Kaufsucht: Nicht nur Frauen betroffen

Studie

Kaufsucht: Nicht nur Frauen betroffen

Die Meinung, dass starke Kaufsuchtgefährdung primär eine Angelegenheit der (österreichischen) Frauen sei, ist falsch. Die Arbeiterkammer-Studie aus dem Jahr 2005 ergab bei den Frauen in der Altersgruppe der 45- bis 59-Jährigen einen Anteil von 11,9 Prozent, bei den Männern einen Anteil von 6,1 Prozent. Bei den 25- bis 44-Jährigen waren es 11,8 Prozent (Frauen) bzw. 6,9 Prozent unter den Männern.

"Es geht nicht darum, Güter zu haben. Es geht um den Vorgang des Kaufens", sagte der Wiener Suchtexperte Michael Musalek am Donnerstag bei den Österreichischen Ärztetagen in Grado. Der Unterschied zwischen Männern und Frauen betreffe in dieser Hinsicht am ehesten die Gattung der gekauften Güter: "Männer sieht man halt eher in Elektroläden. (...) Entscheidend ist der Kontrollverlust." Alle Kriterien der Entwicklung von normalen Gebrauch einer Substanz oder eines "normalen" Verhaltens bis hin zur Suchtkrankheit gelten demnach auch für die Kaufsucht samt Kontrollverlust im betroffenen Konsumverhalten und des Verlierens aller anderen Interessen.

Wenn der Kaufvorgang süchtig macht

Es gibt allerdings durchaus geschlechtsspezifische Verhaltensweisen beim Kaufverhalten: In einer US-Studie wurde männlichen und weiblichen Probanden aufgetragen, in einen bestimmten Bekleidungssupermarkt zu gehen und dort Unterhosen zu kaufen. Die Männer steuerten in dem Einkaufszentrum ganz gezielt dieses Großgeschäft an. Die Frauen flanierten vor dem Kauf bei dieser Marke auch gleich noch zwei andere Großmärkte in unmittelbarer Umgebung.

Alle von Kaufsucht Betroffenen sprächen von einem massiven Drang zu diesem Verhalten. Spezifisch sei auch die Ausrichtung des Einzelnen auf spezielle Güterklassen. "Ein Mann hat beispielsweise bereits zwei Stereoanlagen und kauft noch drei dazu. (...) Oft werden die Güter nicht einmal mehr ausgepackt. Es gibt häufig versuchte Rückgaben. Oft werden Waren massenhaft im Ausverkauf erstanden", sagte der Experte. Zum Schein würden die Güter dann auch oft verschenkt, was eine Rechtfertigung bedeuten könne ("Nur für die anderen gekauft").

Bei echter Kaufsucht ist die Therapie jedenfalls schwierig, weil eine Abstinenz eben kaum erreicht werden kann. Doch das Konzept der Abhängigkeit als primäre psychiatrische Erkrankung wird laut Musalek im Grunde immer zweifelhafter: "Die Kaufsucht kommt praktisch nie alleine vor. Die Suchterkrankung ist die Komorbidität (Begleiterkrankung; Anm.) von anderen psychischen Erkrankungen." Depressionen, Angststörungen, Zwangsstörungen und Persönlichkeitsstörungen stünden in den meisten Fällen hinter der Entwicklung eines substanzabhängigen oder substanzunabhängigen Suchtverhaltens.

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