Sönke Wortmann ist froh über das Hier und Jetzt

"Es ist vielleicht sogar noch schöner, dass man es nicht weiß, dann kann man auch nach dem Kino noch darüber reden." Heute, Mittwoch, Abend, feiert "Die Päpstin" nach Berlin auch in Wien Premiere, ab Freitag ist sie in den österreichischen Kinos zu sehen. Die Message der Legende um die weibliche Päpstin, die als Mann getarnt einen raschen Aufstieg vom einfachen Mönch zum Papst-Vertrauten und schließlich selbst auf dem heiligen Stuhl bestreitet, sei in jedem Fall "auch heute sehr aktuell", so Wortmann. "Die Message entsteht ja eigentlich erst im Laufe der Jahrhunderte, in denen sich für Frauen viel zu wenig geändert hat. Nicht nur im arabischen Raum, auch bei uns in Westeuropa ist die Gleichberechtigung nicht da, wo sie sein sollte." Vor einer Debatte über die geschichtlichen Fakten, zu der von manchen Kirchenhistorikern bereits angesetzt wird, "scheue ich mich nicht. Das würde dem Filmerfolg wahrscheinlich helfen."

Erfolg hatte Wortmann in jüngerer Zeit vor allem mit seinen beiden Fußballfilmen "Das Wunder von Bern" und "Deutschland. Ein Sommermärchen". "Seither stecke ich in dieser Schublade", bekennt er, "und ich hoffe, dass ich da mit diesem Film ein bisschen rauskomme." Zum Thema Fußball, so glaubt er "habe ich genug beigetragen. Ab und zu gehe ich noch ins Stadion - aber künstlerisch interessieren mich jetzt andere Dinge." Historienfilme zum Beispiel, auf deren Geschmack ihn die mittelalterliche "Päpstin" durchaus gebracht hat. "Das ist schon eine sehr aufregende Sache, mit Hilfe von Einlesen und dann der Ausstattung so eine Zeit nachzuempfinden und nachzuerfinden. Ich finde, das hat ganz viel mit Kino zu tun." Jeden Tag sei es spannend gewesen auf den Set zu kommen - "jeder Komparse war so authentisch".

Gedreht wurde in Sachsen-Anhalt, in der Eifel und für die Rom-Szenen im marokkanischen Ouarzazate. "Ich war in Rom und habe mir alle Ort angeschaut, wo Johanna gewirkt haben soll und wo sie gestorben ist. Aber in den römischen Studios steht nur das prächtige Rom, da waren die Sets in der Wüste von Marokko für unsere Zeit viel geeigneter - im 9. Jahrhundert war Rom ziemlich heruntergekommen und dreckig." Dreckig, grau und gewaltsam ist der ganze Film. "Das war einfach so, es gab keine Zahnpasta und keine Gesundheitsvorsorge." Warum man sich das gerne ansieht? "Ich bin jedes Mal froh, dass ich nicht damals gelebt habe, sondern heute. Diese Faszination des Grauens bewirkt, dass man denkt: 'Mensch, hab ich's gut.'"

Mit der aufwendigen Ausstattung habe er sich nicht zuletzt gegen ein übliches Problem von Romanverfilmungen wappnen wollen: "Die Fantasie des Menschen ist beim Lesen meist größer als das, was er dann im Kino vorgesetzt bekommt." Unter Testgruppen ergab eine Befragung allerdings, dass immerhin jeder Zweite den Film genauso gut fand wie den Bestseller - "damit kann ich gut leben". Mit Autorin Donna W. Cross sei die Zusammenarbeit "ideal" verlaufen. "Donna gehört zu jenen Autoren, die wissen, dass Film und Literatur zwei völlig unterschiedliche Medien sind und dass man gewisse Einschnitte machen muss, damit der Geist des Romans erhalten bleiben kann. Es gibt auch andere - die meinen jedes geschriebene Wort ist in Stein gemeißelt und nobelpreisverdächtig." Der Roman sei allerdings so erfolgreich gewesen, "dass es ja absurd wäre, sich nicht möglichst genau daran zu halten".

Die Drehbucharbeit übernahm Wortmann nach dem Zerwürfnis der Produzenten mit Volker Schlöndorff - und fing ganz von vorne an. "Das Drehbuch war gar nicht so viel anders vorher, aber man hat ihm angemerkt, dass da schon ganz viele daran geschrieben haben." Statt nur auf Johannas Geschicke in Rom habe er auch ihrer Kindheit und Jugend mehr Gewicht beimessen wollen. "Ich bin besonders stolz auf die jüngeren Ausgaben von Johanna." Sowohl Tigerlily Hutchinson, die sie im Alter von sechs bis neun Jahren spielt, wie auch die jugendliche Lotte Flack "sehen Johanna Wokalek nicht nur ähnlich, sondern haben das wirklich ganz toll gemacht".

Dass er mit Wokalek selbst ein goldenes Händchen im Casting bewiesen hat, war für Wortmann von Anfang an klar. "Ich wusste, was sie kann, das war ein Heimspiel." Auch am Set habe sich wieder einmal seine Erfahrung bestätigt, "dass die richtig guten Leute auch wahnsinnig angenehm zum Arbeiten sind." Neben John Goodman oder David Wenham versammelte die Schauspieler-Riege vor allem deutsche Darsteller, gedreht wurde auf Englisch. "Aber weil das in Deutschland spielt, macht es gar nichts, wenn man die Akzente hört - da kann ein deutscher Mönch ruhig einen deutsch klingenden 'Dialekt' haben. Und es ist doch ganz nett, dass man in der deutschen Synchronfassung bei diesem Film dann auch die echten Stimmen der Schauspieler hört."

INFO: http://www.die-paepstin.de

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