01. September 2009 02:40
Opernball und Finanzkrise - für manche Gemüter passt das nicht ganz
zusammen. Während aufwendig herausgeputzte Damen und Herren mit sündteuren
Kleidern übers Parkett der Wiener Staatsopfer schweben und Champagner
schlürfen, bangen andere um ihre wirtschaftliche Existenz. Benimm-Experte
Thomas Schäfer-Elmayer gibt zehn Gebote wie man bei der mit Argus-Augen
beobachteten Veranstaltung Stolpersteinen aus dem Weg gehen kann:
1.
Sei dezent gekleidet
"Manche Menschen fallen ja sehr gerne
auf, andere kleiden sich lieber dezent", so Elmayer "Unsere
Empfehlung war immer: Understatement. Schlicht ist elegant, egal ob eine
Wirtschaftskrise ist oder nicht." Eine festliche Kleidung gehöre zum
Opernball dazu, wer nicht negativ auffallen wolle, sollte allerdings gerade
heuer auf ein nicht überladenes Outfit achten.
2.
Protze nicht mit auffälligem Schmuck
"Man sollte
immer überlegen, wie wirke ich", betont der Benimm-Experte. "Ich
will niemandem vorschreiben, wie er sich präsentieren möchte."
Wenn jemand hart gearbeitet habe und daher teure Preziosen tragen möchte,
gebe es keinen Grund dies nicht zu tun. Wer auf die wirtschaftliche Lage
Rücksicht nehmen wolle, sollte es aber nicht überstrapazieren. "In
diesem Jahr eher auf wenig und dezenten Schmuck achten", so Elmayers
Tipp.
3. Sprich nicht über die Finanzkrise
"Es
wäre schon schön, einen Abende alle Sorgen draußen zu lassen - auch wenn das
nicht jedem leicht fällt", rät Elmayer. "Es wird meiner
Meinung nach dort ohnehin nicht sehr viel über Geschäfte gesprochene,
sondern Beziehungen werden gepflegt und das ist gut." Finanzielles sei
generell kein Small-Talk-Thema. Laut Gesellschafts-Etikette ist das Reden
darüber verpönt.
4. Achte auf den Umgang mit
Medien
"Beim Opernball muss jedem gewärtig sein, dass er
gefilmt wird", warnt der Benimm-Guru. Die Veranstaltung sei auch
international breit in den Medien vertreten, es gebe überall Kameras. Dies
müsse jedem Besucher bewusst sein: "Es wird natürlich für manche
Menschen schwierig sein, wenn sie zu sehen sind", meinte Elmayer im
Hinblick auf Sparmaßnahmen einiger Unternehmer-Gäste.
5.
Rück dich ins richtige Licht
Aufgrund der kritischen
Begutachtung des Opernballs ist der erste Eindruck von Bedeutung: "Selbstbewusstes
und sicheres Auftreten ist wichtig, andererseits sollte man bescheiden
auftreten und nicht arrogant oder überheblich", rät Elmayer. Jeder
Mensch habe Vor- und Nachteile, das könne man auch durch Verhalten vor der
Kamera demonstrieren - hervorheben bzw. kaschieren.
Punkt 6 bis 10
auf der nächsten Seite!
6.
Auf positive Aspekte des Balls hinweisen:
"Fast alle
Wiener Bälle sind ja karitativ", so der Benimm-Guru. "Was
beim Opernball am meisten zu Buche schlägt, ist der wirtschaftliche Faktor."
Viele Menschen würden durch die Veranstaltung ökonomisch am Leben erhalten -
Taxifahrer, Friseure und Blumengeschäfte. Der Februar sei außerdem die tote
Saison in der Gastronomie, die somit ein bisschen überbrückt werde.
7.
Achte auf Besuche in Logen
Schlechte Presse kann es auch geben,
wenn man sich mit umstrittenen Personen in deren Logen blicken lässt. "Man
kann niemandem einen Vorwurf machen, wenn er sich mit anderen unterhält",
ist Elmayer überzeugt. "Soviel Freiheit sollten wir jedem
zubilligen. Aufpassen muss man in erster Linie, ob man es mit Leuten zu tun
hat, die kriminelle sind."
8. Schlage beim Konsum
nicht über die Stränge
"Für viele Leute ist das
bestimmt angesagt", ist der Benimm-Experte überzeugt. Viele
Ballbeobachter seien in diesem Punkt derzeit sehr sensibel und leicht in
Rage zu bringen. Andererseits sei gegen ein Glas Champagner nichts
einzuwenden: "Das gehört schon dazu, dass man nicht anfängt zu knausern",
betonte er. "Wenn jemand zum Opernball geht, nimmt man ja an, dass er
Geld hat."
9. Verhalte dich anderen Personen
gegenüber angemessen
"Gutes Benehmen ist am Opernball
natürlich gefragt", so Elmayer. Das bedeute auch Rücksichtnahme
auf die aktuelle Finanz-Situation. Man sollte darauf achten, welchen
Eindruck man mache bzw. machen wolle.
10. Vermeide eine
protzige Anreise
Nicht erst am Ball, bereits bei der Anfahrt
zählt das richtige Verhalten: "Wenn ich mit einer
Stretch-Limousine vorfahre, ist das natürlich ein Signal für Luxus und
Wohlstand", erklärte der Benimm-Lehrer. Wer diesen Eindruck nicht
erwecken wolle, sollte besser auf ein Taxi umsteigen.