Schaufensterkrankheit wird oft zu spät erkannt

Viele Betroffene vermuten hinter den Schmerzen in den Beinen nichts Böses. Doch das könne dramatische Folgen haben, warnt Prof. Curt Diehm, Gefäßspezialist und Vorsitzender der deutschen Gefäßliga. "70 Prozent der Patienten sterben an einem Herzinfarkt, 10 Prozent an einem Schlaganfall." Die PAVK verkürze das Leben um 10 Jahre.

Schuld sind Verengungen der Becken- und Beinarterien, die zu starken Durchblutungsstörungen führen. "Die Krankheit beginnt meist schleichend", sagt Malte Schröder, Kardiologe an der Universitätsklinik Charité in Berlin. "Zuerst entstehen die Schmerzen erst nach langen Gehwegen. Im Laufe der Zeit wird die symptomfreie Strecke aber immer kürzer."

Im fortgeschrittenen Stadium sind die Schmerzen schließlich so stark, dass die Betroffenen stehenbleiben müssen. "Im Stehen erholt sich der Muskel und wird wieder mit Sauerstoff versorgt", erläutert Diehm. "Die Betroffenen können dann weiterlaufen, bis der Schmerz erneut auftritt." Zu diesem Zeitpunkt sind die Arterien oft schon zu 50 Prozent verschlossen.

Doch wie entsteht diese Durchblutungsstörung? Bei den meisten Patienten ist die altersbedingte Arteriosklerose, also die Gefäßverkalkung, Ursache. Aber auch Rauchen erhöht das Risiko für die Schaufensterkrankheit genau wie andere typische Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen. "Auch Diabetes, Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Bewegungsmangel sind Ursache für die Durchblutungsstörungen", erklärt Walter Haupt, Professor für Neurologie an der Uniklinik Köln. Betroffene sollten Schmerzen sehr ernst nehmen und sich unverzüglich behandeln lassen.

Die Untersuchung auf eine PAVK ist relativ einfach. "Ärzte können anhand einer harmlosen Ultraschalluntersuchung, die in wenigen Minuten völlig schmerzfrei durchgeführt werden kann, eine Durchblutungsstörung in den Bein- und Beckenarterien feststellen", sagt Diehm. Nach der Diagnose sollte der nächste Schritt zu einem Gefäßspezialisten, einem Angiologen, führen.

Komplett geheilt werden kann die PAVK nicht. "Man kann sie aber sehr gut in den Griff bekommen", sagt Schröder. Voraussetzung einer gelingenden Therapie bei Rauchern ist der feste Wille, sofort mit dem Qualmen aufzuhören. Außerdem gilt laut Diehm: "Blutdruck, Blutfette und Blutzucker müssen optimal eingestellt werden und die Patienten müssen sich so oft wie möglich bewegen." Ein Gehtraining unter ärztlicher Aufsicht verbessert die Durchblutung in den Beinen. Auch operativ können Verengungen aufgehoben werden. Neue Katheterverfahren haben in den vergangenen Jahren die Therapie voran gebracht.

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