31. August 2009 22:55

Olivia Pilhar 

Das Tagebuch des Krebsmädchens

Olivia Pilhar. Das Mädchen mit dem Riesentumor will nun Model werden. Ihr Krebs-Tagebuch steht im Internet.

Das Tagebuch des Krebsmädchens
(c) ReenWest/ReutersEs war die bewegendste Geschichte der Woche: Olivia Pilhar,deren Krebsdrama vor 13 Jahren um die Welt ging, bewirbt sich gesund undbildhübsch beim MADONNA-Modelcontest .

Lesen Sie dazu mehr: "Die Geschichte der krebskranken Olivia Pilhar ging um die Welt. Jetzt bewarb sie sich beim Model-Contest und erzählt in MADONNA über ihre Zukunftspläne."

Glücklich und geheilt
Keine Geschichte in ÖSTERREICH seitdem „Fall Fritzl“ löste derartige Reaktionen aus. Zeitungen aus der ganzen Weltmeldeten sich bei ÖSTERREICH und fragten um Fotos an. Das „Wunder Olivia“bewegt alle. Was die Bilder zeigen: Eine wunderhübsche 19-Jährige lächeltscheu in die Kamera. Irgendwie erinnert sie in ihrer Natürlichkeit an Kate Mossin jungen Jahren.

Das Mädchen hegt den Wunsch vieler Gleichaltriger: Model zuwerden! Und bewirbt sich während ihrer Maturareise beim MADONNA-Contest imtürkischen Antalya. Das Foto ist die Überraschungschlechthin: Denn hier posiert Olivia Pilhar, die vor 13 Jahren mit ­ihrerKrebsgeschichte die Welt in Atem hielt.

Nierenkrebs
Olivia war im Alter von fünf Jahren an einem Wilms-Tumorerkrankt, einer speziellen Art von Nierenkrebs. Die Ärzte verordnen ihr eineChemotherapie, die Eltern fühlen sich von der Schulmedizin überrannt, verweigerndie Krebsbehandlung und setzen stattdessen ihre Hoffnungen in Ryke Geerd Hamers„Germanische Neue Medizin“.

Sie verlieren das Sorgerecht, flüchten nach Spanien. Erstnach intensiven Verhandlungen der Kinderärztin Dr. Marina Markovich darf dasMädchen zurück. Der mehrere Kilo schwere Tumor wird Olivia – gegen den Willender Eltern – im AKH entfernt.

Tagebuch
Ein Trauma, das Olivia in einem Tagebuchverarbeitete. Und auch Vater Helmut Pilhar schrieb seine Sicht der Dinge nieder(Tagebuchauszüge auf www.pilhar.com).

Lesen Sie auf der nächsten Seite weiter: "Helmut Pilhar und wie er die Erkrankung seiner Tochter unddie dramatischen Tage erlebte"

Das Tagebuch: So erlebte der Vater das Drama Olivia ...
Helmut Pilhar und wie er die Erkrankung seiner Tochter unddie dramatischen Tage erlebte

„Olivia – Tagebuch eines Schicksals“: Im Internet (www.pilhar.com)schildert Olivias Vater Helmut Pilhar seine Sicht der Dinge. Eine verstörende,manchmal verwirrende Sammlung aus Tagebucheinträgen, Protokollen,Zeitungsschnipseln. Die wichtigsten Auszüge

Bei Olivia wird ein Tumor festgestellt
Donnerstag, 18. 5. 1995: Ich fuhr wie jeden Tagzu meinem Arbeitsplatz nach Wien. Um ca. 14 Uhr erhielt ich einen überausbesorgten Anruf von Erika, dass mit Olivia etwas nicht stimme, und ich müssesofort nach Wiener Neustadt kommen ( ). Ich war entsetzt und hatte dunkleVorahnungen. Schließlich verfiel ich darauf, Olivia könnte einmal von einemUnhold vergewaltigt worden sein. Sollte dies vor Monaten geschehen sein, sohätte ich mir Olivias Schmerzen im Bauch und ihre Angst, von der Mutterverlassen zu werden , erklären können ( ). Endlich stieg ich in Wiener Neustadtaus und sah kurz darauf Erika mit Olivia am Bahnhofsgebäude warten ( ). Erikaflüsterte mir zu, woran Olivia leide. „Ein Tumor!“ Olivia hätte an der Niereeinen Tumor im Stadium II. Olivia hat Krebs! Gegen 14.30 Uhr fanden wir uns beieinem Radiologen in Mödling ein, um ein Kopf-CT von Olivia erstellen zu lassen.

Die Familie gerät immer stärker in Konflikt mit derSchulmedizin, fühlt sich überfahren, flüchtet schließlich nach Spanien.

