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Sie haben vor einigen Jahren eine Schule mitgegründet, in der man
lernen kann, mit Engeln zu kommunizieren. Das und Ihr Buch haben für
viel Wirbel gesorgt. Man sollte doch eigentlich denken, dass es
schlimmere Dinge gibt als eine Prinzessin, die an Engel glaubt... Prinzessin
Märtha Louise: Ja, das sollte man denken. Aber fest steht:
Egal, ob jemand an Engel glaubt oder nicht: Engel sind immer für alle
da!
Sie sind ein großer Fan von Märchen, haben schon mehrere Bücher zu
diesem Thema geschrieben. Was fasziniert Sie so sehr an mystischen
Dingen? Märtha Louise: Mythen werden seit Jahrhunderten
immer wieder überliefert, weil sie Botschaften für jeden von uns
enthalten und sehr viel Weisheit in ihnen steckt. Märchen entführen
uns in eine andere Welt. Dort gibt es viele Prinzessinnen und Prinzen.
Ganz anders als im richtigen Leben. Jedes Kind träumt doch einmal
davon, Prinzessin oder Prinz zu sein und in einer Königsfamilie zu
leben. Bei mir war das allerdings anders. Ich habe mir immer
vorgestellt, dass mich bürgerliche Eltern aus meinem Schloss abholen
und ich in einem einfachen Haus – ganz normal, wie jeder andere
Norweger auch – aufwachse.
Sie haben auf Ihren Titel „Königliche Hoheit“ und Ihre staatliche
Apanage verzichtet. Ihren Lebensunterhalt verdienen Sie durch Arbeit.
Ist das einer echten Prinzessin würdig? Märtha Louise: Das
sind die modernen Zeiten, und das ist sehr aufregend. Viele
europäische Royals haben neben ihren repräsentativen Aufgaben auch
einen Job. Das ist in Holland, Belgien und auch Großbritannien so.
Sie haben Physiotherapie studiert und sind Expertin in der
Rosen-Methode, einer Körpertherapie, bei der durch Berührungen eine
tiefe Entspannung erzeugt wird, die verborgene Gefühle öffnet und
Lebensfreude weckt. Wie kamen Sie als Prinzessin dazu? Märtha
Louise: Ich habe schon als kleines Mädchen – damals war ich
zwischen sieben und acht Jahre alt – gerne andere Menschen massiert.
Also habe ich Physiotherapie studiert und mich mit der Rosen-Methode
beschäftigt.
Wie funktioniert diese Methode? Märtha Louise: In
unserem Körper sind unzählige Erinnerungen gefangen. Wenn uns zum
Beispiel eine schwere Prüfung bevorsteht, haben wir das Gefühl, dass
etwas auf unseren Schultern lastet. Wir verspannen uns und haben
Schmerzen. Der Grund für diese Reaktion des Körpers ist, dass wir alle
als Kinder traumatisiert wurden. Ein Todesfall in der Familie, die
Scheidung der Eltern oder das Gefühl, nicht angenommen und geliebt zu
werden – all dies führt zu Traumata. Wenn wir jetzt in Situationen
kommen, die uns daran erinnern, verspannen wir uns. Wenn ich Menschen
behandle, löse ich genau diese Verspannungen, damit ihre Erinnerungen
ans Licht kommen. Und heilend wirken.
Zurück zu Ihrer Liebe zu den Märchen: Lesen Sie Ihren Kindern nur
vor, oder ist auch Fernsehen erlaubt? Märtha Louise: Ich
halte nichts davon, den Kindern das Fernsehen zu verbieten. Meine
Kinder dürfen fast alle Dinge. Nur so kann sich ihre Persönlichkeit
formen, nur so können sie herausfinden, was ihnen gefällt. Ich richte
auch nicht über Eltern, die ihre Kinder nicht so erziehen wie ich.
Jeder, der Kinder hat, versucht, eine gute Mutter oder ein guter Vater
zu sein.
Sie meinen, dass Märchen großen Einfluss auf die Entwicklung von
Kindern haben. Wurden Sie von Märchen beeinflusst? Märtha
Louise: Ich habe mein Märchenbuch immer als Schatz betrachtet. In
Märchen gibt es böse Hexen, die neidisch oder gemein sind. So habe
ich gelernt, dass diese schlimmen Gefühle auch in mir sind und dass
ich, wenn ich sie unterdrücke und nicht verarbeite, Gefahr laufe,
ein sehr verbitterter, böser Mensch zu werden. Märchen haben mich
gelehrt, dass ich mich mit all meinen schlechten Eigenschaften
auseinandersetzen muss.
Sehen Sie sich als Vorbild für eine neue Prinzessinnen-Generation? Märtha
Louise: Viele glauben, dass eine Prinzessin in einem goldenen
Käfig lebt. Das ist aber eine sehr altmodische Auffassung. Auch als
Prinzessin muss ich mit der Zeit gehen, und nur wenn ich den goldenen
Käfig verlasse, kann ich wirklich eine moderne Prinzessin sein.
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