22. Februar 2010 11:55
Nun ist Schluss mit lustig: Seit dem Aschermittwoch ist die Faschingszeit
beendet und die Fastenzeit offiziell eingeläutet.
Im Trend
Immer mehr Menschen nutzen die sechs Wochen bis Ostern,
um Körper und Seele bewusst zu regenerieren: Sie essen weniger, verzichten
auf Koffein, Nikotin, Alkohol und Süßes – oder ernähren sich für eine
bestimmte Zeit ausschließlich flüssig.
Andere wiederum würden zwar gerne einen „Frühjahrsputz“ für den Organismus
machen, fühlen sich jedoch schon beim Gedanken an „Fasten“ unbehaglich, weil
sie es mit Kasteien und Entbehrungen verbinden. Für diese Gruppe von
Möchtegern-Entschlackern hat der deutsche Arzt und Psychotherapeut Ruediger
Dahlke einen neuen Ratgeber verfasst, in dem er zeigt, dass es durchaus
möglich ist, mit Genuss zu fasten: „Fasten heißt, sich wieder wohl fühlen in
der Haut. Die Idee hinter meinem Buch ist es, die Seele gut zu nähren,
während der Körper verzichtet und regeneriert“, so der Erfolgsautor.
'Sinnlich fasten' von Ruediger Dahlke und Dorothea Neumayr, mit CD
um 29,60 Euro. Hier
geht's zur Bestellung. Bild: (c) Nymphenburger Verlag
Die Fastenwoche
Das Programm, das er gemeinsam mit der ebenfalls
ganzheitlich orientierten Salzburger Ernährungs-Spezialistin Dorothea
Neumayr präsentiert, hat es in sich: Eine Woche lang wird auf feste Nahrung
verzichtet. Nur am Einstiegs-Tag, der idealerweise ein Freitag ist, gibt es
noch Bissfestes in Form von Naturreis, Obst oder Gemüse.
Danach folgen sechs Tage „Flüssig-Verpflegung“: Zum Frühstück Tee, mittags
frisch gepresste Obst- und Gemüsesäfte (nach Belieben zum Beispiel „Erdbeere
mit Apfel“ oder „Karotte mit Johannisbeere“) und abends warme Gemüsebrühe.
Das Grund-Rezept: Buntes Gemüse wie Zucchini, Karotten, Sellerie, Brokkoli
oder Kartoffeln klein schneiden und gemeinsam mit grünen Kräutern (wie
Petersilie, Dill, Basilikum, Lorbeer) in einem Wassertopf kurz aufkochen,
dann 90 Minuten ziehen lassen und abseihen. Verzehrt wird nur die
nährstoffreiche, klare Brühe. Sie wird nicht getrunken, sondern mit einem
Esslöffel langsam genossen.
Das Besondere an dem Programm: Für jeden Fasten-Tag werden „sinnliche“
Extras empfohlen, wie zum Beispiel Entgiftungswickel, ein Erfrischungs-Bad
mit Fichtennadeln oder bestimmte Körperübungen. Denn: Jeder Wochentag steht
archetypisch für eine „Qualität“, die mit bestimmten Themen verbunden ist:
So hat etwa der „Starttag“, der Freitag, „Abschiednehmen von Altem“ zum
Thema, aber auch „Sinnlichkeit“: Empfohlen wird daher ein sinnliches
Rosenblütenbad sowie der Film „Pretty Woman“. Oder: Der vierte Fastentag ist
dem „Aggressionsprinzip“ untergeordnet. Er soll zu mehr Entscheidungskraft
verhelfen – und daher raten die Autoren etwa zum „Wut-Trommeln“: Einen
Plastikkübel zwischen die Knie klemmen und mit zwei Stöcken darauf trommeln,
was das Zeug hält... Der letzte und siebente Fastentag ist wieder ein
Freitag – der Kreis schließt sich und das Motto ist nun: „Den Neuanfang
bewusst gestalten.“ Sie dürfen nun wieder einen reifen Apfel essen, Gemüse,
mildes Naturjoghurt, Kräuter und Knäckebrot.
Fasten-Plan nach Dahlke
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Sie starten am Freitag: Entlastungstag Zu Beginn der
Fastenwoche soll sich Ihr Verdauungsapparat langsam umstellen. Dazu
ist ein Reis-Tag ideal.
Morgens & mittags Je 80 Gramm ungeschälten Naturreis
(ohne Salz gekocht!) mit gedünstetem Obst oder Gemüse essen.
Dazwischen viel trinken!
Abends Der letzte Bissen: Ein Apfel. Sie können ihn auch
dünsten und bei Bedarf mit Zimt bestreuen.
Die Fastentage von Samstag bis Donnerstag: Morgens 2–3
Tassen Kräutertee oder heißes Wasser. Bei niedrigem Blutdruck:
Rosmarin- oder Mate-Tee.
