18. Februar 2010 13:19
Zum einen ist die Fashion Week, die offiziell am Freitag beginnt, vom
Selbstmord des britischen Mode-Rebells Alexander McQueen überschattet. Zum
anderen hat Supermodel Naomi Campbell am Vorabend der Eröffnung zur
Promi-Benefiz-Modenschau geladen.
Bei der Gala soll Geld für Schwangere und Babys in Haiti gesammelt werden,
die nach dem verheerenden Erdbeben dringend Hilfe benötigen. Die Fashion
Week endet am 24. Februar mit den Schauen der Männermode.
McQueen galt als Visionär in der britischen Modebranche. Viermal wurde er
als Designer des Jahres ausgezeichnet, so häufig wie keiner zuvor. Die
Ausstrahlung seiner Mode hat Londons Fashion Week mehr Gewicht im dichten
Catwalk-Kalender neben Paris, New York und Mailand verliehen. Dank McQueen
konnte sich London als freche, bodenständige und kreative Modemesse
profilieren. Handwerk und Innovationen zählen in der britischen Metropole
genauso wie selbstkritische Initiativen, etwa die Kampagne gegen
Magermodels.
Der Tod dieses schillernden Designers mit nur 40 Jahren, der in seinen
Entwürfen häufig Totenköpfe verarbeitete, geht nicht spurlos an der Modewelt
vorbei. Zahlreiche Gedenken sind geplant, etwa von den Organisatoren der
Nachwuchsschau "On|Off", wo auch McQueen anfing. An einer
schwarzen Wand hängen dort am Laufsteg 40 iPods mit jeweils 50 Bildern aus
McQueens Kollektionen.
Naomi Campbell hat für ihre Benefiz-Reihe "Fashion For Relief"
(Mode hilft) Freunde aus der Welt der Mode und des Showbusiness versammelt.
Die Modehäuser Vivienne Westwood, Jaeger sowie Dolce & Gabbana
wollten einen Teil ihrer Kollektionen bei der Gala für Haiti zeigen. Die
Organisatoren hatten bereits vor McQueens Tod seine Kleidungsstücke
eingeplant.
"Mode ist Allgemeingut, etwas sehr individuelles und berührt jeden",
sagte Campbell vor der Show. "Unser Ziel ist es, die diesjährigen
Schauen der Londoner Modewoche zu nutzen, um Menschen zu erreichen und mit
ihnen dringend benötigte Mittel zu beschaffen, damit bei der Rettung von
Leben der Frauen und Kinder geholfen wird." Campbell hatte ihre
Benefiz-Reihe bereits als Hilfsaktion für Opfer von Hochwasserkatastrophen,
des Hurrikans "Katrina" und des Terroranschlags von Mumbai
gestaltet.
Die vielen Erinnerungsveranstaltungen verschaffen der Londoner Fashion Week
zwar einerseits mehr Aufmerksamkeit. Andererseits dürfte es den
Modeschöpfern schwer fallen, bei all dem Gedenken die Mode in den
Vordergrund zu rücken. Glanz und Gloria versprechen die Schauen von Vivienne
Westwood, Twenty8Twelve und Burberry.
Die zweitwichtigste britische Industrie - nach der Finanzbranche - hat sich
von der Krise etwas erholt. Bei der Präsentationen der Trends für den
kommenden Herbst und Winter werden 120 Designer ihre Kollektionen
vorstellen, acht mehr als bei der Fashion Week im vergangenen September.
Damals hatten die Modemacher gezeigt, was im Frühjahr und Sommer getragen
wird: rotgepunktete ausschweifende Kleider, ohrenschützende Kragen,
reichlich Spitze, exotische Seidenkleider, Königsblau und kräftiges Pink,
sowie geometrische Formen und Druckmuster. Bei Männern kommt derweil der
80er-Look mit Leder- und Hochwasserhosen.
Info
www.londonfashionweek.com