16. März 2012 12:33

Daniela Schimke: 

Hungrig nach Liebe

Anastasia Sokol – wer kann helfen? Wer hat versagt?

Hungrig nach  Liebe
© Inge Prader

Ich kann mich noch genau an den kreidebleichen, völlig schockierten Blick meiner Mutter erinnern“, erzählt mir Freundin B., „als ich völlig abgemagert von meinem Auslandssemester in Barcelona zurückkehrte.“ Es sei absurderweise wie Balsam auf ihrer Seele gewesen, als sie ihre Mutter vor Sorge anschrie. Ich staune. Für meine Freundin B. waren Essstörungen einmal ein Thema?! Unfassbar, ist sie doch heute zwar schlank, aber zum Glück völlig gesund. „Man rutscht da wahnsinnig schnell hinein“, erklärt sie mir. Anlass unserer Diskussion: Anastasia Sokol alias „Katzi“. Auf die Frage, wie es denn sein kann, dass der 22-Jährigen niemand ernsthaft zur Hilfe eilt(e), wissen wir beide keine Antwort.  
Wie es ist, auf der „anderen Seite“ (jener der ängstlichen Mutter) zu stehen, zu sehen, wie das Kind von Tag zu Tag dünner wird –und im wahrsten Sinne des Wortes zu verhungern droht – wurde mir dann im Gespräch mit Svetlana Rockenbauer bewusst. Eine Stunde lang versucht Anastasias Mama, mir das Unfassbare klar zu machen: „Ich habe alles versucht, meine Tochter zu retten – ich hatte keine Chance.“ Sogar ihre Ehe mit Anastasias Stiefvater wäre beinahe zerbrochen,  in Richard Lugner habe sie ihre letzte Hoffnung gesetzt. Vergeblich.  Hat Svetlana als Mutter versagt?  Eine schwierige Frage, die sich wohl niemand öfter stellt als sie selbst.

Daniela Schimke ist MADONNA Chefredakteurin. d.schimke@oe24.at


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1 Posting
Peter Dröbicke meint am 01.04.2012 16:16:34 ANTWORTEN >
Ja so was gibt es leider. Man will helfen, aber das Kind nimmt die Hilfe nicht an. Das Kind kann oder will sie nicht annehmen. Es will die Eltern oder auch sich selbst bestrafen für irgendetwas. Und man selbst, ja vielleicht nicht einmal das Kind weiß warum. Das kommt dann immer erst langsam bei einer Psychotherapie raus. Das kann die Scheidung der Eltern sein, oder das Kind, das auch schon erwachsen sein kann, 22 Jahre ist ja kein Kind mehr, fühlt sich nicht wert da zu sein. Hier ist es für die Mutter, bzw. Eltern, sehr schwierig das warum zu finden. Hier bedarf es dringend fachlicher Hilfe. Wichtig ist es aber hier nicht weg zu schauen.
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