Die gängigsten Sex-Mythen

Der große Sex-Check

Die gängigsten Sex-Mythen

Oft reicht der verführerische Duft des Gegenübers, der intensive, tief gehende Blick oder ein einfacher, sinnlicher Gedanke, der das Feuer der sexuellen Lust in uns entfacht – unseren Puls schlagartig steigen und die Knie erweichen lässt. In wenigen Sekunden staut sich Blut in unseren Geschlechtsorganen, lässt sie anschwellen, ehe wir ineinander verschmelzen und die sexuelle Erregung ihren Höhepunkt erreicht – gekrönt durch den Orgasmus. Ja, nicht umsonst ist Sex die schönste Nebensache der Welt. Und dennoch verspürt rund jede dritte Frau nur gelegentlich oder selten sexuelles Verlangen. „Während die Lust, die Libido, der Männer, zumindest die der meisten, impulsgesteuert funktioniert – sie verspüren Lust und folgen ihr –, läuft das Ganze bei Frauen wesentlich komplexer ab“, weiß Dr. Elia Bragagna, Sexualmedizinerin und Leiterin der Akademie für Sexuelle Gesundheit. „Sie erleben die impulsive Lust  meist nur während der ersten Phase des Verliebtseins und rund um den Eisprung. Meist sind es andere Gründe, warum sie eigentlich Sex haben und das Gehirn dafür bereit ist, Lust zu empfinden. Hauptmotivation für viele Frauen ist Zuneigung.“ Doch die Ursachen für die mangelnde Lust sind vielschichtig und reichen von organischen bis zu meist psychologischen und sozialen Faktoren.

Wir sehen: Sex ist komplex! Und wirft vor allem viele Fragen auf. Fragen, die wir uns oft gestellt, auf die wir aber nicht so recht die passende Antwort gefunden haben. Zumindest bislang nicht! Denn ob man von Analsex tatsächlich schwanger werden kann, der Penis bei wildem Sex wirklich zu brechen droht oder welche Rolle die Größe des Penis spielt, weiß Dr. Elia Bragagna. Sie geht für MADONNA auf den nächsten Seiten den gängigsten Sexmythen auf den Grund.

Dr. Elia Bragagna im Interview

Libido: Lust statt Frust!

Die Luft ist raus. Warum beklagen zunehmend mehr Paare Flaute im Bett – was steckt hinter dem Libidoverlust?
Dr. Elia Bragagna:
Die Hauptkomponente für funktionierende Sexualität ist der zwischenmenschliche Umgang in einer Partnerschaft – gerade in längeren Beziehungen. Die Kommunikation über das Sexualleben bleibt da oft auf der Strecke. Nach der ersten Beziehungsphase, jener des Verliebtseins, beginnen beide in ihre ursprünglichen Muster zurückzukehren. Bei den meisten Paaren ist es der wieder einkehrende Alltag, der den Fokus, verglichen mit der Anfangsphase der Beziehung, verändert. Beide fühlen sich dadurch auf der Strecke gelassen – sie sehnt sich nach Zärtlichkeit und er sich nach Sexualität. Genau das zeigt übrigens auch eine amerikanische Studie mit 31.000 Teilnehmerinnen. Erst weit nach dem psychosozialen Faktor, Druck und der gesellschaftlichen, medial erzeugten Erwartungshaltung an die Sexualität der Frau, werden körperliche Gründe oder hormonelle Faktoren als Lustkiller genannt.

Wirkt sich die Digitalisierung der Gesellschaft auf unser Lustverhalten aus?
Dr. Bragagna:
In vielerlei Hinsicht. Pornografisches Material ist für jeden leicht zugänglich. In diversen, speziell für Männer gedrehten, Filmchen. Gezeigtes ist allerdings fernab jeglicher Realität und stellt die Rolle der Frau fälschlicherweise als eine ständig Lustbereite dar. Zudem führt die Nutzung von Smartphone & Co. dazu, dass unser Gehirn – ähnlich wie in der Spieleindustrie – immer mehr neue und schnellere Impulse braucht, um Dopamin auszuschütten. Legen wir keine Ruhephasen ein und stehen ständig unter Spannung, erleben wir unseren Alltag und auch unseren Partner aufgrund der permanenten Reizüberflutung zunehmend stumpfer. Die Luft ist raus. Daher sollten wir generell – nicht nur bei digitalen Dingen – einen Gang zurückschalten. Auch Langeweile und monotone Phasen sind okay und sogar wichtig, damit der Körper wieder neue Impulse wahrnehmen und sich daran erfreuen kann.

Was können wir noch tun?
Dr. Bragagna:
Fakt ist, je befriedigter ich lebe, desto befriedigter bin ich und desto mehr befriedigt mich auch meine Beziehung. Übrigens: Jeder ist selbst dafür verantwortlich, seine Sexualität befriedigend zu gestalten. Und nehmen Sie sich Zeit – Sex ist, vor allem für die Frau, weit mehr als nur rein und raus. Bleibt das Libidotief bestehen, sollte ein Arzt zur Abklärung etwaiger medizinischer Ursachen konsultiert werden. Der nächste Schritt ist die Sexualtherapie.

