Kris Kristofferson - "Ich bin sicher kein Outlaw"

Nach weniger bedeutenden Platten veröffentlichte der Countrysänger mit "This Old Road" 2006 ein viel beachtetes Album, heuer folgte das gelungene "Closer To The Bone". Beide Werke wurden von Don Was (u.a. Rolling Stones) produziert. Die APA sprach am Donnerstagabend anlässlich eines Gastspiels in der Wiener Stadthalle mit Kris Kristofferson.

APA: Viele Musikexperten vergleichen die Beziehung zwischen dem Produzenten Don Was und Ihnen mit jener von Rick Rubin und Johnny Cash. Ist das zulässig?

Kris Kristofferson: "Ich kann damit gut leben. Aber ich arbeite mit Don schon viel länger. Aber es stimmt, er hat es sich zuletzt zur Aufgabe gemacht, meine Karriere wiederzubeleben. Er hat mit mir schon vor 15 Jahren ein Album aufgenommen, es hieß 'A Moment Of Forever', ein wirklich gutes Album, aber mit der Plattenfirma gab es leider Probleme. Der Vergleich mit Rubin kommt sicher auch daher, weil meine beiden letzten Platten sehr reduziert in der Instrumentierung sind - so wie die von John, Johnny Cash."

APA: "Closer To The Bone" handelt u.a. vom Alter. Denkt man mit 73 viel daran oder verdrängt man das?

Kris Kristofferson: "Natürlich denkt man viel daran. Meine Alben haben immer das reflektiert, was ich zur jeweiligen Zeit durchgemacht habe. Und das neue Album ist halt ein Blick von diesem Ende der Straße. Man kann nichts gegen das Altwerden machen, aber man kann die Erfahrung weitergeben - wenn man sich erinnern kann (lacht)."

APA: Sie haben über das Saufen und über Außenseiter geschrieben. Auf dem neuen Album fehlen diese Themen, es steht die Liebe im Mittelpunkt. Ist sie für Sie mittlerweile das Wichtigste?

Kris Kristofferson: "Ja, ich fühle mich da gesegnet. Wegen meiner Familie. Ich habe acht Kinder und sie mögen alle einander. Es ist schwierig, in diesem Beruf enge Familienbande zu haben. Man verbringt viel Zeit unterwegs und es gibt so viele Dinge, die deiner Zuwendung bedürfen. Ich bin einfach glücklich, dass ich das am Weg nicht verloren habe, diese Beziehung zu meiner Familie. Wie gesagt, ich habe acht Kinder. Und mittlerweile acht Enkelkinder."

APA: Mit dem Song "From Here To Forever" von der aktuellen CD beschreiben Sie sehr treffend die spezielle Liebe, die man gegenüber seinen Kindern empfindet.

Kris Kristofferson: "Wer keine Kinder hat, der versteht vielleicht diesen Text, aber er kann ihn nicht nachempfinden. Es ist eine spezielle Art von Liebe, ein Wunder."

APA: Johnny Cash, Marle Haggard, Willie Nelson, Kris Kristofferson - bei diesen Namen fällt oft der Begriff Outlaw. Haben Sie sich selbst je als solcher gesehen?

Kris Kristofferson: "(lacht) Sie haben mich seit, seit... oh, Gott, (macht kurze Denkpause, Anm.) mindestens seit 1970 Outlaw genannt. Ich bin aber sicher kein Gesetzloser. Ich war ein paar Mal wegen Trunkenheit im Gefängnis (lacht laut). Ich denke, diese Bezeichnung kommt daher, weil die paar von uns ihren eigenen Weg gegangen sind. Wir haben uns von diesem Weg nicht abbringen lassen. Willie Nelson ist eigentlich auch kein Outlaw. Naja, irgendwie doch (lacht). Apropos: Ich soll demnächst in Nashville eine Auszeichnung für mein Lebenswerk erhalten. Ich habe mit Willie darüber am Telefon gesprochen und ihm gesagt, dass es eine Nacht in der Hölle für mich wird. Willie hat gemeint, genau darum wird es eine großartige Sache werden. Er sieht mich gerne leiden (lacht laut). Willie ist sehr lustig, der lustigste Mensch auf diesem Planeten."

