08. März 2012 08:33

Uschi Fellner: 

Kein Tag wie der andere

Top-Karriere, drei Kinder, Aupair  & Hund...

Kein Tag wie der andere
© Inge Prader

Lena ist seit vielen Jahren eine gute Freundin. Internistin mit Turnusdienst, drei Kinder zwischen 4 und 12, eine Scheidung, wenig Freizeit, gefühlte 300 Paar Schuhe, vielversprechende Karriere, der manches geopfert wird. Doch, doch, der Job mache ihr Spaß, beteuert Lena, häufig gähnt sie dabei, die vielen Nachtdienste, dazu der Ärger mit dem neuen Au-pair, ein kranker Hund daheim. Und der neue Partner hat gerade Zoff mit der Ex. Und wenn eines der Kinder krank wird, Gott behüte, kommt das wackelige Patchwork-Gefüge so ins Schleudern, dass die Superfrau (so wirkt sie nach außen), wie sie selbst sagt, „nur noch heulen möchte …“

Tagwache um vier Uhr früh. Kinder, da geht’s uns noch gut
Letzte Woche hatten wir verspätetes „Weihnachtsessen“, Lena, ihre Mutter und ich. Drei Frauen und wenig Zeit. Wir jammerten rum, Lena und ich. Lenas Mutter, Nebenerwerbsbäuerin und seit 55 Jahren gewohnt, sich um vier Uhr früh dem Tag zu stellen, warf ab und zu ein „Kinder, ihr wisst’s nicht, wie gut’s euch geht“ ein.

Sie hat recht. Und ja, es geht alles besser. So wie in Schweden, in Norwegen, in Finnland. Männer, so selbstverständlich vor dem Wickeltisch wie Frauen in den Chefetagen. Gleicher Lohn für gleiche Leistung. Kinderbetreuungsplätze, wohin das Auge reicht. Paradiesische Zustände, aber: Wir, in Österreich, sind nicht auf dem schlechtesten Weg. Siehe Karenzlösung (z. B. in Amerika undenkbar). Siehe Uni-Absolventinnen (55 Prozent Frauen). Siehe Arbeitsteilung (Frauen kommen mit Job & Haushalt auf 66 Sunden, Männer – immerhin – auf 64 Stunden).

Gleichstellung ist das Ziel, nicht das jammerhafte Aufrechnen von „ Die haben aber, und wir nicht …“ Wenn ich eine Anregung zum Frauentag geben darf: Nicht alles schlechtreden, was von der „anderen“ Seite kommt (gilt für die Politik und fürs andere Geschlecht). Dem anderen guten Willen zugestehen. Wertschätzung. Ein altmodisches Wort. Ich finde, wir sollten es wieder modern machen.

Autor: Uschi Fellner




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