18. Mai 2010 09:07
Ich bin seit fünf Wochen in Indien unterwegs. Im Mahua Kothi finde
ich erstmals Ruhe und Erholung von den Eindrücken der Reise.
Zwischen Jasmin und Urin
Menschen, Menschen, überall Menschen!
Wer in der Metropole Mumbai ankommt erlebt einen Frontalangriff auf alle
Sinne. Es ist laut: Hupen, Dröhnen und Rattern der skurrilsten
Fortbewegungsmittel. Kühe, Straßenkinder, bellende Hunde mitten im
Verkehrschaos. Reichtum und Armut auf engstem Raum. Im Schmutz spielende
Kleinkinder neben einem elitären englischen Cricket Club. Menschen liegen am
Straßenrand zwischen Dreck und Müll, Lebendige und Tote. Luxuslimousinen mit
verdunkelten Scheiben stauen sich, im niemals enden wollenden Verkehrschaos,
an ihnen vorbei. Am Crawford Market, mit seinen völlig unüberschaubare Läden
und Geschäften, herrscht ein dichtes Gewusel. Dazwischen bis oben beladene
Transportkarren und natürlich auch streunende Kühe, die nach Essen suchen.
Während Augen und Ohren das alles zu verarbeiten versuchen, wird mein
Geruchssinn bombardiert: Es stinkt. Nach Abfällen, Fäkalien, Abgasen und was
weiß ich was. Dann duftet es wieder. Nach Gewürzen, Räucherstäbchen und
indischem Essen, das an allen Ecken zubereitet wird. Die einzige Möglichkeit
diesem Bombardement auf die Sinne zu entkommen, sind Luxushotels. Wie zum
Beispiel das Leela Kempinsky. Mit ihren Luft- und Schalldicht verschlossenen
Fenstern bilden sie eine sichere Luftblase zum verschnaufen.
Varanasi am heiligen Fluss
Mit der aufgehenden Sonne miete ich
ein Boot und gleite langsam den Ganges entlang. Ich bin verzaubert, wie in
Trance. Erfüllt von mystischer Magie in einer surrealen Welt.
Glockenklänge, Trommelschläge, Gebetsgemurmel und Gesänge von hunderten
Gläubigen vermengen sich zu einer esoterischen Geräusch-Kulisse. An den
Ufern tummeln sich unzählige Pilger beim rituellen Bad. Frauen in
schillernden Saris werfen bunte Blumen als Opfergaben in die trübe Brühe.
Heilige Männer begrüßen in unterschiedlichsten Yoga-Stellungen den neuen
Tag. Ein sanfter Wind paart den Duft von Räucherstäbchen und Blüten mit dem
faulen Gestank der Müllhaufen, die sich an allen Ecken ansammeln.
Plötzlich erscheint eine Gruppe Sadhus, Priester, in orangefarbene Roben
gekleidet und mit grauen Bärten. In einer Sänfte tragen sie den leblosen
Körper eines alten Mannes zum Ufer.
Täglich werden rund 100 Leichen am Ufer des Ganges verbrannt. Nur Lepra-,
Pockentote und Opfer von Schlangenbissen werden versenkt.
Varanasi ist täglich Ziel von rund 60 000 gläubigen Hindus. Den Tod am
heiligen Ganga zu finden, bedeutet Erlösung. Hindus, die hier verbrannt
werden, verlassen ihrem Glauben nach den Kreislauf der Wiedergeburten.
Deswegen ist die Stadt voller Pilgerhäuser mit alten und kranken Menschen,
die hier sterben wollen. Diese Atmosphäre kann einen Europäer
traumatisieren, zumal auch die Gassen der Stadt mit tausenden Alten und
Kranken, Bettlern, Leprösen, Verkrüppelten und Straßenkindern gefüllt sind.
Und trotzdem könnte ich stundenlang auf den Treppen zum Fluss sitzen und
bekäme von dem farbigen Treiben nicht genug.
Entschleunigung im Luxus
Nach einer 15 stündigen Aneise mit
Flugzeug, Bahn und Jeep erreiche ich die Luxus-Safari-Lodge Mahua Kothi. Für
rund U$ 600.- pro Person und Nacht steigen hier die Superreichen ab. Ich bin
eingeladen. Das Ressort verfügt nur über 12 Suiten die im Stil der
Dschungel-Dorfhütten „Kutiyas“ erbaut wurden. Eine Mischung aus Lehmhütte
und Villa, die mitsamt ihrer feudalen Ausstattung eher afrikanisch anmutet.
