22. Dezember 2009 13:54
Warum das perlende Getränk so köstlich ist, erklärt das aktuellen Fachblatt "Chemie
in unserer Zeit" anhand ungewöhnlicher Details: Aus dem Kohlendioxid
der Bläschen wird auf der Zunge Kohlensäure gebildet - das Kribbeln im Mund
geht also auf winzige Verätzungen zurück.
Der Radius einer aufsteigenden Sektblase nimmt etwa 350 bis 400 Mikrometer
pro Sekunde zu, ist dem Artikel weiters zu entnehmen. Die typischen
Gasperlen sind auch die Ursache dafür, dass Sekt und Champagner rasch zu
Kopf steigen, erklärt Professor Klaus Roth von der Freien Universität
Berlin. Die platzenden Bläschen reizen die Magenwände, die dadurch stärker
durchblutet werden und in der Folge den Alkohol schneller aufnehmen. Beim
Platzen an der Oberfläche im Glas versprühen die Sektperlen außerdem Aromen
und andere Verbindungen - was einen großen Teil des sinnlichen Genusses
ausmacht.
Wer zu Weihnachten oder am Silvesterabend mit spritzigen Details zum edlen
Getränk brillieren möchte, sollte sich folgendes Wissen einprägen:
Umstritten ist laut dem Bericht, wer die Flaschengärung der schäumenden
Weine ersann. Die Engländer verweisen auf Christopher Merret, der 1662 vor
der königlichen Gelehrtengesellschaft Royal Society über das Verfahren
berichtet habe. Für die Franzosen ist der Benediktinermönch Dom Pierre
Perignon (1638-1715) der Erfinder. Der Kellermeister verfeinerte den in der
Champagne-Region produzierten Schaumwein zu einem Spitzenprodukt und ist
verantwortlich für die Flaschengröße von 0,75 Litern. Nach Ansicht des
Mönches war dies genau die Menge, die ein "Mann von Welt" zum
Abendessen trinkt, schreibt Roth.
Mittlerweile sei der Champagner "das wohl am strengsten kontrollierte
Getränk überhaupt". Das Anbaugebiet umfasse nur 36.000
Hektar, jedes Jahr werde eine maximale Traubenmenge festgelegt. Nur mit Hand
geerntete Früchte bestimmter Sorten dürfen verwendet werden, nach
dreiwöchiger Vergärung muss der Champagner mindestens 15 Monate stehen.
Maximal 350 Millionen Flaschen werden pro Jahr auf diese Weise hergestellt
und für viel Geld verkauft. Als Bester unter den Besten gilt laut dem
Fachblatt bei vielen Experten der 1928er Krug Collection Champagner. Am 28.
März habe eine Flasche davon den Rekordpreis von 15.900 Euro erzielt.
Anders als bei Wein steige der Wert schäumender Getränke nicht mit dem
Alter: "Sekte verlassen die Kellerei ausgereift, ihre Qualität
verbessert sich also nicht mit der Lagerzeit, da der CO2-Druck unweigerlich
abnehmen muss." Zudem sei die Mischung verschiedener Tropfen bei Sekt
keine Schande. Meist werde aus bis zu 80 Weinen unterschiedlicher Sorten,
Jahrgänge und Lagen ein sogenannter Cuvee komponiert.
Ein wundervolles Schauspiel ist in den Augen der Chemiker - bei ganz naher
Betrachtung - das Öffnen einer Sektflasche. Dabei dehnt sich das gasförmige
Kohlendioxid im Flaschenhals schlagartig aus, der Druck sackt von fünf
Atmosphären auf eine ab. Dies führt zur Abkühlung des ausströmenden Gases,
die Feuchtigkeit in der Umgebungsluft gefriert zu einem weißen Rauch aus
Eiskristallen. Ein Tipp für alle, die angebrochene Sektflaschen lagern
wollen: offen in den Kühlschrank stellen. Ein Silberlöffel im Hals bringt
Tests zufolge nichts, das Wiederverkorken mache das Getränk schal und
weniger schmackhaft.