Schweinegrippe - Österreich "im Trend" Europas

"Damit liegen wir im epidemiologischen Trend Gesamteuropas, wobei die höchsten Aktivitäten des neuen Influenzavirus bisher in Irland, Großbritannien, Norwegen, den Beneluxländern und Spanien verzeichnet wurden", so die Experten weiters. Der Chef des Instituts, Franz X. Heinz sowie seine Mitarbeiterin Therese Popow-Kraupp: "Der Tod eines elfjährigen Mädchens in Innsbruck sowie weitere besonders schwere Erkrankungen bei einer 18-jährigen Schwangeren in Wien und einem 41-jährigen Mann in Salzburg (...) führen uns jedoch nur vor Augen, dass sich das neue Influenza Virus auch in Österreich nicht anders verhält als im Rest der Welt und - entgegen so mancher salopp geäußerten Aussage - keineswegs nur milde Erkrankungsverläufe verursacht."

"Besonders besorgniserregend" sei die Tatsache, dass die Infektion mit A(H1N1v) auch in den jüngeren Altersgruppen zu Lungenversagen (acute respiratory distress syndrome - ARDS) mit oder ohne Todesfolge führen könne. Eine hervorragende Zusammenstellung klinischer Daten aus Australien und Neuseeland sei im New England Journal of Medicine (Boston) vor kurzem veröffentlicht worden. In den Monaten Juni, Juli und August mussten in diesen Ländern 722 Patienten mit bestätigter A(H1N1v)-Infektion in Intensivstationen behandelt werden. Es waren 15 Mal mehr Patienten als jeweils in den Jahren 2005, 2006, 2007 und 2008, die mit einer ähnlichen Symptomatik in denselben Monaten in Intensivstationen behandelt werden mussten.

Fast die Hälfte der mit dem neuen Influenzavirus infizierten Patienten hatte ein ARDS, während nur in ca. 20 Prozent eine bakterielle Pneumonie diagnostiziert wurde. Die Wiener Fachleute: "Von den 722 intensivpflichtigen A(H1N1v)-Patienten des Jahres 2009 waren 92,7 Prozent jünger als 65 Jahre (Durchschnitt 40 Jahre) (...)."

Die größte Häufigkeit der schweren Erkrankungen sei in Australien und Neuseeland bei bis zu einjährigen Kindern, die höchste Gesamtzahl bei 25 bis 49-jährigen Patienten registriert wurde. Bei 66 der 722 Patienten (9,1 Prozent) handelte es sich um schwangere Frauen, die jedoch nur ca. ein Prozent der Gesamtbevölkerung Australiens und Neuseelands ausmachen. Besonders hervorzuheben sei die Tatsache, dass etwa ein Drittel der Patienten jung bzw. mittleren Alters war und bei diesen weder eine Schwangerschaft noch eine andere Grunderkrankung vorlag.

Trotz intensivmedizinischer Betreuung verstarben 103 der 722 Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf. Das machte eine Mortalität von 14,3 Prozent aus. In den drei Monaten Beobachtungszeitraum für die Studie waren 5,2 Prozent der Intensivbetten in den betroffenen Regionen in Australien und Neuseeland mit Influenza-Patienten belegt. Während des Höhepunktes der A(H1N1)-Epidemie waren es in den beiden Ländern zwischen 8,9 und 19 Prozent.

Die Wiener Virologen: "Aufgrund dieser Zahlen ist auch in Österreich, einhergehend mit dem zu erwartenden weiteren Anstieg der H1N1v-Fälle, mit einer erheblichen Belastung intensivmedizinischer Einrichtungen zu rechnen."

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