Lindner:

Ex-ORF-Chefin im Visier

Lindner: "Noch 
halte ich es aus"

Mit Kritik und Häme habe sie gerechnet, so Monika Lindner. Aber mit diesem Ausmaß an Feindseligkeit dann doch nicht. Der Anlass: Monika Lindner (69), zwei Tage auf der Liste des Team Stronach, hat sich entschieden, das Mandat anzunehmen und als freie Abgeordnete ins Parlament zu gehen. Eine Welle des Entsetzens zog darob durchs Land. Im ausführlichen MADONNA-Interview erklärt die Ex-ORF-Chefin, warum sie diese Entscheidung („Keine leichte!“) getroffen hat.

MADONNA:
Warum haben Sie sich nun doch dafür entschieden, das Mandat anzunehmen?
Monika Lindner: An meinem ursprünglichen Entschluss, mich politisch zu engagieren, hat sich ja nichts geändert. Er wurde lediglich durch die Aussage des Herrn Lugar, mich als Speerspitze gegen ORF und Raiffeisen und ÖVP NÖ einzusetzen, gestört. Diese Aussage hat mich existenziell beschädigt! Für mich ist es ja nicht nur um die Institutionen gegangen, sondern um Freunde, die ich dort habe. Und das schmerzt! Ich habe damals keine andere Möglichkeit gesehen, als einen harten Schnitt zu machen und zu sagen: „So geht das nicht!“ Das hat mich schwer getroffen, weil ich von dem Ehrenkodex und den Punkten des Stronach-Programms beeindruckt war. Was da passiert ist, hat dem überhaupt nicht entsprochen. Es war unfair und schädigend. Und das war mit Herrn Stronach anders besprochen. Ich habe ihm von Anfang an gesagt, wo ich mich einklinken werde und welche Themen für mich nicht in Frage kommen.


MADONNA:
Wie hat Stronach auf die Lugar-Aussage reagiert?
Lindner: Er war genauso entsetzt. Aber man hat ja nichts davon, wenn der Kopf des Teams in Ordnung ist, seine Gefolgschaft aber einfach tut, was sie will.

MADONNA: Sie haben nach Ihrem raschen Rücktritt beim Team Stronach angekündigt, Ihr Mandat zurückzugeben. Wann haben Sie sich umentschieden?
Lindner: Ich habe den Wahlkampf aufmerksam verfolgt und dabei ist mit der Zeit die Überlegung gekommen, das Mandat doch anzunehmen und als freie, unabhängige Abgeordnete ins Parlament zu gehen. Ich denke, ich kann durchaus viel bewirken. Ich habe keinen Klubzwang und kann überall dort agieren, wo ich der Meinung bin, dass es gut und richtig ist. Es wird sicher auch einige Punkte des Team Stronach geben, die ich unterstützen kann. Ich werde mich auch bei Vorschlägen anderer Parteien einbringen.

MADONNA: Denn Sie gelten nach wie vor als ÖVP-nah…
Lindner: Woher diese Behauptung immer kommt, ist mir ein Rätsel. Vermutlich, weil ich eine bürgerliche Person bin und das habe ich ja auch nie bestritten. Das ist natürlich ein Unsinn. Auch ein Unsinn ist es anzunehmen, dass ich mein Mandat nehme und zu einer anderen Partei gehe. Das tue ich sicher nicht, ich schließe das aus!

MADONNA:
Wie gehen Sie mit dem Vorwurf um, Sie hätten sich das Mandat erschlichen?
Lindner: Das schmerzt, gleichzeitig kann ich es aber aus Sicht des Team Stronach verstehen. Ich beziehe meine Rechtfertigung daraus, dass ich als freie Abgeordnete auch frei entscheiden und Anträge des Team Stronach genauso unterstützen kann wie andere, die ich für richtig und vernünftig halte. Es gibt den Satz: „Man ist nicht, was man ist, sondern das, wofür man gehalten wird.“ Viele scheinen ein Bild von mir zu haben, das nicht der Wirklichkeit entspricht. Ich bin im Grunde genommen ein unabhängiger Mensch, durchaus loyal. Und alle, die mir vorwerfen, ich hätte irgendetwas erschlichen, die mögen sich bitte die Vorgeschichte anschauen. Nichtsdestotrotz war es mir klar, dass viele Angriffe gegen mich kommen werden. Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht.

MADONNA: Viele waren schon über Ihre Zusage beim Team Stronach entsetzt…
Lindner: Ich habe sehr gute Gespräche mit ihm geführt und wir waren uns in vielen Punkten einig. Ich habe nach meiner Zeit als GD des ORF durchaus klare Signale in der ÖVP abgesetzt, dass ich mich gerne politisch engagieren würde, aber es kam eben kein Angebot. Das ist ja kein Beinbruch. Dann aber kam das überraschende Angebot von Frank Stronach, und der alte Wunsch ist in mir wieder aufgelebt. Ich habe sein Programm gelesen und festgestellt, dass der Ehrenkodex für mich passt. Es gibt Kreise, in denen man sich darüber lustig macht, wozu es eigentlich gar keinen Grund gibt. Der Mann hat für das Land viel getan. Wie sein politisches Auftreten war, ist eine andere Sache. Die anderen waren ja mediale Vollprofis. Aber ich habe es mutig gefunden. Und ich habe die Möglichkeit gesehen, die starren Strukturen, in denen wir stecken, zu verändern. Das war und ist meine Motivation.

MADONNA:
Geld sei Ihre Motivation...

Lindner: Das ist doch Blödsinn! Ich bin finanziell unabhängig, und die Gage, die jetzt kursiert, stimmt so auch nicht, weil die Summe, soviel ich weiß, gedeckelt ist. Außerdem bin ich als Freie darauf angewiesen, mir gewisse Informationen selbst zu organisieren. Das heißt, ich muss Leute engagieren, die mit mir arbeiten.

MADONNA:
Würden Sie auf Ihre Gage verzichten?
Lindner: Ja, sicher, wenn ich keine Zusatzkosten habe. Aber ich habe in meinen jahrelangen ehrenamtlichen, unentgeltlichen Tätigkeiten die Erfahrung gemacht, dass diese nicht ernst genommen, als Freizeitbeschäftigung angesehen werden. Und dafür ist mir die Sache zu verantwortungsvoll. 


MADONNA:In welchen Bereichen möchten Sie sich einsetzen?
Lindner: Zum Beispiel Bildungspolitik. Denn da gibt es viel zu tun. Denn schön langsam verlernen unsere Kinder Lesen und Schreiben. Und ich möchte mich für Frauen einsetzen, auch wenn das vielleicht ein bissl langweilig klingt, aber es ist notwendig, dass Frauen dasselbe Geld für dieselbe Leistung kriegen und dieselben Karrierechancen haben. Da gibt es noch einiges zu tun!

MADONNA:
Sie stehen zum zweiten Mal in kurzer Zeit im Kreuzfeuer der Kritik.
Lindner: Ich habe mich schon gefragt, ob ich das alles aushalten werde. Aber bis jetzt geht’s. Ich bin ja einiges gewohnt. Aber ich habe mich auch etwas anderes gefragt: Wäre es einem Mann so ergangen wie mir? Ich glaube nicht. Man wird als Frau einfach anders beurteilt. Genau das will ich als Abgeordnete ändern!

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Autor: (knd)
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