Mittags 125 ml Obst- oder Gemüsesaft (mit Wasser verdünnt)
oder warme Gemüsebrühe.
Nachmittags 3–4 Tassen Tee (bei Kälte: Ingwertee).
Abends Warme Gemüsebrühe und beruhigender Kräutertee (wie
Melisse).
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SOS-Apotheke
Da sich der Stoffwechsel während des Fastens
umstellt, kann es vorübergehend zu Frösteln, Schwindel oder Kopfschmerzen
kommen. Es ist daher empfehlenswert, sich für die Fastenwoche freizunehmen.
So kann sich auch die Seele besser regenerieren.
Fasten-Notfallapotheke
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Was tun, wenn...
.. Sie Hunger verspüren: Viel trinken! Am besten
heißen Ingwertee. Der macht auch schön warm.
... Sie Kopfschmerzen haben: Ebenfalls noch mehr trinken,
um Giftstoffe auszuspülen. Auch Homöopathie hilft:
Calcium-phosphoricum-D6-Globuli nehmen!
... Sie Magenschmerzen bekommen: 2-mal täglich 1 TL feine
Heilerde in einem halben Glas Wasser verrühren und schluckweise
trinken. Auch gut: 2 EL Kartoffelsaft mit Wasser verdünnt trinken.
... Sie nicht einschlafen können: Achten Sie auf
warme Füße (Socken anziehen!) und trinken Sie beruhigenden
Baldrian-, Melissen- oder Lavendeltee.
... Sie sich schwach oder schwindlig fühlen: Gehen
Sie an die frische Luft und/oder lagern Sie die Füße hoch. Auch
Ginsengtee hilft.
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Auf der nächsten Seite: Mediziner Ruediger Dahlke im Interview
Mediziner Ruediger Dahlke im Interview
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„Die Seele gut nähren...“
Sie fasten selbst zweimal im Jahr, leiten Fasten-Seminare und
verfassen Ratgeber darüber. Warum ist Fasten so wichtig? Ruediger
Dahlke: Weil eine Fastenzeit die ideale Regeneration für den
Körper und die Seele ist. Seit 30 Jahren begleiten wir fast jede
Psychotherapie mit Fasten. Man könnte sogar sagen: Fasten ist für sich
eine Form der Psychotherapie, weil sich dabei so viel auf seelischer
Ebene klärt. Hinter den körperlichen Knoten, die uns drücken, stehen
immer auch seelische. Fastend können sich die Knoten auf beiden
Ebenen lösen und die in ihnen verfestigte Energie wieder freigeben.
Die meisten Menschen verbinden Fasten mit Kasteien. Ihr neuer
Ratgeber heißt jedoch: „Sinnlich fasten...“ Dahlke:
Ja, man kann Körper und Seele durchaus mit Genuss erneuern.
Deshalb haben meine Kollegin Dorothea Neumayr und ich für jeden Tag
der Fastenwoche Vorschläge für „sinnliches Erleben“ gemacht, sei es
durch Badezusätze, Peelings oder Wohlfühl-Übungen. Die Idee des
Buches ist es, die Seele gut zu nähren und sie wachsen zu lassen,
während der Körper verzichtet und regeneriert.
Und wann ist der beste Zeitpunkt dafür? Dahlke:
Jetzt. Denn von alters her wird im Frühjahr gefastet, in der Zeit
des Neuanfangs der Natur. Vielen Menschen, und besonders den Frauen,
ist der Frühling Anlass zu einer Art Neubesinnung – verbunden mit
der Hoffnung, in diesem Jahr das eigene Körperideal zu
verwirklichen.
Abgesehen von der guten Figur: Was bewirkt das Fasten noch? Dahlke:
Eine runderneuerte Haut, gesündere Organe. Sie sehen und riechen
wieder besser und erleben eine neue Sinnlichkeit des Körpers!
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Kloster-Fasten
Wenn Ihnen die Vorstellung einer Woche ohne
feste Nahrung nicht behagt, gibt es auch eine andere Möglichkeit, Körper,
Geist und Seele zu reinigen: In Klöstern wurde zu Fastenzeiten sehr gut
gespeist – allerdings bescheidener als sonst und ohne Fleisch. Fastenrezepte
– von Suppen bis hin zu Kartoffelgerichten – haben daher in Klöstern eine
lange Tradition. Eine Auswahl an 120 traditionellen und modernen
Fastenspeisen hat die Wiener Autorin Christiane Holler in ihrem Ratgeber
„Fasten mit Klosterrezepten“ zusammengestellt. Wichtig dabei: Die einfachen,
gesunden Mahlzeiten langsam genießen und zwei bis drei Liter pro Tag dazu
trinken. Am besten:
Fastentees mit spezieller Heilwirkung.
'Fasten mit Klosterrezepten' von Christiane Holler um 14,95 Euro. Hier
geht's zur Bestellung. Bild: (c) Kneipp Verlag