Im Talk: Austro-Model rechnet mit dem Model-Biz ab

Prostitution und unmoralische Angebote

Im Talk: Austro-Model rechnet mit dem Model-Biz ab

Mit ihren gerade mal 20 Lenzen ist Jazz Egger zwar noch sehr jung, in Model-Jahren jedoch in voller Blüte. Die Kärntnerin lebt aktuell in London, wo sie ambitioniert ihren Lebenstraum verfolgt, doch im Gegensatz zu einigen anderen nicht jeden Preis dafür zahlen will. Denn Egger bringt auf ihrer Instagram-Seite regelmäßig Postings, auf denen sie die Wahrheit hinter glattpolierten Bildern veröffentlicht und reflektiert. Kürzlich machte die Österreicherin, die mit dreizehn Jahren entdeckt wurde,  auch eine Anfrage öffentlich, die ein höchst unmoralisches Angebot beinhaltete.           
Unverblümt. Mit MADONNA sprach Egger über die dunkle Seite des Modelbusiness, die vor Prostitution nicht zurückschreckt und ihren Plan, das Business mit Ehrlichkeit und Authentizität aufzumischen.    

Beschreiben Sie uns Ihren Weg aus dem beschaulichen Kärnten ins kosmopolitische London. Was hat Sie hierhin verschlagen?    
Jazz Egger:
Vor einem Jahr überkam mich ein seltsames Gefühl und auf einmal war mir klar, dass ich so schnell wie möglich nach London muss! Ich hab dann alles in die Wege geleitet und bin einfach hin. Ursprünglich als Musik-Journalistin für einen der größten Musikblogs Englands bin ich dann aber zusätzlich auf der London Fashion Week gelandet. Ich wusste, ich werde nur als Model ernst genommen, wenn ich von mir behaupten kann, dass ich bei einer bekannten Fashion Week gelaufen bin. Gesagt, getan.


Was hat Sie an der Branche interessiert?
Egger:
Ich habe das Modeln begonnen, um irgendwann in der Branche was ändern zu können. Als ich damals mit 14 entdeckt wurde, wusste ich bereits, dass ich die gesamte Industrie moralisch nicht wirklich vertreten kann. Also habe ich mir vorgenommen, dass ich mich – wenn ich das Angebot annehme –  erst nach oben arbeite, damit mir irgendwann Menschen zuhören und ich die Möglichkeit habe, die Branche von innen nach außen zu ändern. Diesen Punkt habe ich letzten Winter erreicht und ging das erste Mal viral mit meinem Hashtag #TruthBehindThisShot, wo ich die Wahrheit hinter meinen inszenierten Model-Bildern auf Instagram preisgab. Allerdings schockiert es mich immer wieder aufs Neue, wie viel doch wirklich vertuscht wird in der Fashionwelt, und ich entdecke stets neue moralisch-fragwürdige Dinge. Das ist das, was mich antreibt. Ich weiß, dass es Jahre dauern wird, bis sich irgendwas tut, aber man muss mal anfangen.


Inwiefern divergiert die vielleicht ehemalige Vorstellung vom Business mit dem echten Model-Leben?
Egger:
Wie gesagt, ich war mir schon damals darüber bewusst, dass das Model-Leben nicht nur aus Glamour besteht. Trotzdem konnte ich, als ich begann, noch nicht wissen, was mich tatsächlich erwartete. Und ich muss sagen, dass die Realität oft schlimmer ist, als ich es gedacht hätte.
Leider.


Sie haben kürzlich auf Ihrer Insta-Seite darauf aufmerksam gemacht, dass Sie als Escort-Service angefragt wurden. War das eine einmalige Sache oder passiert so etwas regelmäßig?
Egger:
Mir wurde mitgeteilt, dass es absolut gängig ist, dass Models Escort-Anfragen bekommen. Allerdings heißt das in der Branche nicht Escort, sondern „Image Modelling“. Ich wusste, dass Sex ein großes Thema in der Fashion-Industrie ist, aber ich wusste nicht, dass es da auch um Bezahlung geht. Für mich ist das schlichtweg Prostitution und hat nichts mehr mit Modeln zu tun.


Wie kann man sich diese Anfrage vorstellen?
Egger:
In meinem Fall war es so, dass ich eines Tages eine WhatsApp-Nachricht bekam, von einem fremden Mann. Er meinte, er hätte meine Nummer von irgendeiner Model-Kollegin bekommen. Dies stimmte jedoch nicht, da er sie von jemandem bekam, den ich mal in einem exklusiven Klub in London kennenlernte. Dieser Person gab ich damals meine Nummer, da sie  mir sagte, es sei für Business-Anfragen. Der Mann fragte mich, ob ich auf ein schickes Dinner mit einem sehr bekannten Schauspieler gehen möchte. Ich müsse ein schönes Abendkleid mit hohen Schuhen tragen und einverstanden sein mit der darauffolgenden „natural intimacy“. Darauf antwortete ich, dass ich kein Escort-Girl bin, sondern Model.


Was passiert, wenn man ein solches Angebot ausschlägt?
Egger:
Nachdem ich abgelehnt hatte, bombardierte er mich mit Nachrichten. Er sagte, es sei das Normalste auf der Welt und dass ich mich nicht so haben soll. Er behauptete, auch die weltbekannten Topmodels würden mit ihm auf diese Weise zusammenarbeiten und dass sie teilweise 2 Millionen für eine Nacht bekämen. Er sendete mir auch Screenshots, die mir das beweisen sollten. Ich war fassungslos.

#TruthBehindThisShot: Jazz Egger zeigt auf, was die Branche zu verstecken versucht. Auf Instagram zeigt sie, wie Fotos zu perfekten Werbebildern bearbeitet werden


Welche Reaktionen bringen Ihnen solche Enthüllungen? Wie reagieren Kunden wie auch Follower auf Ihre #TruthBehindThisShot-Bilder ?   
Egger:
Meine Follower finden es klasse, dass ich mich online nicht besser darstelle, als ich wirklich bin. Authentizität ist IN. Viele schreiben mir und bedanken sich für meine Ehrlichkeit. Manche sagen sogar, dass ich ihnen dadurch mehr Selbstvertrauen schenke, da ich offenlege, dass so gut wie nichts echt ist, was man täglich in Magazinen und auf Plakaten sieht. Das motiviert mich ungemein! Ich hätte eigentlich erwartet, dass Kunden nach meiner #TruthBehindThisShot-Kampagne etwas zurückschrecken würden, aber ich muss sagen, dass ich bisher keine negative Rückmeldung bekommen hab’. Ich hatte tatsächlich nie mehr Anfragen als heute. Allerdings sind viele Agenturen gegen meine Offenheit und fürchten, ich könnte ihren Ruf ruinieren. Für mich verständlich; aber, wer seine Models fair behandelt, sollte eigentlich nichts zu befürchten haben. Glücklicherweise steht mein derzeitiges Management zu 100 Prozent hinter mir.

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