In Spanien: Olivia wird zurückgebracht
Donnerstag, 20. 7. 1995:
Wir wollten nicht nachWien zurück. Was sollte der Riesenaufwand, die Österreichische Flugambulanz mitzwei Ärzten einzuschalten? Ich war derVerzweiflung nahe ( ). In der Hotelhalle hatten sich Reporter und ganzeFernsehteams versammelt ( ). Im Laufe des Nachmittags waren plötzlich wiederMänner von der Interpol da ( ). Ich machte die Probe aufs Exempel und schrittdurch die Hoteltüre. Sofort waren sie aufgesprungen, hielten mich am Arm festund wiesen mich wieder in die Halle hinein . Ich hatte Hausarrest ( ). Oliviasollte also in das AKH zur Chemotherapieverlegt werden. Plötzlich war sie wieder für transportfähig erklärt worden ( ).Es wurde kein Erbarmen gezeigt. Gegen den ausdrücklichen Willen der Mutterwurde ihr das Kind entrissen. Es muss schrecklich gewesen sein. Olivia hatgeschrien und Erika geweint. Olivia wurde in das AKH nach Wientransportiert.

Wir erfahren, dass Olivia operiert wird
Sonntag, 17. 9. 1995:
Es war 21.30 Uhr, als mich Erika anrief und mir mitteilte, dass Olivia morgengegen 6 Uhr früh für die Operation vorbereitet werden solle. Das muss man sicheinmal vorstellen. Neun Stunden vorher teilt man den Eltern denOperationstermin des Kindes mit! Telefonat mit Prof. Horcher: Er war derleitende Chirurg ( ). Prof. Horcher behauptete, Erika hätte sich mit derOperation einverstanden erklärt, was ich natürlich sofort dementierte. Erikahatte des Öfteren erwähnt, dass bei einer unumgänglichen Operation zumindest getrachtetwerden solle, die Niere zu retten. Dies dürfe ihr jetzt nicht alsEinverständnis zur Operation ausgelegt werden.

Dreistündige OP in Wien: Olivia überlebt
Montag, 18. 9. 1995:
Die OP dauerte ganze drei Stunden und die Niere musste entfernt werden.Telefonat mit Dr. Hamer: Er war verwundert, dass die Entfernung des Tumors samtNiere ganze drei Stunden in Anspruch nehmen konnte. Weiters vermutete er, dassseit Olivias Einlieferung die Ärzte ihr wohl nie die ganze Chemofuhreverabreicht hatten, denn sonst hätte das Kind wohl kaum eine so lange OPüberleben können. Nachmittag: Erika undich warteten auf der Intensiv. Prof. Horcher erschien und begrüßteüberfreundlich Erika ( ). Auch ich wollte zu meinem Kind. Er erwiderte knapp,dass mir auf Anweisung der Direktion der Zutritt verweigert worden sei ( ).

Nach der OP: Olivia ist entkräftet
Dienstag, 19. 9. 1995:
Olivia ging es so weitgut. Als Erika mit den Schwestern ­gemeinsam ihren Verband wechselte, war siesogleich derart entkräftet, dass sie einschlief.

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Sie rettete Olivia – Ärztin Marina Marcovich

ÖSERREICH: Was waren Ihre ersten Gedanken, als Sie inMADONNA die Fotos von Olivia Pilhar gesehen haben?
Marina Marcovich: Ich habe mich sehr gefreut, dass Oliviagesund und ein so hübsches Mädchen ist.

ÖSTERREICH: Welche Erinnerungen haben Sie an dieGeschehnisse vor 13 Jahren? Ihnen ist es ja zu verdanken, dass Olivia mit ihrenEltern nach Österreich zurückgekehrt ist.
Marcovich:
Was mich damals am meistens beschäftig hat, wardie Frage, was muss passiert sein, dasssich Eltern lieber mit einem totkranken Kind auf die Flucht begeben, als es vonÄrzten behandeln zu lassen. Was ich damals in Spanien erlebt habe, war eingrimmiges Bild. Die Familie Pilhar wohnte in einem drittklassigen Hotel in Spa­nien,verfolgt von Reporterschar und der Polizei. Da muss bei den Untersuchungen vielschiefgegangen sein, dass man das auf sich nimmt.

ÖSTERREICH: Wie habenSie es geschafft, das Vertrauen der Pilhars zu gewinnen?
Marcovich:
Mir es sofort gelungen, mit den Eltern einen Gesprächskontaktzu bekommen. Eltern spüren sofort, ob man sich und ihrem Kind liebevollnähert. Die Eltern haben auch zu­gestimmt,dass Olivia im Krankenhaus untersucht wird. Beim ersten und zweiten Flug ist esmir nicht gelungen, Olivia mitzubringen. Aber ich wollte keinen Druck ausüben,weil ich wusste, dass die Situation in Spanien sowieso unerträglich wird. Dannbekam ich in der Nacht ­einen Anruf von Hamer, der mir ­gesagt hat, dass ichdie Familie holen kann. Ich hatte das Gefühl, auch der Hamer war sich nichtmehr sicher, ob die Sache für Olivia noch gut ausgeht. Deswegen hat er diePilhars überredet.




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