeht. In den kommenden Wochen werde er immer wieder in Wien sein, um an der Musik zu feilen. "Torsten ist ein spannender Regisseur. Gerade in letzten Wochen vor der Premiere passiert da so viel, der improvisiert auch gerne. Da muss man mithalten und immer wieder dabei sein." Neue Wecker-Lieder wird es aber keine auf der Bühne zu hören geben, schildert der Sänger, der "gespannt ist, wie politisch brisant" die Inszenierung wird.

Wecker, der selbst schon mehrere Musicals verfasst hat, findet dieses Genre trotz anhaltender Diskussion zukunftsträchtig: Denn das Musical erfülle eine Funktion, die die zeitgenössische Oper "versäumt hat. Es ist toll, dass es Avantgardeopern gibt. Aber das Publikum würde gerne in der Oper auch große Melodien hören", sagt Wecker, selbst ein "glühender Puccini-Anhänger". Der italienische Komponist habe zugleich "große Oper und auch perfekt grandios gemachtes Musical" komponiert. Etwaige konkrete Wiener Pläne für ein Wecker-Musical gebe es "leider noch nicht", obwohl der Münchner eine "schöne Idee" hat: Das von der deutschen Stadt Uelzen in Auftrag gegebene und dort wegen Finanzschwierigkeiten rasch wieder abgesetzte Hundertwasser-Musical Weckers "gehört eigentlich nach Wien. Es ist fertig, es wäre sofort voll aufführbar", lacht Wecker.

INFO: http://www.ssq.at, http://www.wecker.de

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