09. Februar 2010 17:21
Schlaflos im Schlafzimmer
Oft helfen dagegen aber schon kleine Veränderungen zu Hause, erläutert die
Entspannungspädagogin Susanne Grohs-von Reichenbach. So sollte das Bett eine
wirkliche "Erholungsoase" sein. Arbeitsunterlagen haben auf dem
Nachttisch also zum Beispiel nichts zu suchen.
Außerdem kann ein heißes Lavendel- oder Melissenbad unmittelbar vor dem
Zubettgehen das Einschlafen ebenso erleichtern wie ein Spaziergang, der
Stresshormone abbaut. Schlafprobleme können ein erstes Alarmsignal von
Überlastung sein. Häufig ist Stress im Job die Ursache. Neben Stress klagen
Betroffene auch über Gedankenkreisen, Grübeln, Sorgen und Ängste, die sie
nicht ein- oder durchschlafen lassen. Doch nach Einschätzung von
Gesunheitsexperten wissen die wenigsten, dass auf Dauer schlechter Schlaf
die Gesundheit ernsthaft gefährden kann. So erhöht er das Risiko für
Depressionen und Angststörungen.
Zivilisationskrankheit
"Schlafmangel ist eine Zivilisationskrankheit", sagt Uwe Meier,
Vorsitzender des Berufsverband Deutscher Neurologen. Als es noch kein
elektrisches Licht gab, waren die Menschen gezwungen, in der Nacht zu ruhen.
Heute gebe es kaum mehr einen Unterschied zwischen Tag und Nacht: "Wir
frachten unseren Tagesablauf sehr voll." Durch beruflichen Stress und
viele Verpflichtungen in der Freizeit verkürzten sich die Ruhepausen. In der
Folge nehme der Mensch zu viele Gedanken in die Nacht hinein und bekomme zu
wenig Schlaf.
Gesunde "Schlafarchitektur"
"Medikamente sind immer die schlechteste Lösung", sagt auch
Neurologe Meier: "Klassische Schlafmittel nehmen die Wachheit. Deswegen
ist es noch kein erholsamer Schlaf." Für einen erholsamen Schlaf
bedürfe es aber einer gesunden "Schlafarchitektur". Denn
Schlaf sei nicht ein Ruhen des Gehirns, sondern ein aktiver Zustand, in dem
das am Tag Erlebte verarbeitet wird. Ein erster Schritt zur Besserung ist
daher eine gute "Schlafhygiene".
Entspannungspädagogin Grohs-von Reichenbach rät, zu überprüfen, ob das Bett
wirklich ausschließlich als Schlafstätte genutzt wird - oder auch zum
Telefonieren oder Arbeiten. Solche Tätigkeiten verhindern, dass das
Schlafzimmer eine "Erholungsoase" sein kann. Die Expertin
empfiehlt außerdem, "Erholung und Schlaf genauso wichtig zu nehmen
wie das 'Leisten-Wollen'" - sei es im Beruf, sei es in der Familie. "Das
gestehen sich aber die wenigsten Menschen selbst zu."
Entspannungsmethoden
Darüber hinaus können Entspannungsmethoden helfen. Grohs-von Reichenbach
setzt vor allem auf die Progressive Muskelentspannung, weil diese bei
Schlafstörungen schon nach einer Woche Üben positive Effekte habe. "Die
Progressive Muskelentspannung besteht aus einer Anspanunngsphase bestimmter
Muskelgruppen und einer längeren Entspannungsphase. Das gibt dem Körper ein
Ruhesignal." Der Muskeltonus sinke, die Atmung werde ruhiger, die
Durchblutung verbessere sich. All das trage zur Regeneration bei.
Die Muskelentspannung lässt sich nicht nur vor dem Einschlafen wirkungsvoll
nutzen, sondern auch nach dem unerwünschten Aufwachen mitten in der Nacht.
Indem sich der Schlaflose auf seinen Körper und sein Inneres konzentriert,
lenke er seine Aufmerksamkeit weg von störenden Grübeleien. Das durchbreche
das Gedankenkarussell, das viele in solchen Momenten plagt, sagt die
Entspannungstrainerin.
Vom Arzt abklären lassen
Allerdings: Wer seine Schlafprobleme angehen will, muss sich ernsthaft damit
auseinandersetzen. "Er muss die Lebensgewohnheiten, die zu schlechtem
Schlaf führen, ändern", sagt Meier. Doch das ist für die
meisten im Alltag schwierig. "Das Wissen darüber allein reicht nicht.
Es muss der Wille und die Bereitschaft zur Veränderung da sein."
Der Neurologe rät außerdem dazu, Schlafstörungen grundsätzlich von einem
Arzt abklären zu lassen.