Meat Loaf im Interview über neues Album

"Es dauert immer eine Weile, bis ich im Studio auf Touren komme", erzählte der 62-Jährige im Interview mit der APA über seine Arbeitsweise.

APA: Wie kann man sich das vorstellen?

Meat Loaf: Manchmal brauche ich drei Stunden, bis ich so richtig in einen Song hinein kippe. Dann geht jedoch alles sehr schnell. Die erste drei Stunden sind Folter, als würde ich mich selbst mit Rasierklingen verletzen. Ich kann nicht einfach in ein Studio gehen und singen. Ich muss mich zuerst in den Charakter hineinversetzen, die passende Stimme finden. In jedem Song gibt es mehr als eine Emotion. Wenn man als Sänger nur eine Emotion in ein Lied legt, verkauft man es unter seinem Wert. Das ist wie mit einem Charakter in einem Film. Gute Schauspieler zeigen auch nicht nur eine Facette einer Rolle.

APA: Die neuen Songs sind wieder sehr kraftvoll. Haben sie mit über 60 keine Probleme beim Singen?

Meat Loaf: Meine Stimme kommt nicht mehr so schnell und leicht wie früher, ich muss mir ihr arbeiten. Auf Tour lege ich nach 22, 23 Shows eine Pause ein. Dann passt das. 2006 war ich auf Europatournee, die ersten 23 Konzerte liefen fantastisch, dann wurde ich krank und es ging bergab. Ich kenne meine Limits. Ich habe mehr davon als vor 30 Jahren.

APA: "Hang Loose Teddy Bear" ist wieder ein Konzeptalbum...

Meat Loaf: Ja, eine Geschichte über einen jungen, im Sterben liegenden Mann, der aber nicht sterben will, weil er noch nicht lange genug auf der Welt war. Statt zu sterben durchlebt er mehrere Visionen seiner Zukunft. Manche gefallen ihm, manche weniger. Aber er will das alles erleben. Weil die weniger schönen Dinge auch zum Leben dazugehören.

APA: Ihr Markenzeichen, der Bombast, ist klar herauszuhören...

Meat Loaf: Zum Glück. Die Leute verbinden mich immer mit Jim Steinman (Komponist von 'Bat Out Of Hell' und auch Produzent des zweiten Teils, Anm.). Aber ich habe schon lange vor meiner Arbeit mit ihm emotional gesungen, so wie kein anderer.

APA: Die Platte trägt den Zusatz "IV". Wohl eine Anspielung auf die drei "Bat Out Of Hell"-Platten?

Meat Loaf: Ja, das ist ein Scherz. Ich weiß nicht gar nicht, ob die Zahl wirklich aufs Cover kommt. Die Plattenfirma meinte: DAS hätte eine 'Bat'-Platte sein sollen, nicht die letzte. Da musste ich ihnen recht geben. Ich wollte das Album damals gar nicht 'Bat Out Of Hell III' nennen, aber als ich mich erst einmal darauf eingelassen hatte, konnte ich nicht mehr zurück. Mein jetziger Produzent Rob Cavallo sagte, dass er nichts dagegen hätte, dieses Album jetzt 'Bat Out Of Hell IV' zu nennen. Das hielt auch die Plattenfirma für eine gute Idee. Ich konterte: Das geht nicht, weil nach dem schwachen 'Bat III' viele Fans einen vierten Teil von vornherein ignoriert hätten. 'Hang Cool Teddy Bear' ist ein seltsamer Titel, die Leute werden sich die Platte aus Neugier anhören.

APA: Sie lassen in manchen Songs ganze Gitarristen-Armeen auffahren. Sie haben da namhafte Kollegen wie Brian May (Queen) verpflichten können.

Meat Loaf: Manche Solos werden von drei verschiedenen Leuten gespielt. Das erste Solo auf 'Love Is Not Real' ist zum Beispiel von Steve Vai, das folgende von Justin Hawkins, dann wieder Steve Vai, dessen Solo in einen Piano-Teil übergeht, dann hört man wieder Vai, dessen Solo in eines von Brian May übergeht, dann folgt Justin Hawkins und am Ende noch einmal Steve Vai. Das macht es interessanter, als wenn nur einer spielen würde. In anderen Songs sind Solos von verschiedenen Musikern ineinander verwoben. Damit hatte ich aber nichts zu tun. Diese Teufelskerle spielten, mein Tontechniker brachte das alles zusammen und ich lief nur grinsend durch die Gegend.

APA: Sie haben diesmal auf ein Markenzeichen, die "Monsterballaden", verzichtet. Bewusst?

Meat Loaf: Ja. Es gibt nur eine simple Ballade auf dem Album, drei Minuten lang. Dieses Lied, "Did You Ever Love Somebody", trage ich schon eine Weile mit mir rum. Die Leute haben mir immer gesagt, es sei so dunkel und so depressiv. Menschen frustrieren mich sehr, wenn sie mir nicht zutrauen, dass ich meine Gedanken vermitteln kann. Rob (Cavallo, Anm.) dagegen meinte: Wenn du so viel Leidenschaft für diesen Song hast, dann nehmen wir ihn auf.

APA: Sie haben offenbar keine Probleme, über künstlerische Flops zu sprechen?

Meat Loaf: Ich rede über alles. Wenn es sein Muss, auch über den furchtbaren Film, den ich mit einem deutschen Regisseur in Rumänien gedreht habe. Dinge, die ich schlecht gemacht habe, verfolgen mich. Das ist menschlich. Aber ich sage: Besser etwas ausprobieren. Und wenn es nicht gelingt, dann sterbe ich halt bei dem Versuch.

APA: Wenn wir schon bei ihrem zweiten Beruf, der Schauspielerei angelangt sind. Ihre Rolle in "Fight Club" hat viel Mut erfordert.

Meat Loaf: Als ich das Skript las, musste ich lachen. Ich dachte: Was zur Hölle soll ich da spielen - und schon habe ich zugesagt. Es ging um die Herausforderung. Jedes Konzert ist eine Herausforderung, jede Platte auch. Dieses Mal lautete die Herausforderung: Das letzte Album zu schlagen. Und ich habe diesem Mistkerl (dem Album 'Bat Out Of Hell III', Anm.) eine ordentliche Watsche verpasst.

(Das Gespräch führte Wolfgang Hauptmann/APA)

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