21. Jänner 2010 17:47
Die Frage, ob Schuhe von Jimmy Choo oder doch lieber von Christian
Louboutin wird ganz entspannt auf der Wohnzimmercouch entschieden.
Immer mehr Luxusmarken entdecken das Online-Geschäft. Dabei galt dieses
Segment mit seinem Exklusivitätsanspruch und der Beratungsintensität lange
als ungeeignet für den Handel über das Internet. Heute bekommt man im Netz
praktisch alles, wofür man früher nach New York oder Mailand reisen musste.
Über einen Link auf der eigenen Homepage vertreiben viele Designer zumindest
einen Teil ihrer Kollektion. Auf gleich mehrere der edlen Labels lässt sich
über virtuelle Markenhäuser wie Net-a-porter oder Stylebop zugreifen. Sie
konkurrieren dabei mit den zunehmenden Online-Aktivitäten real existierender
Nobelboutiquen. Und selbst das Outlet, die Vertriebsform für Restposten,
findet sein Äquivalent im Internet.
Wie bei jedem anderen im Internet vertriebenen Produkt liegt auch in der
Designermode der größte Vorteil in der ständigen Verfügbarkeit der Ware. Ein
Online-Shop hat 24 Stunden geöffnet. Er liefert nach Hause oder ins Büro.
Und er ermöglicht auch Frauen und Männern in kleineren Orten Zugriff auf
eine Mode, der sonst nur mit zeitraubenden Reisen verbunden wäre.
Doch es gibt auch Handicaps. "Der Faktor Emotionalität ist der größte
Nachteil und zugleich die größte Herausforderung des Online-Matthias
SchweighöferGeschäfts", gesteht Benjamin Günther, einer der
vier Gründer der Suchmaschine Stylight, die mehrere Internet-Shops unter
Berücksichtigung diverser Kaufkriterien durchforstet. Zwar lässt sich die
Atmosphäre eines von einem Starinnenarchitekten eingerichteten realen
Flagship-Stores nicht am Bildschirm simulieren, doch wissen die Anbieter um
die Bedeutung von Gefühl und Sinnlichkeit beim Einkauf.
So gehört eine aufwendige, hochwertige Verpackung heute zum Standard. Hinzu
kommen umfangreiche Servicepakete. Die reale Verkäuferin etwa wird durch per
Email oder Telefon erreichbare Stylisten ersetzt. Was nicht gefällt oder
nicht passt, kann kostenfrei zurückgegeben werden.
Dank der neuen Smartphones, die mobiles Telefonieren mit einem mobilen
Internet-Zugang kombinieren, löst sich der Konsum nun auch noch von seinen
letzten räumlichen Fesseln. Spezielle Anwendungen für diese Formate sind der
neueste Trumpf im Buhlen um die Kundschaft. Über Apps lässt sich zum
Beispiel die Herkunft eines Kleidungsstückes orten, das man irgendwo auf der
Straße gesehen und abfotografiert hat. Oder es gibt einen exklusiven Zugang
zu limitierten Editionen einzelner Modehäuser.
Wo das alles einmal enden wird, weiß noch keiner. Natalie Massenet, die Frau
hinter Net-a-porter, prophezeite einmal die allmähliche vollständige
Auflösung des stationären Handels. Andere sprechen lieber von einem
Nebeneinander der verschiedenen Möglichkeiten. Schließlich sei das Bummeln
in der Innenstadt ja auch so etwas wie ein sozialkulturelles Event.