Frausein aus der Sicht eines Comedian

Florian Schröder im Talk

Frausein aus der Sicht eines Comedian

Die Frau von heute ist schlank wie ein Topmodel, erfolgreich im Job, liebevolle Mutter, verruchte Liebhaberin, beste Freundin. Die Ansprüche an Frauen sind scheinbar grenzenlos. Sie leisten so viel und stehen doch häufig im Schatten der Männer. Ist eine Frau selbstbewusst, nennt man sie zickig, ist sie emotional, nennt man sie hysterisch.“ Mit seiner Beschreibung des weiblichen Wesens-Dilemmas in einer deutschen Talkshow landete Comedian Florian Schröder (37) im vergangenen Jahr einen viralen Hit, der tausendfach von Frauen wie auch Männern geteilt und geliket wurde.  
 
 
Begeistert. Sein 50-sekündiges-Plädoyer führte zu intensiver Recherchearbeit, deren Ergebnisse Schröder nun in Buch-Form präsentiert. Als Frauenversteher sieht er sich trotzdem nicht – „das klingt zu warmduschermäßig“. Vielmehr outet er sich als Fan: „Frauen sind die Jongleure des Lebens: Sie werfen 10 Bälle nach oben und fangen sie irgendwie alle wieder auf.“  Welche Thesen er nach intensiver Arbeit mit dem Geschlechterzirkus aufstellen konnte und was Männer sich verhaltenstechnisch von Frauen abschauen sollten, lesen Sie hier.     

Ihr Buch trägt den Titel „Frauen. Fast eine Liebeserklärung“ – warum nur fast?
Florian Schröder: Spannend wird die Beschreibung aus männlicher Sicht dann, wenn sie auch ambivalent bleibt. Wenn zum Verständnis für die alltägliche Überlastungssituation der Frau zwischen verruchter Liebhaberin und treu sorgender Mutter, zwischen Perfektion im Job und Optimierung der Partnerschaft auch ein Kopfschütteln bleibt: Warum nehmen Frauen nach wie vor so viel hin? Zum Beispiel, dass sie mehr bezahlen und weniger verdienen. Und das fängt bei Kindern schon an: Das pinke Schaumbad mit dem Namen „Sternenzauber“ für Mädchen kostet bis zu 40 Prozent mehr als das blaue für Jungen mit dem schönen Namen „Saubär“. Ob Einwegrasierer, Kurzhaarschnitt oder Krankenkassenbeitrag – Frauen zahlen immer mehr! Warum macht ihr das mit?

Was sind die größten Fehler, die Frauen in einer Beziehung oder beim Daten machen?
Schröder: Ich habe mich, während ich den Partnerschaftsteil des Buches schrieb, oft gefragt, woran Partnerschaften heute zerbrechen. Meine These ist: Frauen kann nichts mehr genügen. Der Anspruch an die Perfektionierung der eigenen Person, der Druck, all die Möglichkeiten zu nutzen, die sie heute haben, sorgt für ein Lebensgefühl im permanenten Hamsterrad. Und dieses Gefühl bringen Frauen auch in Beziehungen ein. Die Auswirkungen dieses Umstandes zeigen sich exemplarisch am Valentinstag: Da soll Mann von sich aus den Liebesbeweis erbringen, den sie stillschweigend erwartet, was aber nicht so erwartungsvoll aussehen soll, wie es ist. Und bringt er dann nichts mit, erntet er Verärgerung dafür, dass er eine Erwartung nicht erfüllt hat, die es offiziell gar nicht gab. Oft sehen die Frauen in einem Mann auch Dinge, von denen der Mann selbst nichts weiß und auch nie wissen wird. Da wird die beunruhigende Leidenschaft für Eisenbahnen schon mal als Beweis dafür uminterpretiert, dass der Kerl doch eigentlich Ingenieur werden müsste – und nur, weil er dem Sohn der Schwester fehlerfrei die Schuhe gebunden hat, seht ihr in ihm schon den fürsorglichen Vater. Viele sind dann später enttäuscht, fühlen sich betrogen um ihre Zuversicht, um all die Investitionen und den Kredit, den sie ihm gewährt haben. Schließlich trennen sie sich, weil er ein Versprechen nicht einlöst, das er nie abgegeben hat. Das Leben ist einfach nur ein sehr ausgedehnter Valentinstag.
 
Florian Schröder © Frank Eidel
„Mehr Selbstbewusstsein, liebe Frauen“, fordert Comedian und selbst ernannter Frauen-Fan Florian Schröder.

Was könnten wir Frauen von den Männern lernen?
Schröder: Ein selbstverständlicheres Selbstbewusstsein. Frauen finden sich zu dick, zu dünn, zu pink, zu wenig sexy oder zu sehr. Wenn sie arbeiten, dann zu viel, oder zu den falschen Zeiten …Frauen hinterfragen sich permanent. Männer fragen auf dem Weg nach oben: „Wie mache ich das?“, Frauen fragen: „Wozu mache ich das?“ Werden Männer zum Stichtag mit einer Aufgabe nicht fertig, reden sie erst einmal breitbeinig eine Stunde über die 20 Prozent, die komplett sind, in der Hoffnung, dass dann schon keiner mehr nach den restlichen 80 Prozent fragen wird. ­Haben Frauen 80 Prozent eines Projekts fertig, reden sie erst einmal eine gefühlte halbe Stunde über die 20 Prozent, die ­fehlen, sodass sich für die Zuhörer auch 
die vorhandenen 80 Prozent anhören wie 5 Prozent. Wenn es um unsere Erfolge geht, machen wir aus einer Mücke einen Elefanten, Frauen schaffen es noch immer, aus einem Elefanten eine Mücke zu machen.

Und umgekehrt – was können Männer noch von uns Frauen lernen?
Schröder: Frauen haben eine größere ­Singlekompetenz, sie sind weniger angewiesen auf einen Mann, das gibt ihnen eine größere Freiheit. Frauen entscheiden die Geschwindigkeit des Kennenlernens, sie fordern Entwicklung, forcieren die nächsten Schritte: Meist sind es Frauen, die zusammenziehen wollen, sie erwarten Verbindlichkeit, sie sind es aber auch, die sich schneller trennen. Frauen sind weniger denn je bereit, Kom­promisse zu machen, nur um eine Beziehung fortzuführen. Sie sind weniger bereit, ein totes Pferd zu reiten, auch wenn es noch zuckt. Heutzutage gehen zwei von drei Trennungen von Frauen aus. Sie wagen einen Neuanfang, schneiden sich die Haare ab, dekorieren die Wohnung um und schmeißen sämt­liche Klamotten zum Fenster raus. Männer haben keine Klamotten oder wissen nicht, wo sie sind. Männer können von Frauen lernen, weniger hilflos zu sein.

"Fast eine Liebeserklärung" von Florian Schröder ist im rowohlt Verlag erschienen und um 10,30 Euro erhältlich. 
"Fast eine Liebeserklärung" von Florian Schröder i © "Fast eine Liebeserklärung" von Florian Schröder i
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