Bloggen als Beruf

So wird man zum Online-Star

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Bloggen als Beruf

Am 1. März zeichnet MADONNA beim Blogger Award wieder die beliebtesten und vielversprechendsten nationalen und internationalen Blogs aus. Doch was zeichnet einen erfolgreichen Blogger ­eigentlich aus?  

Business-Talk. Ein wichtiges Indiz ist selbstverständlich die Tatsache, dass man es geschafft hat, aus seinem Hobby Einkommen zu schlagen. Unterstützung finden Fulltime-Blogger heutzutage bei Agenturen, die diese managen und die den Bloggern auch Aufträge vermitteln. Eine solche Agentur ist zum Beispiel die in Deutschland angesiedelte Cover PR, gegründet von Anne Höweler. Die 37-Jährige hat ­unter anderem Influencer wie Jessica Weiß (journelles.com) oder Masha Segdwick unter Vertrag und weiß dementsprechend genau, worauf es in der Blogosphäre ankommt und wie man seine Leidenschaft in einen lukrativen Beruf verwandeln kann.  

Was unterscheidet Sie von einer klassischen Agentur?

Anne Höweler: Wir haben sehr persönliche Kontakte zu den Bloggern, weil wir schon lange mit ihnen zusammenarbeiten – wir kannten die auch schon vor Gründung der Agentur. Ein weiterer Unterschied  ist auch, dass die jungen und neuen Agenturen, die sich gerade gründen, oft den Fokus auf Social Media richten und teilweise den Schwerpunkt nur auf Instagram legen. Wir sehen den Blog aber als konstantes Medium, das auch nicht so schnell von der Bildfläche verschwindet – klar erlebt Instagram gerade einen Hype, klar ist Snapchat am Kommen und klar gibt es in einem Jahr das nächste Ding. Aber mit dem Blog hat man etwas, das einem selber gehört, man kann die Spielregeln selbst bestimmen und ist nicht von einem Algorithmus abhängig.   


Treten Sie an die Influencer heran, oder melden sich die Blogger bei Ihnen, um in die Agentur aufgenommen zu werden?
Höweler:
Teils, teils. Es ist so, dass viele bei uns angefragt haben. Oft waren das auch schon Blogger, mit denen wir bereits zusammengearbeitet haben. Wir nehmen projekteweise nämlich gerne externe Blogger dazu. Es gab aber auch vereinzelt Blogger, die wir interessant fanden und daraufhin auch angesprochen haben. Wenn uns heute jemand anspricht, den wir nicht kennen …


… dann ist das doch schon ein schlechtes Zeichen oder?
Höweler:
Nicht unbedingt, denn man entdeckt immer wieder Perlen, bei denen man sich fragt, warum man die nicht schon vorher am Schirm hatte. Klar recherchieren wir jeden Tag in diesen Bereichen, aber es entwickelt sich ja ständig und so schnell etwas Neues. Und gerade unter den jüngeren gibt es so viele Blogger, die tolle Arbeit leisten, von der Reichweite her noch eher klein sind und für die Aufnahme in die Agentur vielleicht zu frisch sind. Denn man weiß nicht immer, ob sie Bestand haben und kontinuierlich guten Content liefern werden. Wir erleben aber immer wieder Überraschungen. Dann schauen wir uns den Blog genau an, vor allem die Bildsprache und den Content. Es ist sehr wichtig zu wissen, ob die Blogger zuverlässig sind und sich an Timings halten können, denn es geht ja auch um bezahlte Kooperationen. Deswegen würden wir auch nie jemanden aufnehmen, mit dem wir nicht in irgend­einer Form schon zusammengearbeitet haben. Und das Persönliche muss auch stimmen.

 
Gibt es Neid unter den Bloggern?
Höweler:
Bei unseren „alten Hasen“ weniger. Die wissen genau, wenn der eine zehn ­Leser dazugewinnt, das nicht automatisch bedeutet, dass der andere zehn verliert. Ich glaube, dass Neid eher bei den Jüngeren Thema ist. Das hat in den letzten Monaten zugenommen, aber ich schätze, das war auch vorprogrammiert, denn wenn Blogs wie Pilze aus dem Boden schießen, kann es schon mal zu Machtkämpfen kommen.


Was zeichnet Ihrer Meinung nach einen erfolgreichen Blogger aus?
Höweler:
Einerseits Loyalitätsdenken. Egal ob anderen Bloggern gegenüber, Partnern oder Kunden. Langfristiges Denken ist da sehr wichtig. Man sollte auch nicht immer alles mitnehmen, was kommt, ein Ziel vor Augen haben und nicht, weil es verlockend ist, das eine oder andere Angebot mitnehmen, obwohl man merkt, dass der Kunde nicht hundertprozentig passt. Ich denke, das ist eine gute Erfolgsgarantie, auch mal Nein sagen zu können, obwohl ein großes Budget dahinter steht. Und natürlich eine kontinuierlich gute Qualität an Bildern oder Texten – je nachdem, wor­auf man fokussiert. Letztlich ist es auch wichtig, sich ständig weiterzuentwickeln, zu erkennen, was den Leser am meisten interessiert, was sind die Bereiche, die automatisch neu ­dazukommen, da man sich ja selbst auch weiterentwickelt.

Welche Trends sehen Sie für die nächste Zeit hinsichtlich der Blogosphäre?
Höweler:
Bewegtbild wird immer wichtiger. Nicht zwingend auf Youtube, man kann es auch auf dem Blog integrieren. Für den fast 30-jährigen Fashion-Blogger wird es wahrscheinlich schwierig sein, die Reichweiten der jungen You­tuber zu erreichen, weil die Zielgruppe deutlich jünger ist. Aber qualitativ guter Content ist auf Youtube rar gesät, deshalb gibt es da meiner Meinung nach viele Entwicklungsmöglichkeiten.

Höweler

Anne Höweler: Die 37-Jährige gründete 2013 ihre Firma Cover PR – eine Art Künstler-Agentur für Bloggerrelations. Damit schuf sie ein raffiniertes Geschäftsmodell. Heute hat sie viele der einflussreichsten Blogger unter Vertrag.

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