18. Jänner 2010 07:09
Der gebürtige Wiener spielte den charmanten, hinterhältigen SS-Offizier Hans
Landa in Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" mit solcher
Bravour, dass sich die internationale Presse vor Lob überschlug und selbst
Superstar Brad Pitt daneben blass aussah.
In Cannes erntete Waltz mit dem renommierten Darstellerpreis die verdienten
Früchte, seither regnet es Auszeichnungen und Angebote in Hülle und Fülle.
Als vorläufigen Höhepunkt gewann Waltz in der Nacht auf Montag den Golden
Globe für den besten Nebendarsteller des vergangenen Jahres. In rund zwei
Wochen (2. Februar) werden aber auch die Oscar-Nominierungen bekanntgegeben.
Der in London und Berlin lebende Theresianum- und
Reinhardt-Seminar-Absolvent und Vater von vier Kindern hatte in Quentin
Tarantino stets einen vehementen Fürsprecher: "Er ist ein
sprachliches Genie. Ich war nicht sicher, ob ich jemanden wie ihn finden
würde, daher war es auch lange ungewiss, ob ich den Film wirklich drehen
würde", erzählte der US-Regisseur in Cannes. "Christoph
war der einzige, der beim Casting die Gedichte in jeder gewünschten Sprache
sprechen konnte. Danach habe ich meinen Produzenten angerufen und gesagt:
Wir machen den Film! Ohne Christoph hätte ich den Film nicht gemacht."
Waltz hatte Tarantino bei der Preisverleihung geantwortet: "Quentin, du
hast mir meine Berufung zurückgegeben."
Tatsächlich prägt Waltz den umstrittenen Weltkriegs-Film, in dem am Ende
Attentate auf Hitler und andere Nazi-Größen gelingen. Waltz gibt dem von ihm
gespielten "Juden-Jäger" vielsprachigen, weltmännischen
Charme. Über "Christoph Waltz in seinem tollsten, wortgewaltigsten
Wiener Verschlagenheitsmodus", schwärmt etwa die "Süddeutsche
Zeitung", "er singt seine betörend gefährlichen Sprachmelodien,
sei es nun auf Französisch, Englisch, Österreichisch - oder bei Bedarf sogar
auf Italienisch. Er sucht nach versteckten Juden. Vor allem aber nimmt er
den Film in Besitz und gibt ihn nicht mehr her."
Christoph Waltz wurde am 4. Oktober 1956 in Wien geboren, seine Eltern sind
die Bühnen- und Kostümbildner Johannes Waltz und Elisabeth Urbanic. Er
absolvierte das Reinhardt-Seminar und das Lee Strasberg Theatre Institute in
New York für Schauspielerei. Nach einem Bühnen-Debüt am Zürcher
Schauspielhaus ("Amadeus") und Engagements an verschiedenen
Theatern folgten später vor allem zahlreiche Film- und Fernsehrollen. Dabei
erarbeitete er sich den Ruf eines prägnanten Film-Bösewichts, der aber auch
im komödiantischen Fach brillieren kann. 2000 hatte er mit dem TV-Film "Wenn
man sich traut" sein Debüt als Regisseur.
Seine umfangreiche Filmographie umfasst u.a. die Komödie "Das
merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit",
"Du bist nicht allein - Die Roy Black Story", "Der Tanz mit
dem Teufel - Die Entführung des Richard Oetker", "Lapislazuli",
"Dienstreise - Was für eine Nacht" und "Die Zürcher
Verlobung". Dass sich diese Liste in den kommenden Jahren rasch um
bedeutende Regisseure und große Rollen erweitern wird, galt schon nach der
Premiere von "Inglourious Basterds" als sicher. Mit Michel Gondrys "The
Green Hornet" an der Seite von Cameron Diaz und David Cronenbergs "The
Talking Cure" an der Seite von Keira Knightley hat Waltz dies auch
schnell bestätigt.
Für Michael Haneke, der Waltz seit langem kennt und obendrein "über
drei Ecken fast verwandt" mit ihm ist, hatte er "eine
Riesen-Chance, und die hat er zu 150 Prozent genützt". Und nach
dem Darstellerpreis in Cannes, dem Bambi, zahlreichen US-Kritikerpreisen und
nun dem Golden Globe gilt Waltz naturgemäß auch als Favorit für die
diesjährige Oscar-Verleihung. Von der APA auf diese Situation angesprochen,
antwortete Waltz ganz cool: "Da ich sehr intensiv daran arbeite, auch
im Verlauf der letzten 20 Jahre mit zunehmendem Erfolg nicht deppert zu
sein, glaube ich, ich liege ganz gut damit, keinen Gedanken daran zu
verschwenden. Und es gelingt mir auch. Es freut mich aber sehr, dass Sie es
für möglich halten. Das nehme ich als Kompliment."