Regiedebüt von Schygulla in Braunschweig

Ein weiterer Höhepunkt des Festivals sollte am Sonntagabend die Abschlussgala werden, bei der der mehrfach für den Oscar nominierte John Hurt den mit 10.000 Euro dotierten Darstellerpreis "Die Europa" erhält. Für den britischen Schauspieler gibt es keine großen und kleinen Preis: "Mir geht es um die Wertschätzung, die ich erfahre", sagte er.

2007 war Schygulla - in den 70er Jahren durch die Filme von Rainer Werner Fassbinder bekanntgeworden - "Europa"-Preisträgerin. Damals kündigte sie an, das Geld in eine Kamera investieren zu wollen. Nach zwei Jahren kehrte sie nun mit ihrem Regiedebüt zurück nach Braunschweig. Mit dabei auch war auch Alicia Bustamante, die Hauptfigur des Films, die in ihrer Heimat Kuba als lebende Legende gilt. In zahlreichen Theaterstücken, Kinofilmen, TV-Produktionen und Radiosendungen hat die heute 78 Jahre alte Kubanerin mitgespielt oder Regie geführt.    

Und fast ist es so, als ob die Zuschauer das gemeinsame Leben der deutschen und der kubanischen Schauspielerinnen in Paris und Havanna teilen. "Ich beurteile nichts", sagte Schygulla über ihren Film. "Ich habe den Vorteil, dass wir das selbe Haus bewohnen. Immer wenn sich etwas ergeben hat, konnte ich filmen."

Der Wechsel hinter die Kamera hatte für sie durchaus Tücken: "Es war ein Hindernislauf mit der Technik", berichtet die 65-Jährige, die Regie, Kamera und Ton verantwortet, nur beim Schnitt habe ihr Freund Jose Huerta geholfen. Einige Szenen sind denn auch recht unscharf, andere etwas dunkel. Ob Makel oder Stillmittel bleibt offen. "Nicht der Perfektionismus, sondern das Leben ist wichtig", erinnert sie am Anfang des Films.

Die beiden Frauen hatten sich 1991 bei den Dreharbeiten zu einer kubanischen Telenovela kennengelernt. Seitdem sind sie enge Freundinnen. "Wir durchwandern das Leben Hand in Hand", sagt die 65- jährige Schygulla. "Ich wollte etwas von dem Zauber säen, den ich mit ihr erlebe." Mit großer Lebensfreude und viel Humor zeigt sich Alicia Bustamante 105 Minuten mal als Clown, mal als resolute Hausfrau, als nachdenkliche Freundin oder auch als weise Ratgeberin. Dazwischen werden - teils in schlechter Qualität - Ausschnitte aus ihren alten Filmen und Theaterstücken gezeigt.       

"Ich hatte kein Konzept", gibt Schygulla unumwunden zu. Und so ist der Film durchaus kurzweilig, hat aber auch Längen. Die Regisseurin selbst ist nach der Aufführung etwas unsicher, ob das deutsche Publikum die richtige Zielgruppe sei. Viele vorkommende kubanische Künstler seien hier schließlich gar nicht bekannt. "Ich habe den Film eher für Kuba gedreht", sagt sie. Das Filmfest Braunschweig wollte den Streifen dennoch gern zeigen und ließ ihn eigens für die Premiere untertiteln.

Auch der Nachwuchs wurde beim Filmfest Braunschweig gewürdigt. Der ebenfalls mit 10 000 Euro dotierte Publikumspreis "Der Heinrich", mit dem ein Debüt- oder Zweitfilm prämiert wird, ging an den Regisseur des italienischen Filmes "Der Clown". Den Deutsch-Französischen Jugendpreis KINEMA erhielt die dänisch-französische Produktion "Be Good". Mit dem Kurzfilm-Musikpreis "Der Leo" wurde zudem der ungarische Film "Mama" von Géza M. Toth mit der Musik von Attila Pacsay ausgezeichnet.

Diesen Artikel teilen:

Posten Sie Ihre Meinung

Kommentare ausblenden
Diese Website verwendet Cookies
Cookies dienen der Benutzerführung und der Webanalyse und helfen dabei, die Funktionalität der Website zu verbessern, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Nähere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Impressum