Für jeden Gast steht ein persönlicher „24 Stunden Butler“ bereit. So gehört
es etwa zum Standardservice, abends nach der Rückkehr von einer
anstrengenden Safari, in der Suite ein heißes Schaumbad mit Kerzenschein
vorzufinden.
Die Lodge liegt im Bandhavgarh Nationalpark, der die größte Tigerpopulation
Indiens beherbergt. Langsam holpern wir im Geländewagen durch das
Naturschutzgebiet. Ich tauche völlig in die Natur Zentralindiens ein: eine
Stille, die nach Tagen in den lärmenden, überfüllten Straßen Indiens wie ein
Streicheln der Seele wirkt. Eine Landschaft, geprägt von tropischen Wäldern,
hohen Felsen, weiten Ebenen und üppigen Laubwäldern mit seltsamen
Baumgebilden, die wie versteinerte Aliens anmuten. Wildtiere en gros:
Leoparden, Hirsche, Rhesusaffen, Pfaue und eine Vielzahl an Vögeln. Aber
kein Tiger!
Ruf der Wildnis
Neuer Tag, neue Chance. Noch vor Sonnenaufgang
und bei nur 5 Grad Celsius besteige ich unseren Jeep. In dicke Decken
gehüllt und eine Wärmeflasche auf den Knien, beginnt die erneute Jagd nach
den Großkatzen. Diesmal mit Erfolg. Nach kurzer Zeit ortet unser Naturführer
Warnschreie von Affen und Vögeln. Wir nehmen die Fährte auf. Im Licht der
aufgehenden Sonne durchforschen wir im Vorübergleiten die Landschaft, so wie
man die Seiten eines Buches überfliegt auf der Suche nach einem bestimmten
Wort. Und wirklich - plötzlich treten zwei Prachtexemplare aus dem Dickicht.
Satt gefressen und zufrieden lassen sie sich divenhaft nur ein paar Meter
vor dem Jeep nieder. Gespenstische Stille. Mein Puls rast. Es ist ein
unvergessliches Erlebnis wenn einem so ein 250kg schwerer, frei lebender
Königstiger minutenlang in die Augen sieht. Und man dabei nicht vergisst auf
den Auslöser zu drücken.
Reise-Info: Bandhavgarh- Madhya Pradesh
|
Anreise: Von Delhi oder Mumbai. Die nächstgelegenen Flughäfen
sind Jabalpur (190 km) und Khajuraho (230 km).
Beste Reisezeit: Mitte Jänner bis Mitte April (Für die
Morgenpirsch empfiehlt sich Jan/Feb eine dicke Daunenjacke und feste
Schuhe!)
Mahua Kothi: Der Preis von U$ 600.- umfaßt Gourmet
Vollpension, 24 Stunden Butler Service, Wäschereinigung, die
Eintrittsgebühren für die Parks, sowie täglich zwei Safaris mit
einem kompetenten Naturführer. Absolut empfehlenswert ist
eine Wanderung zu dem 2000 Jahre alten Fort, das mitten im
Nationalpark liegt.
Essen & Trinken: In der Taj Wilderness Lodge werden
regionale indische Spezialitäten serviert. Ob Frühstück auf der
eigenen Veranda, Picknick unter dem Mahua Baum am See, romantisches
Dinner für zwei auf der Dachterrasse oder gemeinsames Essen im
gemütlichen Esszimmer des Haupthauses, alle Mahlzeiten sowie
Softdrinks, Hausweine, Hausspirituosen und regionale Biere sind im
Preis inbegriffen.
Veranstalter: Taj Wilderness Lodges – Joint Venture von Taj
Hotels Resorts & Palaces und CC Africa.
Info: www.tajsafaris.com,
www.indiatourism.com
Erschwinglichere Alternativen finden sich über die offizielle
Tourismus-Website von Madhya Pradesh (www.mptourism.com)
oder über die vielen kommerziellen Anbieter wie www.bandhavgarhnationalpark.com
, www.bandhavgarh-national-park.com,
www.india-wildlife.com
oder www.pench.naturesafariindia.com.
Für einfache Unterkünfte zahlt man zwischen 50 und 100 Euro pro
Person, für gehobene zwischen 150 und 200 Euro.
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Auf der Mahua-Koti-Terrasse: Die Luxus-Safari-Lodge im Herzen
Indiens zählt zu den besten und teuersten im Land.
Die allgegenwärtige Armut und Hektik gehören in Indien zum
Stadtbild.
Auf dem Land geht es viel gemächlicher zu.
In der Lodge werden täglich abenteuerliche Safaris mit Jeeps oder
auf Elefanten angeboten.
Eines ist sicher: Einen Urlaub in Indien vergisst man nie!
Bilder: (c) Privat