Die neue Opernball-Königin

Im MADONNA-Talk

Die neue Opernball-Königin

Einen persönlichen Termin mit Daniela Fally (37) zu bekommen, ist derzeit nicht einfach. Schließlich probt die Opernsängerin gerade an der Mailänder Scala, wo sie am 19. Jänner in der Fledermaus debütiert. Parallel dazu bereitet sich die Mutter einer zweijährigen Tochter auf ihren großen Auftritt am 8. Februar vor: Beim Wiener Opernball will sie bei der Eröffnung für Furore sorgen. Das Interview über ihr fulminantes Comeback nach kurzer Babypause.

Am Donnerstag wurde bekannt gegeben, dass Sie als Stargast beim diesjährigen Opernball singen werden. Was bedeutet ­Ihnen dieser Auftritt?
Daniela Fally:
Immens viel! Als ich ein kleines Mädchen war, in unserer 3.000 Seelen Gemeinde, träumte ich ganz still und heimlich davon, einmal beim Wiener Opernball eröffnen zu dürfen. Damals dachte ich an die Tanzpaare in Schwarz-Weiß. Später dann, als ich Eva Lind den Frühlingsstimmenwalzer singen hörte, war es vollends um mich geschehen: nicht mehr tanzen – singen wollte ich! Und genau dieses Stück sollte es sein. Und den Opernball würde ich überhaupt erst das erste Mal besuchen, wenn ich Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper bin. Und so war’s dann auch übrigens (lacht). Natürlich konnte ich das alles damals niemandem erzählen, man hätte mich definitiv für völlig übergeschnappt gehalten. Aber ich kann nur sagen: Große geheime Träume braucht der Mensch. Sie können sich nicht vorstellen, welch unendlichen Antrieb, welch unendliche Kraft und Disziplin und Liebe so eine Vision auslöst. Dass sie sich nun fast zu 100 Prozent erfüllen darf, kann ich noch gar nicht richtig fassen. Ich freue mich unendlich.

Mit welcher Arie werden Sie begeistern?
Fally:
Bei so einem Großevent gibt es sehr klare Vorgaben, was die Auswahl der Stücke betrifft. Es muss das Fach und das Genre stimmen, die Länge bzw. die Kürze, die Orchesterbesetzung, es darf kein Chor dabei sein. Und die Arie muss natürlich die Möglichkeit bieten, zu begeistern. Wir haben wirklich lange besprochen und uns dann auf eine Arie geeinigt, die ich immer schon mal singen wollte: die Ariette der Mireille aus der gleichnamigen Oper von Charles Gounod „O légère hirondelle“.

Wie bereitet man sich auf so ein Ereignis vor? Anders als auf eine Oper?
Fally:
Sehr ernsthaft und sehr genau. Derzeit trainiere ich täglich hier in Mailand. Ich werde diese Arie debütieren, das macht es noch herausfordernder. Ich habe genau 3 Minuten 30 Zeit und in denen sollte alles reibungslos funktionieren und wir alle Freude haben.


Der Ball steht seit der Patronanz von Maria Großbauer wieder ganz im Zeichen der Künstler – wie stehen Sie dazu?
Fally:
Dieser Ball ist in der guten Wiener Balltradition alles zugleich: Kunst, Society-Event, Heiratsvermittler, Selbstdarsteller-Plattform, perfektes Business-Parkett … So war es immer schon, so soll es bleiben.


Ab 19. Jänner singen Sie zudem erstmals in Mailand. Scala, Opernball … außerdem Mutter einer kleinen Tochter. Wie bringen Sie das alles unter einen Hut?
Fally:
Das frage ich mich selbst oft (lacht). Ich denke, das Staunen vor den eigenen Ressourcen kennt jede Mutter. Wenn man denkt, jetzt geht nichts mehr, geht es immer noch. Mutterschaft ist einzigartig in jeder Hinsicht. Man aktiviert Kraftressourcen, von denen man nicht wusste, dass sie existieren. Das alles macht die Liebe zu einem kleinen Menschenwesen. Natürlich haben wir auch fantastische Hilfe von der Cousine meines Mannes. Ohne sie ginge es nicht. Und mein Mann und ich arbeiten sehr eng und partnerschaftlich zusammen. Ich bin so froh und dankbar, dass ich beides in meinem Leben haben darf: meine Familie und eine erfüllende berufliche Tätigkeit. Um keinen Preis möchte ich meine permanente Müdigkeit missen (lacht).

Ihr Lebensgefährte ist ja auch Sänger – schafft man es da überhaupt noch, die ­Arbeit vom Privatleben zu trennen?
Fally:
Schwer. Es ist aber sehr nötig. Singen und unser Beruf sind herrlich, aber zu Hause haben wir ganz andere „Rollen“ zu erfüllen: Die Künstler und die Egos haben Pause, wir haben uns selbst hintanzustellen und haben uns den Bedürfnissen unserer Tochter unterzuordnen.

Sie sind verlobt, warum haben Sie noch nicht geheiratet?
Fally:
Kann man vielleicht schwer glauben, ist bisher ein Zeitproblem gewesen. Irgendwie oder kurz zwischen zwei ­Vorstellungen möchten wir das nicht. Wenn, dann ordentlich und ausgiebig.

Sie sind nach der Geburt Ihrer Tochter recht schnell wieder auf die Bühne zurückgekehrt. Warum war Ihnen das wichtig?
Fally:
Das Wohl meines Kindes stand und steht immer an erster Stelle, ich sang in erster Linie Konzerte. Das bedeutete keine wirkliche Abwesenheit von meinem Kind. Sie ist jetzt zwei und wir waren lediglich zwei Tage und Nächte ohne einander. Darüber bin ich sehr froh, dass mir das als Künstlermutter gelungen ist. Der Zufall hat uns in den zwei Jahren auch seitens der Engagements sehr unterstützt. Und ich schränke auch bewusst in Zukunft die Auslandsengagements deutlich ein. Ich möchte, dass mein Kind eine Routine haben kann und ein aktives Sozialleben. Zum Glück darf ich Teil des Ensembles der Wiener Staatsoper sein, sodass dies alles auch möglich ist!

Ihr Comeback ist ja fulminant – wie sieht es dennoch mit Ihrem Wunsch nach einem zweiten Kind aus?
Fally:
Derzeit ist ein weiteres Kind kein Thema. Aber wer weiß, man soll ja bekanntlich niemals nie sagen (lacht).

 

Zur Person

Karriere. In Pottenstein geboren,
beendete Fally 2005 ihr Gesangsstudium an der Wiener Musikuniversität mit Auszeichnung. Ihre Anfänge hatte sie am Stadttheater Berndorf, ihr Operndebüt in der Schweiz. Fally war 4 Jahre im Volksopern-Ensemble, seit 2009 singt sie fix an der Wiener Staatsoper.


Privat ist die Koloratursopranistin mit dem brasilianischen Tenor Gustavo Quaresma Ramos (34) verlobt. Im Dezember 2015 kam Tochter Sophie zur Welt.

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