22. Dezember 2009 11:54
Der Bio-Trend hat auch die Duftkollektionen erreicht
Aus
Blütenblättern, Baumrinde oder Fruchtschalen entstehen duftende Öle. Dabei
besinnt sich die Bio-Produktion auf die traditionelle Parfümeurskunst aus
dem 16. und 17. Jahrhundert.
"Das Wichtigste sind die Qualität der Ausgangsmaterialien und ihre
richtige Verarbeitung", sagt der Parfümeur Roland Tentunian. "Rosen
müssen beispielsweise früh am Morgen gepflückt werden",
erklärt der Geschäftsführer von Florascent in Karlsruhe. Die Mittagshitze
würde das kostbare ätherische Öl der Rose verdampfen lassen. Auch tierische
Sekrete wie Moschus oder Lebensmittel wie Schokolade, Honig oder Mandel
können in Naturdüften vorkommen.
Natürliche Essenzen sind in ihren Bestandteilen komplexer als synthetische.
So stoßen Parfümeure mitunter auch auf besondere Probleme. "Ein
Bestandteil des natürlich gepressten Zitronenöls ist beispielsweise
phototoxisch", sagt Frank Hahlbohm, der Geschäftsführer des
Duftherstellers Kurt Kitzing in Wallerstein (Baden-Württemberg). Sein
Unternehmen ist Mitglied im Deutschen Verband der Riechstoff-Hersteller
(DVRH). "Es darf deshalb in bestimmten Produkten wie
Sonnenschutzmitteln oder Bodylotions kaum verwendet werden."
Synthetische Zitronenöle verzichten auf den Stoff, der unter Einwirkung von
Sonne auf der Haut giftig wirkt. Darunter leidet zwar das Aroma, wie
Hahlbohm sagt, aber dafür darf das synthetische Zitronenöl auch in
Hautprodukten verwendet werden. "Prinzipiell ist die Herstellung
natürlicher ätherischer Öle mit größerem Aufwand behaftet als die
Herstellung synthetischer Riechstoffe", fügt Hahlbohm hinzu. Außerdem
ist die Ausbeute sehr gering. Hinzu kommen mögliche Ernteausfälle aufgrund
von Dürre oder Schädlingsbefall. All das macht den relativ hohen Preis
mancher natürlicher Öle aus.
Auch deshalb fallen Natur-Düfte nach Einschätzung des Kosmetikverbands VKE
in Berlin bislang auf dem Parfümmarkt kaum ins Gewicht. Das sei bei
Pflegeprodukten anders - das Thema Naturkosmetik gewinnt zunehmend an
Bedeutung. "Reine Bio-Düfte bleiben unter anderem aufgrund der enorm
hohen Rohstoffpreise und wegen eines nicht zu unterschätzenden
Allergierisikos Nischenprodukte", sagt VKE-Geschäftsführer Martin
Ruppmann.
Oft ist das Allergierisiko von Bio-Düften schwer abzuschätzen, sagt der
Dermatologe und Allergologe Johannes Geier, der auch Vorsitzender der
Deutschen Kontaktallergie-Gruppe mit Sitz an der Universität Göttingen ist. "In
vielen Fällen ist die vollständige Zusammensetzung der Natur-Parfüms nicht
genau bekannt."
Die Hautärztin Gertraud Kremer aus Berlin rät Allergikern deshalb: "Vor
dem Kauf sollte das Parfüm auf der Haut ausprobiert werden - am besten nicht
im Gesicht, sondern in der Ellenbeuge." Dass natürliche Stoffe besser
verträglich seien als synthetische oder umgekehrt - auf eine solche Formel
ist es aber auch nicht zu bringen. Allergiker können sich an den
Inhaltsstoffen orientieren. Sie müssen nach der Richtlinie INCI auf der
Verpackung angegeben sein.
Info
http://dpaq.de/Brosch-reINCI