Sex-Mythen im Check! 1/10

Mythos 1: Sperma wirkt abführend

Stimmt bedingt! Damit etwas abführend wirken kann, muss es zuerst geschluckt oder im Dickdarm platziert werden. Dass geschlucktes Sperma als „Abführmittel“ gesehen werden kann, ist falsch. Wird beim Analsex allerdings im Rektum ejakuliert, kann das hingegen durchaus abführend wirken. Dabei ist es aber mehr der mechanische, durch den Penis verursachte Reiz, als das Ejakulat selbst.

Mythos 2: Von Analsex kann man schwanger werden

Stimmt bedingt! Physiologisch gesehen ist es zwar unmöglich, praktiziert man aber ungeschützt Analverkehr, muss von einer Verschleppung der Spermien in die Vagina ausgegangen werden. Haben es einige Spermien erstmal in die Vagina geschafft, ist eine Schwangerschaft durchaus möglich. Ungeschützter Sex ist immer mit einer Schwangerschaft zu verbinden.
 

Mythos 3: Stuhlinkontinenz nach Analsex

Stimmt! Der Stuhl-Kontinenzmechanismus basiert auf dem kreisförmigen Schließmuskel, dem sogenannten Sphinkter. Eine massive Überdehnung kann zu vorübergehender Muskelverletzungen und sogar zu dauerhafter Stuhlinkontinenz führen – vom Penis geht im Regelfall aber keine Gefahr aus.Übrigens: Schmerzen sind immer ein Grund aufzuhören – hören Sie auf Ihren Körper.
 
 

Mythos 4: Er kann beim Sex stecken bleiben

Nicht ganz! Es gibt allerdings eine Krankheit, den Vaginismus, bei der es zu Krämpfen in der Vaginal- und Beckenbodenmuskulatur kommen kann. Bereits die kleinste Penetration wird so unmöglich. Sex ist für beide mit Schmerzen verbunden und sogar eine erschwerte Trennung der Geschlechtsorgane ist möglich.
 
 

Mythos 5: Urinieren nach Sex schützt vor Blasenentzündung

Kann stimmen! Der Gedanke des Urinierens nach dem Sex – egal, ob mit oder ohne Kondom – kommt daher, die Harnröhre mechanisch zu spülen und eine Besiedelung der Blase mit Keimen zu verhindern. Wissenschaftliche Nachweise für die Wirksamkeit gibt es keine.
 
 

Mythos 6: Frauen können ejakulieren

Stimmt! Einige Studien belegen, dass eine weibliche Ejakulation bei starker sexueller Erregung möglich ist. Die anatomische Erklärung dafür: Die paraurethralen Drüsen bilden ein Sekret, das sich beim Orgasmus vermehrt entleeren kann. Sind diese Drüsen vergrößert, können auch größere Mengen des „Sekrets“ abgegeben werden. Übrigens: Das Prostatahormon PSA wurde im weiblichen Ejakulat nachgewiesen, weshalb man das Synonym weibliche Prostata eingeführt hat.
 
 

Mythos 7: Beim Sex kann der Penis brechen

Stimmt! Penisbruch, das Horrorszenario schlechthin – zumindest für die Männer. Geht es im Bett heiß her – vor allem die Reiterstellung birgt bei wildem Sex eine große Gefahr (!) – , kann es schnell zum unsanften Verbiegen des erigierten Penis kommen. Folgt ein lautes „Knallen“, einhergehend mit sehr starken Schmerzen, ist von einem Penisbruch – dem Einreißen des Bindegewebes im Penis – auszugehen. Im Zuge einer OP wird die entstandene Wunde übernäht. Für den Großteil der Betroffenen kommt es später zu keinerlei Einschränkungen in Sachen Sexualität.
 
 

Mythos 8: Während der ‚Tage‘ kann man nicht schwanger werden

Stimmt grundsätzlich! Denn während der Monatsblutung sollte sich die Eizelle nicht im passenden Stadium für eine Befruchtung befinden. Jede Vaginalblutung muss aber nicht zwingend eine Regelblutung sein, was diese Sexualpraktik absolut unpassend als Verhütungsmethode macht.
 
 

Mythos 9: Sex dehnt die Scheide aus

Stimmt nicht! Die Vagina ist ein muskulöses Organ, das sich verformen und je nach Beanspruchung in seiner Größe verändern kann. Diesen Adaptionsmechanismus kann man nicht als „Ausleiern“ bezeichnen, da sich der Muskel für gewöhnlich in seinen ursprünglichen Zustand zurückbildet.
 
 

Mythos 10: je größer, desto besser

Stimmt nicht! Der größte Teil der weiblichen Geschlechtsorgane liegt im Körper verborgen. Dabei ist die Durchschnittsvagina nicht auf überdurchschnittlich große Penisse ausgelegt. Studien zeigen, dass auf die Größe abgestimmte Geschlechtsorgane zum meisten Genuss führen. Und: Es ist nicht der Zauberstab, der zaubert, sondern der Zauberer!

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