APA: Sie sind jetzt innerhalb von zwei Jahren zweimal in Wien aufgetreten. Gefällt ihnen das Touren noch oder müssen Sie es tun?

Kris Kristofferson: "Beides."

APA: Sie haben immer Ihre Meinung gesagt, sehr kritische Lieder gesungen. Viele Leute schauen zu Ihnen auf...

Kris Kristofferson: "Als ich begonnen habe, Lieder über Nicaragua oder über die Politik der USA gegenüber Ländern wie El Salvador zu singen, gab es ziemlichen Widerstand. Leute wollten nach den Konzerten ihr Geld zurück. Manche haben mit Schildern protestiert. Aber ich glaube, sie waren deshalb so empört, weil sie damals kaum informiert waren. Die Menschen sind heute eher bereit, zuzuhören. Mich hat schon lange keiner angeschrien."

APA: Haben Sie als Sänger eine Verantwortung?

Kris Kristofferson: "Als die Proteste gegen den Vietnamkrieg losgegangen sind, gab es kaum eine Opposition, kaum kritische Musik. Plötzlich benutzten die Leute Musik als Form des Protestes. Manche hassten das. Ich war immer der Meinung, dass genau das die Aufgabe von Künstlern ist. Es ist sogar ihre Pflicht. Ich werde mir nicht den Mund verbieten lassen. Ich hoffe, dass es mit Leuten wie Barack Obama nicht mehr so viel Grund zur Beschwerde gibt. Andererseits hat Obama das Schlimmste bei der anderen Seite hervorgebracht. Es ist das Schlimmste seit sie (John F.) Kennedy schlechtgeredet haben. Aber ich habe viel Vertrauen in Obama. Er ist ein intelligenter Mann, das ist ein großer Kontrast zu vielen seiner Vorgänger."

APA: Sie haben eine Schmutzkübelkampagne gegen den amerikanischen Präsidenten angesprochen. Manche Analysten meinen, er habe sich in seiner bisherigen Amtszeit als Träumer herausgestellt und wenig erreicht.

Kris Kristofferson: "Ich hoffe, dass am Ende meiner Tage der Intelligenz zumindest eine Chance gegeben wird. Leider machen zugleich die dummen Leute noch mehr Lärm. Das Beste, was er bisher gemacht hat, war, der anderen Seite die Hand zu reichen. Leider benimmt sich die andere Seite aber nur noch schlimmer. Man wird sehen."

APA: Sie haben so viele Songs geschrieben, die wiederum von anderen Künstlern interpretiert wurden. Gibt es eine Version, die Ihnen am besten gefällt?

Kris Kristofferson: "Es gibt keine, die ich nicht mag. Aber wenn ich eine auswählen muss, dann 'Me And Bobby McGee' von Janis Joplin. Aber wenn ich das sage, denke ich an Jerry Lee Lewis, wie er dieses Lied singt. Und er hat es ordentlich gerockt. Dann muss ich aber noch Johnny Cash, Willie Nelson und Roger Miller anführen... Das ist das tolle am Beruf Songschreiber, dass so viele Künstler Deine Arbeit interpretieren und zu ihrer eigenen machen."

APA: Zurück zur neuen Platte. Sie ist ja noch kraftvoller als der Vorgänger.

Kris Kristofferson: "Ist sie das? (lacht) Oh Gott, ich war schon bei 'This Old Road' skeptisch. Ich habe meinen Part in eineinhalb Stunden oder so eingespielt. Ich hatte keine Ahnung, was Don Was da vorhatte und wie es das Publikum aufnehmen würde. Und jetzt bin ich noch unsicherer gewesen, ob mich die Leute noch akzeptieren."

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