26. Juli 2010 09:49
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Salzburg sei ja unterm Jahr ein "Kaff", schmunzelt
Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler (62). Aber seit diesem Wochenende
ist die Stadt an der Salzach der Nabel der Welt. Mit Beginn der Festspiele
trifft sich das internationale Who is Who aus Kultur, Politik, Wirtschaft
und Hochadel, um im Jubiläumsjahr (die Festspiele werden 90 Jahre,
Anmerkung) das Festspieltreiben zu genießen. MADONNA bat mit "Buhlschaft"
Birgit Minichmayr, Präsidentin Helga Rabl-Stadler und Protokollchefin
Suzanne Harf die wichtigsten Frauen an der Salzach zum Gespräch.
Festspielzirkus
Seit 1995 führt Helga Rabl Stadler mit starker
Hand die Festspiele durch oft stürmische Zeiten. Der Finanzskandal im
Frühjahr – in dessen Folge sich der technische Direktor Thomas Kretschmer
von der Brücke gestürzt hatte und seither gelähmt ist – hat auch bei ihr
tiefe Spuren hinterlassen. Ebenso wie bei Protokollchefin Suzanne Harf (54),
die Empfänge, Premierenfeiern und Events managt und rund um den Skandal
einen, wie sie sagt "Streifschuss erlitt, der mich zutiefst gekränkt
hat." Trotzdem sehe sie 2010 positiv entgegen. "Gefeiert wird auch
heuer, aber die Kunst steht mehr im Vordergrund."
Neu ist der Salzburger Almauftrieb noch für Birgit Minichmayr (33), die in
atemberaubender Traumrobe am Sonntag als "Buhlschaft" Premiere
feierte. "Salzburg und der Jedermann", erklärt sie,
"haben
was von Karneval."
Birgit Minichmayr - Die Buhlschaft im Interview
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Haben Sie den "Jedermann" eigentlich schon einmal
gesehen? Birgit Minichmayr: Ja, einmal, in der
Traumkombination mit Gert Voss und Sophie Rois. Das ist schon länger
her, und ich kann mich hauptsächlich an die Hitze erinnern. Meine
Freundin Johanna und ich hatten Stehplätze. Ich habe damals aber
nicht davon geträumt, selbst einmal im "Jedermann"
zu spielen. Solche Gedanken kamen eher von meinem Vater.
Die Buhlschaft ist keine große Rolle, aber eine mit großer
Bedeutung. Wie schwer waren die Vorbereitungen? Minichmayr:
(lacht) Wenn ich in einem Jahr mehr weiß, werden Sie es als erster
erfahren. Ich habe mich entschieden, mitzumachen. So groß ist die
Rolle auch nicht, dass ich mich lange darauf vorbereiten musste.
Die Buhlschaft zu spielen, ist natürlich ein Karriere-Symbol in
Österreich. Minichmayr: Es ist eine Prestigerolle,
aber ich möchte Ihnen sagen: Müsste ich mich entscheiden zwischen
Medea und Buhlschaft, würde ich tausend Mal lieber die Medea spielen.
Gott sei Dank habe ich die Medea schon gespielt, also dachte ich mir,
okay, nehm ich die Buhlschaft halt auch noch mit. (lacht) Ich freue
mich natürlich, dass ich die Buhlschaft spielen kann; es ist eine
interessante Rolle, weil sie von einer Legende umgeben ist. Aber
schauspielerische Herausforderungen warten natürlich in anderen
Stücken, da muss man schon den Schuster bei seinen Leisten lassen. Es
ist eine große Sache, und natürlich erwartet einen eine andere
Öffentlichkeit als sonst. Das war mir bewusst, als ich zusagte. Ich
bin sehr gespannt.
Der Salzburger „Jedermann“ hat einen starken Star-Glamour. Minichmayr:
Ja, er hat aber auch etwas von Karneval. Ich habe meinen
Berufsweg nicht eingeschlagen, um ein Star zu werden, und ich weiß
auch nicht genau, was ein Star ist. Ein Star zu werden, kann man
nicht planen – dazu wird man eher von außen gemacht.
Wie lange wollen Sie das machen? Minichmayr: So
lange ich Freude daran habe.
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Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler im Interview
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Die Salzburger Festspiele feiern 90-jähriges Jubiläum. Wie schlägt
sich der Geburtstag im Programm nieder? Helga
Rabl-Stadler: Das Jubiläum spiegelt sich im gesamten Programm
der Festspiele wieder. Aber: Dass unser Jahresmotto die Mythen sind,
passt gut, wo die Festspiele längst zu einem Mythos geworden sind.
Wie hat sich das Nobelfestival an der Salzach auch strukturell
verändert? Rabl-Stadler: 90 Jahre Festspiele sind
eine Hochschaubahn der Gefühle. Wunderbare Aufführungen aber auch
Skandale, Standing Ovations vom Publikum, manch kalte Dusche in den
Medien. Großes Welttheater eben – auf der Bühne und neben der Bühne.
Was erwarten Sie sich dieses Jahr von der neuen "Jedermann"
Ära? Rabl-Stadler: Es waren von jeher "Buhlschaft"
und "Jedermann", die dem Stück neue Prägung gegeben haben.
Minichmayr und Ofczarek haben das Zeug dazu.
Sie gelten als starke Präsidentin. Wer fängt Sie auf? Rabl-Stadler:
Selbst große Sorgen wie dieses Jahr lassen mich nicht vergessen, wie
wenig Menschen so viele Chancen zur Gestaltung bekommen.
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Protokollchefin Suzanne Harf im Interview
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Sie sind Herrin der Gästelisten, Premierenpartys und Empfänge. Wie
viele neue Roben haben Sie für die Festspiele 2010 gekauft? Suzanne
Harf: Nicht ein einziges. Ich kombiniere dieses Jahr nur meine
vorhandenen Kleider neu (lacht).
Wie haben die Skandale der Vergangenheit, in die leider und
fälschlicherweise auch Ihre Person einbezogen wurde, sich auf die
Festspiele 2010 ausgewirkt? Harf: Den Festspielen geht
es gut, es handelte sich beim Skandal um die Machenschaften eines
Einzeltäters. Dass auch ich hier einen Streifschuss erlitt und man
versucht hat, mich in diesen Skandal hineinzuziehen, hat mich zutiefst
verletzt.
Stichwort Wirtschaftskrise: Wird bei den glanzvollen Festen
gespart? Harf: Es wird nach wie vor gefeiert, aber
man konzentriert sich endlich wieder mehr auf das Wesentliche,
nämlich die Kunst.
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