11. März 2010 15:55
Nach einem ungewöhnlich erfolgreichen Mode-Marathon sind die
Kollektionsschauen der Damenmode für Herbst/Winter 2010/11 am Mittwoch in
Paris zu Ende gegangen. Lange war die Aufmerksamkeit für die französische
Mode nicht so groß, fast überall herrschte Aufbruchsstimmung. Mit Vuitton,
Hermès und Miu Miu wartete der letzte Tag dann auch noch
einmal mit drei modischen Highlights auf.
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Auf die Minute genau zum Showbeginn um 14.30 Uhr erhoben sich die
Wasserspeier des Brunnens am Louvre, um den der Laufsteg bei Louis Vuitton
sich rundete. Wer auch nur eine Minute zu spät kam, blieb draußen. Ebenso
präzise und kultiviert wirkte die Show: Eine Hommage an weibliche Formen und
die damenhafte Eleganz der 50er Jahre. Mit Bardot-Pferdeschwanz,
Porzellanteint und kleiner Henkeltasche (Vuitton hat den
30er-Jahre-Klassiker Speedy neu aufgelegt) traten die Models vornehm, adrett
und ladylike auf.
Designer Marc Jacobs konzentrierte sich auf die Silhouette der 50er
Jahre mit schmalem Oberteil, betontem Busen und blütenkelchartig sich
öffnendem Rock und bot mehr als 50 Varianten davon auf: Als Kostüm aus
softbraunem Anzugstoff, als Tweed-Korsage mit Samtbändern und schwerem
Lederrock in Mokka, als Kleid in Bleu mit Spitzenbesatz, als grauer
Strickentwurf, fliederfarbener Bouclémantel oder üppiges Abendkleid mit
Schleppe und Schleife.
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Jacobs schloss mit seinen Entwürfen ziemlich genau an das Frauenbild an, das
Miuccia Prada zuvor in ihrer von den Fifties inspirierten Prada-Kollektion
in Mailand vorgestellt hatte. In Paris bei Miu Miu setzte sie jedoch
wie so viele andere auf die 1960er, und das mit ihrer speziellen schrägen
und doch stilsicheren Handschrift. Extrem kurze, mit Volants sich öffnende
Miniröcke, steif und doch anschmiegsam wirkende Stoffe und leicht A-förmige
Oberteile mit an den Schultern blusig sich rundenden Ärmeln ließen die
Models mädchenhaft und etwas Twiggy-like erscheinen. Ein Hauch von Vamp
gesellte sich dazu durch viel Schwarz, aufgestickte Ornamente und Kleider
mit breiten Trägern, die viel Haut offenbarten. Hinzu kamen ein paar
Aufheller in Form von Kleidern in glänzendem Orange oder Lila.
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Jean Paul Gaultier hatte sich bei Hermès von Emma Peel und John
Steed aus "Mit Schirm, Charme und Melone" inspirieren lassen, doch
Hüte, Regenschirm und das Spiel mit dem Gegensatz von Männlich - Weiblich
war eigentlich nur ein Vorwand, um traumhaft schönes Leder in Szene zu
setzen. In Schwarz als sexy Anzug, als lockere Weste, grauer Blazermantel
oder Trenchcoat in einem sehr schönen Nougat-Ton: Bei Hermès hatte alles
unschlagbare Klasse. Fließende Seidenröcke und -kleider mit Leopardenprint
sowie superweiche Pelze komplettierten die Kollektion.
Stella McCartney, Céline oder Yves Saint Laurent zeigten pure,
super geschnittene Sachen, die trotz aller Strenge feminin wirkten. Endlich
können Modefans trendy ins Büro gehen.
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Trotz der Stärke dieser Woche riss die Abwesenheit Alexander McQueens ein
tiefes Loch. Der britische Modemacher, der sich im vergangenen Monat das
Leben genommen hatte, spielte mit seiner genialen Kreativität stets eine
Sonderrolle. Nur wenige Modeleute waren zur Besichtigung seiner letzten
Entwürfe in privatem Rahmen eingeladen worden und berichteten von Kleidern
mit gotischen Einflüssen von geradezu bestürzender Schönheit.